Kunduz-Ausschuss vertagt Befragung von Bundeswehr-Generälen (Video)
von Dirk ~ 5. März 2010. Zu lesen unter: Parlamentsarmee, Video.J2 Informationen über zivile Opfer sollen aus Lagebericht getilgt worden sein
Paukenschlag im Kunduz-Ausschuss: Wegen eines SPIEGEL-ONLINE-Berichts von Ulrike Demmer wurde die Vernehmung des Brigadegeneral Jörg Vollmer (in Afghanistan im Einsatz als Commander ISAF Regional Command North, derzeit Kdr PzGrenBrig 37 in Frankenberg/Sachsen, Bild unten, mit Hamid Karzai in Nordafghanistan)
und des Generlleutnant Rainer Glatz (Befehlshaber Einsatzführungskommando) auf de 15.03.2010 verschoben. Beiden soll bereits am Folgetag (05.09.2009) des vom PRT Kommandeur Oberst Georg Klein befohlenen Luftschlages bekannt gewesen sein, dass afghanische Zivilisten (CIVCAS) beim Tanklaster-Bombardement umgekommen sein könnten – doch die Hinweise wurden nach SPIEGEL-Informationen aus internen Systemen gelöscht. Dem Generalleutnant Rainer Glatz (Bild unten, links stehend bei der ISAF RC North Kommandoübergabe von BG Vollmer am BG Setzer in Mazar-e-Sharif am 05.10.2009)
wurde in Potsdam-Schwielowsee nach dem Lagebericht schnell klar, dass bei der Vielzahl der zivilen Opfer der deutsche PRT Kunduz Kdr Oberst Klein in der vorangegangenen Nacht gegen die Tactical Directive des COM ISAF US General Stanley McChrystal aus dem Oberbefehl inne habenden Headquarters International Assistance Security Force vom 06. Juli 2009 verstoßen haben könnte.
Im NATOChannel-Video unten erläutert Oberst Klein noch Ende Juli 2009 die Lage und das Vorgehen im Provincial Reconstruction Team (PRT) Kunduz und der Commander ISAF ist auf Visite u.a. beim Gouverneur in seinem nördlichen Befehlsbereich im Raum Kunduz, Brigadegeneral Jörg Vollmer begleitet ihn.
Wegen des möglichen Geheimnisverrates aus den Akten an das Magazin SPIEGEL soll die Staatsanwaltschaft ermitteln.
Wenn sich allerdings ein “befohlenes Tilgen”, das der SPIEGEL durchblicken lässt, im Lagebericht erweisen sollte, stehen die beiden Generäle unter Beschuss und könnten wegen des Kunduz-Luftschlages und seiner Folgen - wie auch schon General Wolfgang Schneiderhan – als politischer Beamte (ab B3, BrigGen) vorzeitig in den Ruhestand versetzt werden. Dann hätte im Ergebnis zum wiederholten Male der schwache politische Verteidigungsminister Jung, der die Begrifflichkeiten und die Wahrheit über Krieg und Kriegsopfer nie wahrhaben wollte, hohe Bundeswehr-Offiziere zur Unwahrheit verleitet.
Man (die verantwortliche Generalität) kann sich nicht bei der Begründung für die militärische Erfordernis des Luftschlages auf Informationen des Militärischen Nachrichtenwesen (J2) stützen, aber die Informationen derselben Stabs-Abteilung beim Lage- und Schadensbild danach mit erheblichen zu erwartenden Implikationen im Einsatzraum und darüber hinaus als spekulativ oder unbestätigt verwerfen oder bewußt verschweigen.
Bundeswehr, die Fabrik der unkritischen Offiziere? Mundgerechte getilgt-verfälschte Lageberichte; vorauseilender Gehorsam auf höchster Ebene; Angst vor dem Schneid der eigenen Kommandeure vor Ort; was nicht sein darf, das nicht sein kann; Bermuda-Dreieck Kunduz-Potsdam-Berlin?
zum SPIEGEL-Artikel ”Aufregung über Geheimdossier – Kunduz-Ausschuss verschiebt Befragung von Generälen” von Ulrike Demmer.
(Bilderquellen: Bundeswehr.de, Soldatenglück.de;
Videoquelle: NATOHANNEL:TV)

























5. März 2010 um 10:55 Uhr
Es kann nicht sein, was nicht sein darf…..
So langsam bildet sich ein Bild des Chaotenclubs in Berlin und auf den höheren Führungspositionen.
