Afghanistan – Am Boden in der Defensive (Videos)
von Dirk ~ 9. Dezember 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik, Video.Mainz – In der Informations-Offensive
Der ZDF-Journalist Uli Gack übersetzt und sendet unkommentiert Taliban-Propaganda. In der Video-Zeitphase 02:24 bis 02:36 Minuten übersetzt er im ZDF-Beitrag vom 19. November um 21:49 Uhr im ZDF heute journal ausgestrahlt einen Taliban-Anführer, der sich brüstet mit seinen Taliban-Kämpfern ISAF Konvoi LKW-Fahrer und viele ISAF-Soldaten getötet und verwundet zu haben. Wo und wann das gewesen sein soll, welche ISAF-Nation betroffen sein soll, diese Information bleibt Uli Gack schuldig.
Mit ist zugetragen worden, dass der Reporter vom ZDF aus Mainz deutschen Bundeswehr-Soldaten Geld geboten haben soll, wenn sie ihm ihre Handy-Aufnahmen von Gefechten der Bundeswehr mit Taliban oder von IED-Geschehnissen zur Verfügung stellen. Wie wir an manchen seiner bisherigen bewegten Bilder mit eingebauten Wackel-Sequenzen sehen können, hat er damit offenbar auch Erfolg gehabt – auch öffentlich-rechtliche Sendeanstalten sind vor eifrigem Sensations-Journalismus nicht sicher. Das mag im Fall Gack auch daran liegen, dass er einer der wenigen “journalistischen Dauergäste” in Afghanistan ist, der von der Bundeswehr hofiert wird, weil er schließlich vom ZDF, dem Zweiten Deutschen Fernsehen, ist.
Und Uli Gack vom HQ Lerchenberg endet im Beitrag mit den Worten:
“… große Teile im Süden im Osten haben die Taliban erobert, nur die Luftwege sind offen, doch wer weiß wie lange noch”.
Zweifelt der Mann nun auch noch an der Lufthoheit der ISAF am Himmel des Hindukusch?
Ich, wobei es auf mich nicht ankommt, will im und aus dem Einsatzland Afghanistan gewiss keinen von GEZ-Gebühren finanzierten Hurra-Journalisten haben, aber einen vermeintlich seriösen ZDF-Bericht gespickt mit solchen Patzern oder Tendenzen kann und will ich auch nicht für ideal befinden. Wo sind bitte weitere deutsche Berichterstatter aus den Konfliktregionen und Kriegen, diese Journalisten-Disziplin ist bei uns offenbar noch nicht besonders ausgeprägt und wenig attraktiv, bleihaltige Luft wirkt eben nicht besonders anziehend.
Die Bildsequenzen im ZDF heute journal Beitrag vom 19. November mit “Taliban nach der Tat” hat Herr Gack übrigens dieser euronews no comment Beitrag-Quelle (Video unten) vom 19. Oktober 2009, Soldatenglück.de berichtet am 21. Oktober darüber mit dem Titel Taliban, Zivilist, Sympathisant, Unbeteiligter oder Plünderer? (Video), entnommen und “zusammen geschnippelt”, in Wahrnehmung des öffentlich-rechtlichen Informationsauftrages.
(Videoquellen: YouTube.com via Nutzer nasenstaub; euronews.net no comment.tv)






















9. Dezember 2009 um 10:40 Uhr
“Wo sind bitte weitere deutsche Berichterstatter aus den Konfliktregionen und Kriegen, diese Journalisten-Disziplin ist bei uns offenbar noch nicht besonders ausgeprägt und wenig attraktiv, bleihaltige Luft wirkt eben nicht besonders anziehend.”
Es mangelt nicht an deutschen Journalisten, die aus Kriegs- und Krisengebieten berichten können und wollen. Es mangelt daran, dass Verlage und Sender kein Geld für Kriegsberichterstattung ausgeben wollen. Maximal 125 Euro werden einem freiberuflichen Reporter am Tag für die Berichterstattung aus Afghanistan geboten – wenn überhaupt. Darin eingeschlossen sind Reisekosten und Kosten beispielsweise für Dolmetscher. Das bedeutet: Am Ende läuft die Berichterstattung für den Freiberufler auf +/- Null raus. Und da in den meisten Redaktionen Stellen für festangestellte Journalisten gestrichen werden, wird die Berichterstattung in die Händen der Freiberufler gelegt. Kein Wunder, dass die – um Kosten zu sparen – dann wie Uli Gack mit der Bundeswehr nach Afghanistan fliegen, sich deren Dolmetscher bedienen und sich teilweise sogar die Interviews von den Presseoffizieren organisieren lassen. Skandalös, dass es im Norden Afghanistans von keinem deutschen Medium dauerhaft einen Korrespondenten gibt!
