Debatte um Soldaten mit muslimischen Glauben hat begonnen (Video)

von Dirk ~ 8. November 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik, Video.

Bundesjustizministerin will Bundeswehr-Soldaten mit muslimischen Glauben den Einsatz in muslimischen Ländern frei stellen

Der oberste Soldat des US-amerikanischen Heeres, General Georg W. Casey (Chief of Staff US Army), nimmt nach dem Amoklauf oder nach der religiös motivierten Bluttat von Fort Hood bei CNN in State of the Union Stellung. Mit 13 toten und 30 verletzten Soldaten, verübt vom palästinenisch-stämmigen US Major Nidal Malik Hasan, Soldatenglück.de berichtete darüber, ist das Ausmass der Tat unfassbar und es sind noch viele Fragen offen.

General Casey schliesst verfestigte Tendenzen oder Diskriminierung gegen muslimische Kameraden in der US Armee aus. Und das letzte was jetzt gebraucht wird, seien Anti-Muslim-Aktivitäten innerhalb der Streitkräfte, so der Army-Stabschef. Nachdem die Polizeibeamtin Sgt. Kimberly Munley (34) den Angreifer durch mutiges Eingreifen unter eigenen Verwundungen stoppte, fragt der CNN-Moderator John King auch nach der Rolle von Frauen als Soldaten bei Einsätzen und Operationen in den Konfliktgebieten.

Islamophobie-Gefahr am bayerischen Fernseh-Stammtisch

Bw-BR Stammitisch

Auch in Deutschland oder vielmehr in Bayern wird das Thema Mulsime in den Streitkräften aufgegriffen, Bw-SLS FDPso sprach sich die neue bzw. wieder im Amt befindliche Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (58) von der FDP in der heutigen Münchner Sendung Sonntags-Stammtisch des Bayerischen Rundfunks (BR) als Konsequenz aus den Ereignissen in Fort Hood dafür aus, dass Soldaten der Bundeswehr mit muslimischen Glauben nicht zum Einsatz verpflichtet werden sollten, wenn sie Gefahr laufen, gegen ihre Glaubensbrüder (Bild unten) in muslimischen Ländern agieren zu müssen.

Bw-Afgh Bw Kabul Runde

Jeden Sonntag um 11:00 Uhr wird diese Sendung in typischer Stammtisch-Umgebung ausgestrahlt, darin sitzen Helmut Markwort, Dieter Hanitzsch und Wolfgang Heckl mit ihren zwei Gästen am Biertisch und diskutieren bayerisch, direkt und unterhaltend die Themen, die Bayern und die Welt in der jeweils letzten Woche davor bewegt haben.

Leutheusser-Schnarrenbergers “Muslim-Freistellungs-Befehlsausgabe” gilt allerdings für alle 5 aktuellen Einsatzgebiete der Bundeswehr vollständig oder größtenteils, in Afghanistan allemal, in Somalia und Libanon auch, im Kosovo sowie in Bosnien-Herzegowina Bevölkerungs-mehrheitlich. Im Übrigen geloben alle Soldaten bzw. leisten ihren Eid auf die Bundesrepublik Deutschland und deren Verfassung – wie Bundesminister auch – und nicht auf die Bibel, den Koran oder den Talmud. Die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr ist indes aus diesem Grund nicht gefährdet, BR-Stammtische sind keine Kabinettssitzungen, der Anteil muslimischer Soldaten ist bei der Bundeswehr gering und Bayern ist nicht Lead Nation in Deutschland auch wenn Franken mit dem gebürtigen Münchner Goodie-Guttenberg den Verteidigungsminister stellt.
Mit dieser öffentlichen Äußerung dürfte die Bundesjustizministerin ihr erstes Fettnäpchen im Amt hinter sich gebracht haben.

Hintergrundinformationen, die Sendung vom 08. November anschauen, relevanter Redeanteil in der 24. Sendeminute, BR-Sendungen: BR-Mediathek.de

(Videoquelle: CNN;
Bilderquellen: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.de, Bundeswehr.de, BR.de)

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8 Kommentare zu Debatte um Soldaten mit muslimischen Glauben hat begonnen (Video)

  1. Stefan S.

    Was für ein Schwachsinn. Und christliche Soldaten können dann auch frei entscheiden, ob sie in christlich(en) (geprägten) Ländern eingesetzt werden, oder was?

    Die Aussage wurde ja (noch) nicht von den Medien aufgegriffen. Religionsfreiheit schön und gut. Aber das wäre dann mal wieder eine schmerzhaftere Ausweitung des Toleranzbegriffes!

