Ausgedient – Wer übernimmt nach der Wahl das Verteidigungsressort?

von Dirk ~ 22. September 2009. Zu lesen unter: BMVg.

Bw-BM Jung Befoerderung_Hauptmann_Uebergabe_14_11_08

Soldatenglück hatte er kaum, der Parteisoldat und mögliche künftige hessische Ministerpräsident, Franz Josef Jung. Spätestens mit der Nacht von Kunduz und der durchweichten Informationspolitik danach hat der glücklose CDU-Minister im Verteidigungsressort seinen Anspruch auf eine weitere Amtszeit bei der CDU-Kanzlerin und in den CDU-Parteispitzengremien verloren. Ausgedient hat es sich ab nächsten Sonntag, dem Tag der Bundestagswahl 2009.
Wenn es mit der schwarz-roten Regierungskoalition und einer Bundeskanzlerin als Moderatorin der “sehr großen” Koalition weitergehen sollte, hat der amtierende V-Minister und IBuK und Flußpionier Franz Josef Jung eine gewisse Chance bei Beibehaltung seiner Planstelle bis auf weitere Desaster an der Spitze des Bundesministeriums der Verteidigung zu bleiben.
Gleichwohl, statt seiner würden viele Unionspolitiker aus der bayerischen Schwesterpartei gerne den fränkischen Gebirgsschützen, Entschuldigung, Mittenwalder Gebirgsjäger im Reserve-Unteroffiziers-Dienstgrad, Karl-Theodor zu Guttenberg, auf der Hardthöhe und im Bendlerblock sehen. Dieser CSU-Wunschposten als Verteidiger war schon bei Michael Glos vorhanden, doch der endete bekanntlich in der Berliner Scharnhorststraße im BMWi. Doch wenn die FDP beim Wahlsummenspiel nicht zur Regierungsmehrheit taugt, was nicht wahrscheinlich ist, wird auch die liberale Begehrlichkeit nach dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie nicht berücksichtigt werden müssen und der rheinland-pfälzische Mittelstands- und Wirtschaftspolitiker Rainer Brüderle, der endlich diesen Posten will, bleibt als normaler Abgeordneter auf der Oppositionsbank sitzen oder wird Vizepräsident des Bundestages. Im Mitregierungsfall aber auch dann, wenn die CSU good Guttie, mit dem Angela Merkel zufrieden ist, im BMWi belassen will.
Die politischen Artilleriegeschosse der CSU landeten bisher nur mit verbaler Sprengkraft im Lager der FDP. Wenn der Bär allerdings nach der gewonnenen Wahl zwischen CDU/CSU und FDP geteilt werden muss, dann wird auch in Personalfragen scharf geschossen. Sicher ist, dass der CSU-Youngster, promovierte Jurist und Reservist im Unteroffiziersdienstgrad zu Guttenberg einen Kabinettsposten behalten wird, doch welchen. Der “Allminister” Guttenberg, der noch vor wenigen Monaten als CSU-Generalsekretär mit außenpolitischen Ambitionen den Müllermeister und Bundeswirtschaftsminster Michael Glos aus Franken nach dessen akuten Anfall von Amtsmüdigkeit ersetzen musste und sich inhaltlich und in den Popoularitätswerten in Schallgeschwindigkeit nach oben katapultierte, wird auch noch als Finanzminister gehandelt, obwohl er bei Wirtschaft anerkannt gut marschiert, fast schon ein Superminister. Bei der fiskalen Postenbesetzung allerdings käme der Freiherr zu Guttenberg dem liberalen Prinzen Hermann Otto zu Solms aus dem nicht zufällig gleichnamigen Solms bei Lich bei Gießen in die Quere. Der Prinz aus Hessen und Bundestagsvizepräsident will nämlich zumindest für die ersten zwei schwarz-gelben Regierungs-Jährchen den sozialdemokratischen roten Kavallerie-Rittmeister Peer Steinbrück im Finanzressort beerben und die Steuerreform mit einer Steuererklärung auf dem schwarzen Merz´schen Bierdeckel gemeinsam mit seinem jüngeren Parteifreund, dem derzeitigen parlamentarischen Königsausschuss-(Haushalt)Vorsitzenden, Otto Fricke in Realpolitik ummünzen.