Aber: Fliegen Politiker in die Kriegsregion, ist der Flieger voll von festangestellten Redakteuren. Das sind dann sonntags im “Presseclub” und in anderen Talkshows die Experten, die mit der Erfahrung von Ministerstunden über Krieg, Frieden und Luftangriffe parlieren. Das nenne ich ein gelungene Umsetzung des Verfassungsauftrages an die deutsche Presse. Und angesichts einer Gage von 100.000 Euro pro “Wetten dass …?” für den Moderator oder Millionenausgaben für Fußballspiele einen verantwortvollen Umgang der öffentlich-rechtlichen Sender mit den Gebühren!
9. Dezember 2009 um 11:43 Uhr
@Sepp – Danke für die ergänzende Begründung und die Informationen über “das täglich Brot” von engagierten und mutigen Journalisten, die bereit sind, aus Krisen- und Kriegsgebieten zu berichten.
9. Dezember 2009 um 23:50 Uhr
Das feste ZDF-Reporterteam (Kameramann, Ton- und Moderator) in AFG ist aufgelöst worden. Ullrich Tilgner als anerkannter Fachmann kann jetzt nur noch freiberuflich arbeiten.
Uli Gack ist einer der besten Journalisten, den wir überhaupt noch vor Ort haben ! Dies ist ein Glücksfall, ansonsten würde die Bundeswehrführung den Einsatz total totschweigen !
Er versucht wenigstens noch kritisch zu berichten und für die Soldaten zu arbeiten, indem er in der interessierten Öffentlichkeit Deutschlands noch ein Minimum Interesse für die deutschen Soldaten in AFG aufrechterhält.
Chronologie eines Vorfalls:
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/4/0,3672,7892516,00.html
Auswirkung der deutschen Diskussion auf den Einsatz in Kunduz:
http://www.youtube.com/watch?v=x2c-RpeWF44
10. Dezember 2009 um 00:12 Uhr
Warum genau verdient Uli Gack den Titel “einer der besten Journalisten, den wir überhaupt noch vor Ort haben”?
Nahezu sämtliche Berichterstattung führt derzeit nämlich dazu, dass immer mehr Bürger den Einsatz ablehnen, da sie nicht in der Lage sind, die Berichte kritisch zu hinterfragen.
Da traue ich Ulrich Tilgner deutlich mehr zu.
10. Dezember 2009 um 00:50 Uhr
@ Vrael
Wen haben wir denn noch vor Ort in Kunduz ?
Frederieke Böge von der FAZ, ULi Gack und wen noch ?
Warum lehnen den immer mehr Bürger den Einsatz ab ?
Doch wohl, weil das BMVg seit Jahren eine abwiegelnde, einlullende Pressearbeit betreibt und nicht offensiv für den Einsatz in allen seinen Facetten wirbt.
Oder hat die Regierung der Bevölkerung erklärt was ein Kapitel VII Einsatz ist, welche militärischen Mittel man für diesen Auttrag braucht und was für eine Art von Konflikt (nichtinternationaler bewaffneter Konflikt) wir dort vor Ort haben, bei dem das Völkerstrafrecht und nicht das inländische Recht auf Notwehr und Nothilfe gilt ?
Das Verdienst von Uli Tilgner ist meiner Meinung nach, dass er aus der Perspektive der betroffenen Soldaten berichtet. Sicherlich macht er dies nicht ohne Hintergedanken, denn er ist auf die Zusammenarbeit mit der Bw angewiesen.
Wenn man natürlich einen freischaffenden Journalisten hat, mit ehemaliger US-Marines Ausbildung und genügend Geldspenden, dass er freiberuflich arbeiten kann, dann kann man auch anders berichten.
Michael Yon ist so ein Tausendsassa
http://www.michaelyon-online.com/
10. Dezember 2009 um 01:07 Uhr
Einen embedded Journalismus wollen wir nicht, warum eigentlich nicht, dann könnten mehr kommen, denn die Logistik und Sicherheit sind derzeit die Hauptprobleme und Hindernisse, und die Vielzahl der Vertreter der verschiedenen Meinungen der Zeitungen und Magazine von taz, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, F.A.Z., SPIEGEL, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, Stuttgarter Zeitung, Neue Osnabrücker Zeitung, WAZ, Bild, Kieler Nachrichten usw. … ließe sich auch vom Pressestab nicht vorschreiben, worüber sie wie berichten. Einen Versuch wäre es mindestens wert, und freie Manöver in Kabul oder je nach Interessenlage andernorts sind ausdrücklich erlaubt. Endlich ein paar Bilder von blühenden Mohnfeldern im deutschen Fernsehen oder von der bitteren Armut in den Flüchtlings-Camps oder vom Kyber-Pass oder von dem, was an der afghanisch-pakistanischen Grenze täglich passiert.
