Heute Abend ab 21:45 Uhr PTBS-Chat bei Angriff-auf-die-Seele.de im Anschluß an den ARD-Fernsehfilm “Bloch” in der Episode “Tod eines Freundes”
von Dirk ~ 16. September 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik.Postraumatische Belastungsstörungen, PTBS Themenchat, heute im Ersten ab 21:45 Uhr
Angriff-auf-die-Seele.de veranstaltet heute seinen zweiten PTBS-Themenchat. Anlass ist der Fernsehfilm “Bloch – Tod eines Freundes”, der vorher um 20:15 Uhr in der ARD gesendet wird. Darin spielt der Schauspieler Dieter Pfaff als Psychologen Maximilian Bloch die Hauptrolle “Bloch”, in der heutigen “Bloch”-Episode “Tod eines Freundes” spielt Jochen Nickel (WDR-Bid unten) einen Afghanistan-Heimkehrer.
Der Themenchat von Angriff-auf-die-Seele.de beginnt um 21:45 Uhr und wird cirka eine Stunde andauern. In dieser Zeit stehen Psychiater, Psychologen, Militärseelsorger, die Soldatenbetreuungsorganisation sowie Soldaten im Einsatzland für Ihre Fragen zur Verfügung.
Das Thema lautet: “Psychologische Belastungen von Einsatzsoldaten”.
Erneut sendet Das Erste (ARD) einen Fernsehfilm, der die Problematik von traumatisierten Soldaten thematisiert. “Bloch – Tod eines Freundes” handelt von einem ehemaligen Afghanistan-Soldaten, Frank Rode. Jeden Abend steht Frank im Garten von einer Freundin und versetzt Sie durch sein gespenstische Verhalten in Angst und Schrecken. Offensichtlich leidet Frank seit seinem Afghanistan-Einsatz als Bundeswehr-Soldat unter einer Posttraumatischen Störung: Die Erinnerung an seinem Einsatz lässt Frank nicht mehr los, bei dem ein Kamerad aus einem Hinterhalt erschossen wurde.
Schon im November 2008 hatten die Filmemacher des WDR Kontakt mit der Initiative Angriff auf die Seele aufgenommen. Es ging darum, die Webseite und die Informationsmaterialen wie Poster, Flyer in die Produktion der Bloch-Episode mit einzubauen.
Weitere Informationen:
http://www.angriff-auf-die-seele.de/ptbs/chat.html
Angriff-auf-die-Seele.de ist ein Informationsportal für Psychologische Unterstützung
für Soldatinnen und Soldaten, Angehörige und Ehemalige, insbesondere für PTBS-Betroffene, die Internet-Plattform ist eine Privatinitiative von Hauptfeldwebel Frank Eggen und Oberfeldarzt Dr. med. Peter Zimmermann (Bild rechts). Der Wehrbeauftragte des Bundeswehr, Reinhold Robbe, hat die Schirmherrschaft über die Initiative übernommen. Soldatenglück.de berichtet regelmäßig über diese vorbildliche Unterstützungs-Initiative.
Der Fernsehfilm der Serie “Bloch”:
“Weil der ehemalige Soldat Frank Rode nach seinem Afghanistan-Einsatz unter einer posttraumatischen Störung leidet, wird Psychologe Maximilian Bloch von dessen Lebensgefährtin Clara gebeten, sich um Frank zu kümmern.
Um den ehemaligen Afghanistan-Soldaten Frank Rode (Jochen Nickel) soll sich der Psychologe Maximilian Bloch (Dieter Pfaff) kümmern, so will es dessen Lebensgefährtin Clara (Ulrike Krumbiegel). Jeden Abend steht Frank im Garten von Claras Freundin Nele Seifert (Naomi Krauss). Schutz will er ihr und ihrem Sohn Paul (Tom Schilling) auf diese Weise bieten, stattdessen versetzt das gespenstische Verhalten des ungebetenen Besuchers die beiden in Angst und Schrecken. Offensichtlich, so viel ist Bloch bald klar, leidet Frank seit seinem Afghanistan-Einsatz unter einer posttraumatischen Störung: Die Erinnerung an jenen Einsatz lässt Frank nicht mehr los, bei dem Richard, Neles Mann, aus einem Hinterhalt erschossen wurde. Frank hatte noch versucht, seinem alten Freund zu helfen. Vergeblich.