Das Meldungen nach oben geschönt werden ist doch das Problem durch das Oberst Klein erst in die Lage gebracht wurde zum Mittel des Luftschlages zu greifen.
Durch die beharrliche Realitätsverweigerung auf oberster Ebene, nicht zuletzt im Einsatzführungskommando und durch den GI wurden doch erst die Vorraussetzungen für den Schlamassel geschaffen.
Mit der selben Konsequenz mit der die Politik die Einsatzrealitäten gegenüber der Bevölkerung verschwiegen hat, hat die oberste Führung die militärischen Notwendigkeiten gegenüber der Politik nicht vertreten, sondern beschwichtigt und geschönt.
Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und die Medien machen aus allen Kleinigkeiten einen “Skandal”, auch wenn nichts dran ist, oder eine durchaus plausible Erklärung möglich ist, scheiß drauf etwas bleibt immer hängen.
Hauptsache Auflage ;-(
In Anbetracht der Aufgaben die dem Einsatz in den nächsten Jahren vor der Brust stehen, zeigt sich, das es richtig war den GI auszuwechseln und ich denke weitere Köpfe werden da noch rollen.
Bei der Zeit gab es dazu einen hervorragenden Bericht zum Spannungsfeld der jüngeren und einsatzerfahrenen Offiziere
und den “Verwaltungsoffizieren” im BMVg.
5. März 2010 um 11:01 Uhr
Schon wieder so ein Pseudo-Skandal. Es wurden keine “Informationen” zurückgezogen, sondern eine spekulative Aussage, die so in einem INTSUM nichts zu suchen hat.
5. März 2010 um 13:24 Uhr
“Durch die beharrliche Realitätsverweigerung auf oberster Ebene, nicht zuletzt im Einsatzführungskommando und durch den GI wurden doch erst die Vorraussetzungen für den Schlamassel geschaffen.” Wurden die Vorraussetzungen nicht schon am Anfang des Einsatzes geschaffen? Bei der Festlegung des Kontingents? In der aktuellen Zeit steht ein schöner Satz drin. Sinngemäß: “Es war ein Fehler, das Truppenkontingent daran festzumachen, was politisch (dem Volk) Zumutbar war, statt es daran festzumachen, was als militärisch Sinnvoll gewesen wäre.” Demnach liegt bei dem Einsatz der Hase grundsätzlich seit Anfang an im Pfeffer. Zu wenig Soldaten und fehlendes/falsches Gerät für die zu stemmende Aufgabe? Die geschönten Berichte sind dann eher das Geschenkpapier, in dem der ganze Schlamassel hübsch verpackt ist
5. März 2010 um 13:33 Uhr
Link zum Zeit-Artikel
http://blog.zeit.de/bittner-blog/2010/03/03/haubitzen-statt-bambis_960
5. März 2010 um 13:35 Uhr
Schon lesenswert, der Artikel bzw. die aktuelle Ausgabe der Zeit.
Der genaue Wortlaut: „Es war“, sagt etwa rückblickend ein ranghoher Ministeriumsvertreter, „von Anfang an ein Webfehler, die Zahl der eingesetzten Soldaten in den einzelnen Regionen entlang parteipolitischer Schmerzgrenzen festgelegt zu haben statt entlang militärischer Erfordernisse.“
5. März 2010 um 19:28 Uhr
[...] Wegen des möglichen Geheimnisverrates aus den Akten an das Magazin SPIEGEL soll die Staatsanwaltschaft ermitteln. Wenn sich allerdings ein “befohlenes Tilgen”, das der SPIEGEL durchblicken lässt, im Lagebericht erweisen sollte, stehen die beiden Generäle unter Beschuss und könnten wegen des Kunduz-Luftschlages und seiner Folgen - wie auch schon General Wolfgang Schneiderhan – als politischer Beamte (ab B3, BrigGen) vorzeitig in den Ruhestand versetzt werden. Dann hätte im Ergebnis zum wiederholten Male der schwacher politische Verteidigungsminister Jung, der die Begrifflichkeiten und die Wahrheit über Krieg und Kriegsopfer nie wahrhaben wollte, hohe Bundeswehr-Offiziere zur Unwahrheit verleitet. Man (die verantwortliche Generalität) kann sich nicht bei der Begründung für die militärische Erfordernis des Luftschlages auf Informationen des Militärischen Nachrichtenwesen (J2) stützen, aber die Informationen derselben Stabs-Abteilung beim Lage- und Schadensbild danach mit erheblichen zu erwartenden Implikationen im Einsatzraum und darüber hinaus als spekulativ oder unbestätigt verwerfen oder bewußt verschweigen. (mehr auf Soldatenglück.de) [...]