Genscher: Lambsdorff war ein guter Kamerad und Patriot
von Dirk ~ 6. Dezember 2009. Zu lesen unter: Grund(ein)stellung.
Otto Friedrich Wilhelm Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff,
ein bescheidener Aristokrat und geradliniger, weltoffener Liberaler
mit preußischer Tugend und Tapferkeit
Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (81) hat den verstorbenen FDP-Ehrenvorsitzenden und politischen Weggefährten Otto Graf Lambsdorff als “guten Kameraden” gewürdigt, “der in seiner Bescheidenheit und in seiner Geradlinigkeit auch seine Freunde immer wieder beeindruckte”. In einem Beitrag für die Bild-Zeitung (Ausgabe 07.12.2009) schreibt Genscher: “Otto Graf Lambsdorff gehörte zu den Gestaltern der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Marktgraf, wie er respektvoll genannt wurde, sah in der sozialen Marktwirtschaft stets auch die ethische Verantwortung der Handelnden. So wurde er zum Vorbild.”
In einem Interview mit dem Deutschlandfunk bezeichnete Genscher Graf Lambsdorff als “ganz verlässlichen Freund, ernsthaften aber von Heiterkeit erfüllten Menschen und Politiker, der seine Verantwortung kannte”. Er habe in “großer Tapferkeit” die Lasten getragen, die ihm aufgetragen wurden.
Der langjährige Bundeswirtschaftsminister sei “ein Patriot im besten Sinne des Wortes” gewesen, schreibt Hans-Dietrich Genscher. “Für ihn war 1990 die Zusammenführung der deutschen Liberalen in West und Ost unter seinem Vorsitz die Krönung seines politischen Lebenswerkes. Daran, dass es dazu kommen würde, hat er nie gezweifelt.”
Sein Wirken in den letzten Jahrzehnten war prägend und hat in der politischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland tiefe Spuren hinterlassen. Durch seine überragenden Leistungen genoss er weit über Deutschland hinaus großes Ansehen.
Otto Graf Lambsdorff starb am 05. Dezember im Alter von 82 Jahren in einem Bonner Krankenhaus.
(Bilderquelle: Liberale.de, FDP Bildarchiv, Werner Hoyer.de)
“Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben”
Am 20. Dezember 1926 wurde Otto Graf Lambsdorff in Aachen geboren, er hinterläßt seine Frau Alexandra, geborene von Quistorp, und drei erwachsene Kinder Nikolaus (derzeit Deutscher Botschafter in Moldawien), Cecilie und Susanne aus erster Ehe mit Renate Lambsdorff, geborene Lepper. Graf Lambsdorff von der Wenge besuchte ab 1932 zunächst Schulen in Berlin, von 1941 bis 1944 die Ritterakademie zu Brandenburg an der Havel. Im Zweiten Weltkrieg diente er ab Frühjahr 1944 als Offizieranwärter bei der Wehrmacht und wurde 1945 kurz vor Kriegsende in Thüringen bei einem Tieffliegerangriff schwer verwundet. Infolge der Verwundung musste ihm der linke Unterschenkel amputiert werden, die schwere Kriegsbeschädigung ertrug er sein Leben lang mit preußischer Tapferkeit, er kompensierte die Bewegungs-Beeinträchtigung mit der Sportart Schwimmen und hielt sich so mit eiserner Disziplin bis ins hohe Alter körperlich fit.
Nach der Kriegsgefangenschaft absolvierte Lambsdorff 1946 das Abitur am Pestalozzi-Gymnasium Unna/Westfalen und absolvierte anschließend das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn und Köln, das er 1950 mit dem ersten und 1955 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. 1952 erfolgte seine Promotion. Bereits 1951 wurde er Mitglied der FDP und mit den Jahren begann seine politische Karriere.
Gerne zitierte Otto Graf Lambsdorff, der sich für den Freiheitsgedanken und die universellen Menschenrechte einsetzte: “Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben”, von Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860), dem deutschem Professor für Theologie und Verleger, der wegen seiner anti-napoleonischen Flugschrift “Geist der Zeit” seinerzeit ins neutrale Schweden fliehen mußte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigt Graf Lambsdorff:
“Otto Graf Lambsdorff war ein menschlich wie politisch gleichermaßen herausragender Liberaler. Er hat die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland lange Jahre hindurch ordnungspolitisch geprägt und reiht sich ein in die Reihe der großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft.
Auch jenseits der Tagespolitik hat Otto Graf Lambsdorff in so sensiblen Fragen wie der deutschen Entschädigung der Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges bleibende Maßstäbe gesetzt. Wir gedenken seiner in Dankbarkeit und fühlen mit seiner Frau und seiner ganzen Familie.”
Die FAZ schreibt:
Zum Tode von Otto Graf Lambsdorff
“Ordnung aus Freiheitsliebe”
DER SPIEGEL schreibt:
“Abschied vom gelben Grafen”






