In diesem Personalkarussell fällt oder besser springt einer vom Himmel, einer aus der einzigen Partei, der auf tragische Weise ein “Meister vom Himmel gefallen ist”. Der gelernte Fallschimjäger und Hauptmann der Reserve Dirk Niebel schwebt als unkomplizierte Personalwahl ein, sein Parteivorsitzender und Vizekanzler in spe sowie seine Liberalen würden ihn beim Koalitionsvertrag als Verteidigungsminister nominieren, die verteidigungspolitischen Fachpolitker der FDP-Bundestagsfraktion würde er mitnehmen ins Ministerium als Parlamentarische Staatssekretär(e)/in im BMVg. General ist der FH-studierte Diplom-Verwaltungswirt Dirk Niebel bereits seit Mai 2005, allerdings noch mit dem Zusatz -Sekretär und sein HQ befindet sich im Thomas-Dehler-Haus Berlin, der Parteizentrale der Freien Demokraten. Die das Verteidigungsressort noch nie besetzen konnten und auch nur einmal das Amt des Wehrbeauftragten mit einem FDP-Politiker für 5 Jahre bis 1975 mit Fritz Rudolf Schultz, Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub und Major d.R., bekleiden konnten.

So die FDP beim Bundestagswahl-Ergebnis um 18:01 Uhr am Sonntag, 27. September 2009 einen weiteren Achtungserfolg von über 14,5 ja über 15 Prozent aufweist – was aus hiesiger Sicht realistisch ist – und eine schwarz-gelbe Regierungskoalition machbar würde,  dann wäre der Anspruch auf ein weiteres gewichtiges Bundesregierungs-Ressort im 16-köpfigen Bundeskabinett neben Außen und Finanzen für die Liberalen bekräftigt. Das Schröder´sche zusätzliche “Gedöns” wie Familie oder Bildung ist dann nicht genug für die blau-gelbe Siegertruppe Westerwerwelle-Solms-Niebel und deren Brüder und Schwestern im Glauben an die Freiheit. Für die schöne Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin oder die ewig junge Cornelia Pieper wären die Ministerien Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder Entwicklung (so das BMZ nicht ins AA einverleibt wird) oder Bildung und Forschung erstrebenswert, auch Justiz war bei der FDP immer gut aufgehoben, doch die Zeiten haben sich geändert, die kleinste Volkspartei, die FDP, macht ernst und will mehr, auch Verteidigung.

Bw-Niebel Dirk Woerner Manfred

In der Vergangenheit nach seinem Motto gefragt, sagte Dirk Niebel, “klagt nicht, kämpft”. Das war der Ausspruch, denn der am 29. März 1963 in Hamburg Geborene in seiner 8-jährigen Bundeswehr-Dienstzeit (Bildmitte oben, mit FschJg-Kameraden und dem damaligen Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner, CDU) verinnerlichte und das ist der Geist, der den Realschüler Niebel in seinem Ziviljob bis zum Beamten des gehobenen Dienstes und bei seiner Parteikarriere in die Bundespolitik begleitete. Der junge Mann, der als kleiner Junge an der Schule in HH-Dockenhude niedlich “der kleine Dicke” genannt wurde, absolvierte seinen Wehrdienst beim Heer in der robusten Infanterie, dort verpflichtete er sich 1984 für 8 Jahre als Soldat der Fallschimjägertruppe und diente im baden-württembergischen Calw im Schwarzwald.

Nach der Bundeswehr-Dienstzeit in Ba-Wü absolvierte der Hanseat im Südwesten Deutschlands per Berufsförderungsdienst (BFD) an der Fachhochschule des Bundes in Mannheim das Studium Verwaltungswesen, Fachbereich Arbeitsverwaltung. Mit dem Studienabschluss Diplom-Verwaltungswirt (FH) gelang ihm der Einstieg ins Zivilleben und Aufstieg, er wurde 1993 Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt Heidelberg und lebt seitdem am Neckar. Seit September 1998 gehört Niebel für den Wahlkreis 275 Heidelberg-Weinheim dem Deutschen Bundestag an, für die FDP ist er Abgeordneter und seit Mai 2005 deren Generalsekretär.