Was tun? Eigentlich würde Bloch viel lieber hingebungsvoll sich selbst und sein Burnout-Syndrom pflegen. Dass Frank aber eine tickende Zeitbombe ist und eine echte Gefahr für andere darstellen kann, lässt dem Psychologen keine Ruhe. Schon jetzt sind ohnehin nicht nur Nele und ihr Sohn Paul durch Franks Störung in Mitleidenschaft gezogen. Seine Verschlossenheit, seine Schlaf- und Appetitlosigkeit und seine unkontrolliert-aufbrausende Art ist auch für das Zusammenleben mit seiner Frau Judith (Kirsten Block) und seiner Tochter Tina (Alice Dwyer) eine schwere Belastung geworden. Wenn Bloch nur herausfinden könnte, was bei dem tödlichen Einsatz in Afghanistan tatsächlich passiert ist.”
(Textauszug: ARD.de)
In der heutigen Ausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) aus Essen sieht der Schauspieler Dieter Pfaff (WDR-Bild oben) den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr kritisch. “Dort hat noch nie eine ausländische Macht einen Krieg gewonnen”, erklärte der 61-Jährige in einem Gespräch mit der Essener WAZ- Gruppe. Weiter sagte der gebürtige Dortmunder: “Der Ansatz der Bundeswehr, beim Aufbau des Landes zu helfen, war richtig.” Die deutschen Soldaten konnten ihren Ansatz Pfaff zufolge jedoch “nicht halten”: “Jetzt wird die Bundeswehr in Kampfhandlungen verwickelt – auch mit Kampfansätzen für die Soldaten, die dort sind.”
Zugleich sah Pfaff auch Gefahren, die in der Region am Hindukusch lauern. Afghanistans Nachbarland Pakistan verfüge über Atombomben: “Wenn die Taliban Atombomben in die Hände bekommen, wird sich die Welt verändern.”
Dieter Pfaff ist heute abend ab 20.15 Uhr im Ersten wieder als “Bloch” zu sehen. In der heutigen Episode “Tod eines Freundes” spielt Jochen Nickel einen Afghanistan-Heimkehrer.
(Grafik-, Bildquelle: Angriff-auf-die-Seele.de;
Bilderquellen: Bundeswehr.de, NATO.ISAF.int, WDR.de)







16. September 2009 um 14:44 Uhr
Irgendwie bezweifle ich dann doch, dass Herrn Pfaffs Meinung zu Afghanistan so fundiert ist, dass es sich lohnt in zu zitieren. Aber nun ja.
So lobenswert und notwendig die Initiative “Angriff-auf-die-Seele” auch ist, das Rumreiten auf dem Thema rückt dieses unverhältnismäßig in den Mittelpunkt. In meinem Umfeld ist bekannt, dass ich in an zwei Einsätzen teilgenommen habe. Wenn man bei mir auch schon pauschal nach Anzeichen von Störungen sucht und meine Aussagen, basierend auf Erfahrungen, damit in Verbindung bringt stimmt irgendetwas nicht. Es ist zwar schön, dass das Thema vom Fernsehen aufgegriffen wurde, aber andere Aspekte der Einsätze hätten es auch verdient wahrgenommen zu werden und so das Bild abzurunden.
16. September 2009 um 15:01 Uhr
@Peter – eben darum, qualifiziert ist sie offenkundig nicht, aber eben auch Volkes Meinung getragen von Halbwissen und Bauchgefühl. Darum gilt, erklären, aufklären, informieren, so dass es auch ein Schauspieler versteht, der sonst Texte und Rollen einstudiert und für den Afghanistan eines der vielen Polit-Themen ist, worin auch Halbwissen meinungsbildend ist.
