Soldaten: Namenlose Kämpfer
von Dirk ~ 15. November 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik.“Bundeswehr-Soldaten, die aus Afghanistan nach Hause kommen, bleiben mit ihren Erlebnissen oft allein. In der Heimat stoßen sie auf Unverständnis und Ablehnung. Viele wollen deshalb anonym bleiben.
Am heutigen Sonntag, dem Volkstrauertag, gedenken die Deutschen der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. In den Kirchen, an Gedenkstätten und den Gräbern von Soldaten und Kriegsopfern. Zur selben Zeit stehen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan in einem bewaffneten Konflikt – und riskieren dafür ihr Leben. Ein hoher Einsatz. Doch in der Heimat fühlen sich viele Soldaten mit ihren Gewissenskonflikten, ihren Ängsten und den Belastungen des Kampfeinsatzes allein gelassen. Statt Anerkennung und Respekt schlägt ihnen Unverständnis, auch offene Ablehnung, im besten Fall schamhaftes Schweigen entgegen. Eine Scham, die auf die Soldaten und ihre Familien abfärbt. Die Afghanistan-Soldaten und ihre Angehörigen, die wir für die folgende Geschichte besucht haben, waren nur bereit, unter Wahrung ihrer Anonymität mit dem Tagesspiegel zu sprechen.
Als Marco S. im März dieses Jahres von seinem viermonatigen Einsatz in Afghanistan nach Berlin zurückkehrt, ist der 29-jährige Offizier der Bundeswehr voll von Erlebnissen und Eindrücken: Er könnte erzählen, wie fremd ihm das kriegsversehrte Land bei seiner Ankunft im November 2008 vorkam – die zu dünn angezogenen Kinder, die Armut, die Schotterpisten, der Dreck auf den Straßen, das Tierfleisch, das an Hausecken baumelt. Oder wie sehr ihn das Gefühl bedingungsloser Kameradschaft auf seinem Stützpunkt in der Provinz Takhar beeindruckt und geprägt hat. Aber auch, wie oft er Todesgefahren ausgesetzt war und welche Angst er um sich und seine Kameraden tagtäglich aushalten musste. Doch kaum einer von Marcos alten Freunden aus der Schule und dem Sportklub interessiert sich für seine Erlebnisse. Und auch viele Verwandte wollen lieber nichts Genaues über seinen Einsatz hören …” zum vollständigen Artikel “Soldaten: Namenlose Kämpfer” von Eva Kalwa bei Der Tagespiegel.de
Dieses Desinteresse an den “namenlosen Kämpfern” gilt nicht allein für die Bundeswehr-Soldaten in den welweiten Einsätzen, diese Schicksal gilt ebenso für die deutschen zivilen Experten (um die sich übrigens kein medizinischer Dienst, kein Ministerium und keine vgl. Gewerkschaft kümmert), die in den globalen Friedens-Missionen Dienst tun und für die deutschen Polizisten, die beim Polizeiaufbau in Krisengebieten ihre Arbeit verrichten.
Der Undank des Vaterlandes und der Gesellschaft daheim ist ihnen allen meistens gewiss, die ein oder andere Einsatzmedaille als förmliches Zeichen der Anerkennung oder Zeitungsartikel in Zeiten bleihaltiger Luft sind die staatlichen und medialen Feigenblätter einer demokratischen Gesellschaft zwischen Konstanz und Flensburg und Aachen und Görlitz, der das globale und facettenreiche, entbehrungsreiche und gefahrvolle Engagement Einzelner aus ihrer Mitte mal locker am Arsch vorbei geht.
(Textauszug: Der Tagesspiegel.de;
Bildquelle: NATO.ISAF.int)
























15. November 2009 um 21:23 Uhr
Erschreckend verbal menschenverachtend und zugleich den Artikel bestätigend sind zahlreiche Kommentare zu diesem Onlinebeitrag des Tagesspiegels. Dass sich wohl tönender Pazifismus aus Humanismus speist, muss man da schon bei vielen Kommentatoren bezweifeln. Da gilt eher die Gleichung Pazifismus gleich inhumaner Wohlstandsegoismus. Wen wundert es da, dass unsere Soldaten sich nicht in Uniform auf die Straße trauen und in Medienbeiträgen, nicht nur im Einsatz, sondern auch zuhause anonym bleiben wollen. Wen wundert es da, dass sie und ihre Angehörigen mehr Angst vor den eigenen Landsleuten haben als vor ausländischen Terroristen. Eine beschämende Hasskultur im Fahrwasser des “freundlichen Desinteresses” ist das.
16. November 2009 um 21:55 Uhr
Wer sich aus dem beschaulichen Europa hinaus in Entwicklungsländer oder gar (Post-)konfliktregionen wagt, der ist bei seiner Rückkehr nach Deutschland oft sehr einsam. Vielen unserer lieben MitbürgerInnen fehlt jegliches Verständnis dafür, wie unheimlich gut sie es getroffen haben. Anstatt dankbar für unseren Frieden, unsere Freiheit und unseren Reichtum zu sein wird gejammert und geklagt als wäre hier täglich Weltuntergang.
Ich möchte nicht in der Haut eines Afghanistanveteranen stecken, der auf diese Sorte unreifer und selbstgerechter Wohlstandsbürger trifft.