Für Guttenberg wird es ernst (Video)
von Dirk ~ 13. Dezember 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik, Video.Jeden Tag kommt ein bisschen mehr ans Licht: Der Luftangriff bei Kundus Anfang September soll, so wurde gestern bekannt, nicht dazu gedient haben, das nahe gelegene Feldlager der deutschen Bundeswehr zu schützen und einen Angriff der Taliban mit den zwei gekaperten Lastwagen zu verhindern, sondern es war offenbar eine gezielte Attacke auf eine Taliban-Gruppe. So jedenfalls geht es aus einem Bericht von Bundeswehr-Oberst Georg Klein hervor, der damals, am 4. September die Luftunterstützung der US-Armee angefordert und den Befehl für die Bombardierung gegeben hatte. Ziel, so Klein, sei es gewesen, die Gruppe zu “vernichten”. Das soll er in seinem Report schon am 5. September geschrieben haben. Auch die Internationale Schutztruppe (Isaf) kommt in ihrem Bericht zu dem Ergebnis, Klein habe die Menschen angreifen wollen, nicht die Fahrzeuge. Das ändert die Sachlage grundlegend, denn das wäre eine “gezielte Tötung” – und die ist im Bundeswehrmandat für Afghanistan nicht vorgesehen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagt zu den neusten Meldungen nichts mehr. Er, der am Freitag überraschend und schon zum zweiten Mal nach Afghanistan geeilt war, verweist jetzt nur noch auf den Untersuchungsausschuss. Doch der Minister ist in Bedrängnis, schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt am 28. Oktober. Sicherlich, er war am 4. September noch nicht für die Bundeswehr zuständig. Der CSU-Mann trägt persönlich für den Luftangriff also keinerlei Verantwortung. Aber für all das, was seit Ende Oktober geschah. Anfang November sagte Guttenberg noch, er halte den Luftangriff für “militärisch angemessen”. Diese Äußerung hat er inzwischen revidiert, nachdem Ende November dann neue Details zum Luftangriff bekannt wurden und sein Vorgänger, Minister Franz Josef Jung (CDU), die Konsequenzen zog und zurücktrat. Aber wusste Guttenberg wirklich nichts von dem Klein-Report? Nichts von den Ausführungen der Isaf über Kleins Ziele? All das sind Fragen, die Guttenberg schnellstmöglich beantworten muss. Den Abgeordneten im Untersuchungsausschuss, im Bundestag, aber auch der Öffentlichkeit. Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob man aus Selbstschutz die beiden gekaperten Tanklastwagen bombardieren lässt – oder ob man eine Gruppe von Taliban gezielt jagt. Die Informationspolitik des Bundesverteidigungsministeriums ist, so viel steht schon fest, katastrophal. Und schlimmer noch: Angesichts der Fülle der Berichte, die schon Anfang September gefertigt wurden, verstärkt sich der Verdacht, dass die ganze Sache absichtlich verzögert, verheimlicht wurde. Am 27. September stand schließlich eine Bundestagswahl an, im Wahlkampf stritten sich die Parteien auch über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Eine gezielte Tötung von Taliban-Führern hätte sicherlich für heftige Debatten gesorgt, die Bundesregierung aus CDU, CSU und FDP stark unter Druck gesetzt. Guttenberg hat viel aufzuklären. (Zitatende)
Kommentiert die Berliner Morgenpost des Axel-Springer-Verlages.