  2. Michael Weis

    Ich möchte dann bei meiner Reservistentätigkeit bitte auch nicht in Ländern mit christlicher Bevölkerung eingesetzt werden…

  3. mietsch

    Der Vorschlag von Frau L-S lässt an ihrer Qualifikation als Ministerin erhebliche Zweifel aufkommen. Oder hat sich diesen Unsinn einer ihrer Mitarbeiter ausgedacht und sie hat es vorschnell ausgesprochen. Beide Varianten: Glatte 6, wegtreten!!

  4. Dirk

    @mietsch – nein, sie war ohne Dienstwagenfahrer, ohne Sicherungskommando und ohne Mitarbeiter dort, hat frei gesprochen, in Sachen Bundeswehr und Auslandseinsätze vieles nicht genau gewußt und hat sich von dem Moderator Helmut Markwort thematisch ein bißchen locken lassen.

  5. califax

    Wenn ein Moslem Probleme damit hat, Befehle befolgen zu müssen, die er nicht mag, soll er je nachdem den Wehrdienst verweigern (hab ich schließlich auch gemacht) oder verdammt nochmal kein Berufssoldat werden.
    Man kann auch noch im Dienst verweigern.
    Also was soll der Unsinn?
    Die Bundeswehr ist die Armee Deutschlands und nicht die Armee der Umma. Die Loyalität muß schon klar sein.

  6. Heinz

    Eben “Stammtisch”-Niveau!

    Vielleicht sollte man zukünftig schon bei Eintritt in die Bw die Soldatin/den Soldaten fragen, wo er denn gerne bzw. wo er nicht eingesetzt werden möchte – je nach “Befindlichkeit” wird sich schon etwas Maßgeschneidertes finden…

    Hier “kümmern” sich Politiker um Dinge, über die Soldaten nur den Kopf schütteln können. Die Damen und Herren im Parlament sollten sich stattdessen endlich um zeitgemäße Ausbildung und Ausrüstung sowie mehr Akzeptanz der Bundeswehr in der Gesellschaft kümmern, als solches “Stammtisch-Geschwätz” in die Welt hinauszuposaunen, mit dem sie der Bundeswehr und den Soldaten mehr schaden als nützen!

  7. Georg

    Eine typische, abgehobene Politikerreaktion, fern jeder Realität, aber in Richtung unterwürfiger politischer Korrektheit.
    Zur Erinnerung, Bundeswehrsoldaten befolgen Befehle, egal welche religiöse Überzeugung sie haben, sofern diese Befehle rechtmäßig und verbindlich sind !

    Ich kann nicht erkennen, dass es irgendwo in der Bw Probleme geben sollte mit Soldaten muslimischen Glaubens, die irgendwo in der Welt in den Einsatz gehen müssen.

    Ferner sollte man darauf hinweisen, dass bereits im Juni 2003, bei dem verheerenden Anschlag auf den Bw-Bus in Kabul, ein Feldwebel der Bw mit muslimischen Glauben gefallen ist, ohne dass dies bis jetzt irgendjemand ausserhalb des engeren Kreises überhaupt registriert hat.

  8. Dirk

    @Georg – Danke für den Hinweis auf den guten Kameraden, Feldwebel Helmi Jimenez-Paradis, genannt J-P, er fiel mit 29 Jahren am 07. Juni 2003 auf der Fahrt zum Flughafen, um nach der ISAF-Einsatzzeit zu seiner Familie nach Deutschland zurück zu kehren, ein “Glaubensbruder” hat ihn und drei weitere Bundeswehr-Kameraden in Kabul auf dem Weg zum Flughafen mittels eines Autobomben-Anschlags umgebracht und weitere an Körper und Seele schwer verwundet.
    2001 war der Soldat aus Wunstorf und muslimischen Glaubens bereits im ebenfalls mulimsch geprägten Land Bosnien-Herzegowina im Auslandseinsatz.
    Mit diesen Text haben sich seine Kameraden an seine Helmis Hinterbliebene gewandt:
    “… Wir haben einen Kameraden verloren. Durch einen sinnlosen und brutalen Terrorakt verstarb Helmi Jimenez-Paradies im Einsatz. Wir verlieren mit ihm eine Persönlichkeit, in der sich berufliche Befähigung und zwischenmenschliche Feinfühligkeit verbanden. Seine Tatkraft, seine Menschlichkeit und seine Wärme im Umgang mit Kameraden habe auf alle, die ihm begegneten, in außerordentlicher Weise ausgestrahlt. Alle Bekannten im Kameradenkreis, ob Offizier, Unteroffizier oder Mannschaftssoldat haben ihn sehr geschätzt … Zu früh mussten wir von Dir, Helmi, Abschied nehmen. Wir gedenken Deiner in großer Dankbarkeit.
    Leb wohl “J-P” – wir vergessen Dich nicht! “

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