Eine, die noch erwähnt werden muss, ist die Österreicherin Antonia Radoz von RTL (mit eigenem Blog) zB, sie zieht sich den Schal über die Haare und legt los mit Kamera- und Tonmann, Übersetzer, Fahrer und geht ran an die vermeintlichen Rand-Themen, die das Geschehen viel verständlicher machen http://newsblog.rtl.de/.
10. Dezember 2009 um 08:52 Uhr
Das Problem dabei ist doch, das diese Berichte nur für eingeweihte
erreichbar sind-
Statt seriöser Berichterstattung sind Sensationsmeldungen oder Krawalltalkshow`s die Renner.
10. Dezember 2009 um 11:20 Uhr
Die Berichte von eingebetteten Journalisten geben die Realität im Einsatzland in der Regel wesentlich besser wieder, als die freien Berichterstatter.
Wenn die Journalisten nur mit dem Minister oder anderen Politikern zum Besuch kommen, erhalten sie regelmäßig “Potemkinsche Dörfer” präsentiert.
Und noch ein Nachtrag. Susanne Koelbl vom Spiegel darf man nicht unerwähnt lassen. Damit wären es 4 Journalisten, die im öffentlichen Bewußtsein für Deutschland aus dem Einsatz berichten. Ist dies in Relation zu den Ereignissen in AFG angemessen ?
28. Januar 2011 um 18:32 Uhr
Leider bin ich erst heute am 28.01.11 auf diese Seite gestoßen, trotzdem möchte ich folgendes von mir geben. Den besten Journalisten, den wir hatten war Ullrich Tilgner und nicht Uli Gack. Der Herr Tilgner hatte stets abseits des Militärs gedreht, bei der einfachen Bevölkerung und gab deren Einschätzungen und Eindrücke ab. Frei von martialischer Splitterschutzweste und dergleichen mehr. Der beste Schutz, den er in Anspruch nahm, war der Schutz der Dorfbewohner und deren Gastfreundschaft. Diese Arbeitsweise praktiziert er noch heute, falls andere lauthals sagen, die Sicherheitslage hätte sich seitdem verändert.
Ullrich Tilgner war jahrelang Berichterstatter beim ZDF, bis er die Brocken hingeschmissen hat. Warum? Ganz einfach, weil die Arbeitsbedingungen dort unerträglich wurden – Eingriff in die Pressefreiheit, Bündnisrücksichten. Weiter bemängelte er die fehlende Unabhängigkeit beim ZDF und der Hang zum eingebettetem Journalismus. Darum arbeitet er seit über 3 Jahren schon beim Schweizer Fernsehen. Dort kann er unabhängig vom Hindukusch berichten. Ein Grund, warum das möglich ist, liegt daran, dass die Schweiz neutral ist und keine Truppen stellt. Deshalb übt die Schweizer Regierung auch keinen Druck auf die Medien aus, was bei uns aber der Fall ist.
Ferner hat Ullrich Tilgner auf seiner Webseite einen Artikel geschrieben über die Qualität der öffentlich rechtlichen Sendern und deren eingebetteten Journalisten. Er bemängelt die nicht vorhandene Objektivität und die fehlende Distanz von Journalisten, die die Nähe zu den Militärs und der Politik suchen. Und da nun der Uli Gack der einzige beim ZDF ist, der über Afghanistan berichtet, kann er nur damit gemeint sein. Und das stimmt auch. Er berichtet ausnahmslos im Beisein der deutschen Soldaten über deren Befindlichkeiten. Kein Beitrag in einem Dorf zwischen Einheimischen, immer nur innerhalb der Bundeswehr. Somit kann er gar nicht unabhängig berichten, frei von Einflüssen. So wie heute, als er sagte, in Afghanistan geht es voran. Welch eine Fehleinschätzung. Das kommt davon, wenn man nur eine “Quelle” hat, von der man berichtet. Ullrich Tilgner hat davor gewarnt.
Ich kann davon abraten, den Reportagen des Uli Gack Glauben zu schenken, denn sie geben nicht die reale Welt am Hindukusch wieder.