Dazu ein N24 Video mit einer Stellungnahme von Brigadegeneral a.D. Bernd Kiesheyer zum KSK-Einsatz, BrigGen d.D. Kiesheyer vermag sich nicht vorzustellen, dass es für BMin zu Guttenberg tatsächlich unter Druck geraten sollten und sagte, “wenn es zu einer – ja – transparenten Öffentlichkeitsarbeit kommt und der derzeitige Verteidigungsminister ist ja dabei die Sache deutlich offensiver zu betrieben als das vorher betrieben wurde …”:
(Textquelle: Berliner Morgenpost.de;
Bildquelle: NATO.ISAF.int; An Afghan village elder sits in the gardens inside the district center in Dangam, Afghanistan, Dec. 3, 2009, Joint Combat Camera Afghanistan Photo by Sgt. Teddy Wade;
Videoquelle: N24 via YouTube-Nutzer nasenstaub)























13. Dezember 2009 um 12:29 Uhr
Wie weltfremd muß ein Journalist sein bevor er versucht aus einer Normalität einen Skandal zu machen?
Können wir nur noch in der Kategorie entweder oder weder denken ?
Wenn man die veröffentlichten Teile der Berichte zugrundelegt, handelt es sich meiner Einschätzung nach um die normalsten Dinge der (zumindest militärischen ) Welt.
Der zitierte Satz von O.Klein ist nichts anderes als der Entschluß den er aufgrund der Lage gefällt hatte.
Nun stürzen sich die Medien auf einzelne aus dem Zusammenhang gerissene Sätze und erzeugen beim deutschen Michel Schnappatmung.
Auch das nach dem Bericht in der SZ sich der Spiegel eigentlich bei seinen Lesern für die geziehlte Desinformation entschuldigen müßte wird geflissentlich übersehen. That`s business.
13. Dezember 2009 um 12:30 Uhr
Zu Guttenberg räumt momentan auf. Er erledigt das, was Rot/Grün und auch Schwarz/Rot versäumt haben: Die Öffentlichkeit mit der Realität in Afghanistan konfrontieren. Dass ausgerechnet jetzt die Opposition (Rot/Grün) empört reagiert und die Wahrheit fordert, ist peinlich. Sie sind es, die all die Jahre der deutschen Bevölkerung Märchen erzählt haben und die weniger schönen Fakten in Afghanistan für sich behielten. Zu Guttenberg bewegt sich zwar immer noch zurückhaltend, aber im Vergleich zu Jung ist es ein echter Fortschritt. Wir alle können hoffen, dass zu Guttenberg nicht einknickt.
13. Dezember 2009 um 13:45 Uhr
@Matze – Das Ende der Märchenstunde, das Erwachen ist nicht sanft, sondern mit Paukenschlag und Untersuchungs-Ausschuss bei Selbst- und Tatsachenfindung auf Raten. Deutschland führt Krieg in Afghanistan ist zwar eine bittere, aber dafür eine längst überfällige und wahre Erkenntnis.
13. Dezember 2009 um 14:33 Uhr
Überall liest man, dass einer neuen “Eskalationsstufe” (Schwarz/Rot) noch vor der Bombardierung zugestimmt worden sei.
Wenn dies zustimmen sollte, dann hätte das die CDU doch nicht alleine entscheiden können. Hier muss es doch Mitwisser in der SPD gegeben haben, insbesondere meine ich damit Herrn Steinmeier. Wenn ich aber nun verfolge, wie die SPD (insbesondere Gabriel und Nahles) den Rücktritt von zu Guttenberg fordert, dann bin ich völlig verwirrt, weil ich nicht glauben kann, dass all das dem früheren Regierungspartner SPD nicht vorgetragen wurde.
13. Dezember 2009 um 16:14 Uhr
Wenn man auf der Oppositionsbank sitzen muß, meine Damen und Herren von der SPD, ist es ja soooooo einfach, die Gegenseite mit Dreck zu beschmeißen.
Sie haben doch diese ganze Sch…… mit angerührt.
Zu Ihrer Zeit war Herr zu Guttenberg noch kein Verteidigungsminister, – schon vergessen ? Und nun muß dieser Mann, ihren hinterlassenen Saustall aufräumen ? Sie sollten sich schämen.
Aber, ich denke mal, daß Herr zu Guttenberg zeigen wird,
wo der Hammer hingehört.
13. Dezember 2009 um 16:24 Uhr
@Gisela L.
Ihr Wort in Gottes Ohr!