Kommentare zum Kabinettsbeschluss zur Mandatsverlängerung u.a. des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr

von Dirk ~ 19. November 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik.

Bw-Afgh Grundsteinlegung

nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag

Kernige Sätze formulieren, das kann Guido Westerwelle. Als frisch bestallter Außenminister hat er jetzt ein zackiges Wort an den afghanischen Präsidenten und Wahlfälscher Karsai adressiert. Der solle endlich gut regieren, die Korruption bekämpfen und dafür sorgen, dass afghanische Polizei und Armee möglichst rasch selbst die Sicherheit im Lande garantieren. Denn die internationale Schutztruppe könne nicht “bis zum Sankt Nimmerleinstag” am Hindukusch bleiben. Das war gut gebrüllt, aber nur ein Ausdruck der Hilflosigkeit. Nach bald neun Jahren hat die erfolglose Afghanistan-Mission den Rückhalt in der Bevölkerung weitgehend verloren, in Deutschland wie überall im Westen. Ein Rückzug Hals über Kopf verbietet sich, wäre er doch ein Triumph für die Taliban und Kaida-Terroristen. Also wird jetzt die “selbsttragende Sicherheit” herbeigeredet, die den Abzug ermöglichen soll. In Wahrheit ist das Land davon weit entfernt. Die Taliban können sich zurücklehnen. Sie wissen um die wachsende Ungeduld in den Nato-Ländern, die nun auch Westerwelle artikuliert hat. Die Zeit arbeitet für sie, dem Westen läuft sie davon.

Kommentiert die Ostsee-Zeitung aus Rostock.

(Textquelle: Ostsee-Zeitung.de);
Bildquelle: Bundeswehr.de, Grundsteinlegung eines Wiederaufbauprojektes im ISAF Regional Command North, wo Deutschland Lead Nation ist)

Und die Neue Osnabrücker Zeitung kommentiert zur Koalition, zu Bundeswehr und Auslandseinsätzen:

Es dämmert zu spät

Auf den Partner kommt es an. Wie sehr, das werden Bundestag und -regierung, die NATO insgesamt auf dem Weg zu spüren bekommen, den sie in Afghanistan gerade einschlagen. Er soll sie herausführen aus den Händeln dieses Landes und den Präsidenten Hamid Karsai zwingen, das Schicksal der Nation selbst in die Hand zu nehmen. Was schwer nach Afghanisierung des Afghanistan-Konfliktes klingt. Und deshalb Erinnerungen weckt: An die Vietnamisierung oder an die Tschetschenisierung der jeweiligen Kriege von 1969 beziehungsweise von 2002 an.

Schlechte Erinnerungen: Im ersten Fall überließen die USA ihren Partner, den südvietnamesischen Diktator Nguyen Van Thieu, seinen Feinden. Im zweiten Fall hat sich Russlands Statthalter Ramsan Kadyrow restlos durchgesetzt, letztlich aber auch gegen seine Mentoren in Moskau.

Weltfremd wäre die Erwartung, dass Deutschland und seine Verbündeten auf dem Rückzug aus Afghanistan mit Karsai zu wesentlich erfreulicheren Ergebnissen gelangen werden. Als Wahlfälscher und Schirmherr schlimmster Korruption hat er Glaubwürdigkeit verspielt. Wie soll nun ausgerechnet er die innere Aussöhnung Afghanistans hinbekommen? Doch eine Alternative zu ihm fehlt. Zu spät dämmert im Westen, wie sehr es auf den Partner ankommt.

(Textquelle: Neue Osnabrücker Zeitung.de)

Hintergrundinformationen: Strategie-Papier Afghanistan – Auf dem Weg zur Übergabe in Verantwortung, Selbstverantwortung für Afghanistan

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