Zwischenzeitlich ist der Fallschirmjäger Niebel vom SaZ 8 Feldwebel-Dienstgrad zum Hauptmann d.R. aufgestiegen (Bild ganz oben, bei der Beförderung durch BM Franz Josef Jung). Als Hauptmann ist er mobbeordert bei der Division Spezielle Operationen (DSO) und diente regelmäßig in den parlamentarischen Sommerpausen als Wehrübender. Im Juni 2006 hatte Dirk Niebel einen schweren Sprungunfall. Bei der Erneuerung der militärischen Fallschirmjäger-Sprungerlaubnis bei der Luftlande- und Lufttransportschule Altenstadt/Schongau verletzte er sich bei der Fallschirmlandung am Lendenwirbel und musste sich in der Unfallklinik Murnau operieren lassen, danach war er mehrere Monate gesundheitlich eingeschränkt. Aber auch hierbei half ihm das Motto, “klagt nicht, kämpft”. Sprungdienst mit “Glück ab” ist jetzt gestrichen, aber für den Ministerialdienst ist Dirk Niebel geeignet und sogar mit “Glück auf” prädestiniert.

Bw-Niebel Dirk LLBrig 022009

Seit 1990 ist Dirk Niebel mit seiner Ehefrau Andrea verheiratet, die als Logopädin in eigener Praxis praktiziert, die beiden haben 3 gemeinsame Söhne. Zur Familie Niebel gehört ein Golden Retriever namens Hermann, der, wie auf dem Bild unten zu sehen, schon Näheres über den künftigen Job seines Herrchens und Inhabers der Befehls- und Kommandogewalt zu wissen scheint.

Bw-Niebel Dirk Hund Hermann

(Bilderquelle: Dirk Niebel.de)

bookmarks

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Tausendreporter
  • Technorati
  • BlinkList
  • Folkd
  • Furl
  • blogmarks
  • Netselector
  • newskick
  • Newsrider
  • Oneview
  • Weblinkr
  • YahooMyWeb

3 Kommentare zu Ausgedient – Wer übernimmt nach der Wahl das Verteidigungsressort?

  1. Gruendlich

    Ich würde ja eher auf Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als dritte FDP-Ministerin für Justiz tippen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das Wehrressort hoch auf der Liste der FDP steht. Falls Jung natürlich geht – wobei mich interessiert, worauf Sie diese Einschätzung stützen, denn aus Sicht der Kanzlerin hat er wohl einen soliden Job gemacht – könnte das Postenroulette etwas anders verlauf. Die Wahl wird wohl doch nicht so langweilig, wie ich angenommen hatte. Ärgerlich nur, dass der “Souverän” des Volkes nicht in die Hinterzimmer schauen darf.

  2. Dirk

    @Gruendlich – Ja, “gehandelt” wird der Name in den Medien und intern, eine profilierte Bürgerrechtlerin und erfahrende Bundespolitikerin im BMJ ist das, was die FDP im Kabinett komplett machen würde, doch auch Namen wie Philipp Rösler, Alexander Graf Lambsdorff oder Birgit Homburger und andere aus der jungen Generation, die eine deutliche Verjüngung des liberalen Regierungsteams mit kompetenten Akteuren zur Schau stellen, sind im Rennen. Ministrabeles Personal hat die FDP mittlerweile genug. Doch die Wertigkeit der Ministern und die Anzahl (mindestens 3 von 16) der schwergewichtigen Ressorts (plus Verteidigung) soll mit steigen.

  3. Spekulationen: Wer wird der nächste Verteidigungsminister? « Nec Aspera Terrent – Widrigkeiten schrecken nicht

    [...] Ich hoffe Jung bleibt nicht. Nunja und nun zu allem weiteren: Link zu Soldatenglueck.de [...]

Einen Kommentar hinterlassen

« Back to text comment