Auf Anfgriff-auf-die-Seele lasse ich nichts kommen, die Spitze der Bewegung hat es immer schwer, sie macht den Weg frei und wenn nur ein Betroffener vom Suizid abgehalten wird oder auch nur ein Schicksal bei PTBS-Betroffenen oder Angehörigen gelindert wird, war es das wert. Wir kümmern uns sonst um viel geringere Probleme mit einem Riesenaufwand.
Wenn das emotionalisierende Thema PTBS in Kombination mit TV-Film und Chat endlich zu einem Nachdenken in der Bevölkerung über Verantwortung für Einsatzsoldaten und Soldatenfamilien führt, soll mir das auch sehr recht sein.
17. September 2009 um 08:04 Uhr
Nun haben wir den Film also hinter uns. Gut gemacht war er nicht und wenn ich ihn nicht hätte anschauen müssen um mitreden zu können hätte ich lieber ein Buch gelesen.
Wenn dann wieder so Sprüche kommen wie “wenn man das ganze Geld für die Rüstung in andere Projekte investieren würde…” weiß ich, dass hier Hopfen und Malz verloren sind. Wenn dann ausgerechnet ein Jugendlicher sagt, dass es sich um einen Traum handelt, wirkt das auch nicht besonders glaubwürdig. Es wäre besser gewesen zu zeigen, warum das genau in Afghanistan ein Traum ist. Dass die Talbian z.B. überhaupt keine Krankenhäuser wollen, da für sie Allah über das Schicksal entscheidet und kein Arzt. Letztendlich könnte die Botschaft des Films auch lauten: wenn ihr nicht nach Afghanistan geht, braucht ihr auch nicht auf Kinder zu schießen. Worum es wirklich geht wird nicht erwähnt. So aus meiner Erinnerung ist dies der dritte Film, der PTBS thematisiert. Etwas anderes scheint aus AFG nicht berichtenswert zu sein.
17. September 2009 um 08:27 Uhr
@Peter – das Episödchen war ungelenk, was die wirklichkeitsnahe Wiedergabe des Militärischen im In- und Ausland anbetrifft, auch in diesem Genre sieht man wiederholt, dass es weit weg ist vom durchdringenden Verständnis für die Realität in der Truppe, aber die erste Versuche gestalten sich nun mal holprig – nach oben ist noch Luft.
17. September 2009 um 09:38 Uhr
Das sehe ich als Angehörige aber völlig anders: Dieser Film für mich außerordentlich gut gemacht, wenn auch die Hauptfigur etwas überspitzt dargestellt ist – Hut ab vor der schauspielerischen Leistung. Immerhin kommt der wahrscheinlich größere Teil nicht derart traumatisiert zurück, Gottlob.
Dieser Film ist meiner Meinung nach wesentlich besser als “Willkommen zu Hause”. Für mich zeigt der Film, wie tief auch die Familien betroffen sind, wie wenig die Soldaten selber spüren, dass sie verändert nach Hause kommen, deshalb muss man noch lange nicht an PTBS leiden.
Auch ich lasse nichts auf “angriff-auf-die-seele” kommen – alles im Leben ist verbesserungswürdig, aber besser man tut etwas, als gar nichts. Ich habe jedenfalls durch dieses Chat erfahren – vielen Dank Dirk Hamel für den Tipp – dass die Betreuung der Soldaten und auch der Angehörigen sehr sehr unterschiedlich gehandhabt wird – und das kann nicht sein. Es kann nicht durch Glück oder Zufall entschieden werden, wie man vor- und nachbetreut wird. Nachbetreuungsseminare auch für Familien, teils mit den Soldaten zusammen, muss für alle Pflicht werden – dann würden auch die Soldaten vielleicht engagierter daran teilnehmen, weil sie nicht wieder von ihren Familien, gerade erst nach Hause gekommen, getrennt wären. Auch würde man ihnen das “Sprechen” mit ihren Familien erleichtern. Viele tun oder können das nicht. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass, wenn man von seinen Erfahrungen und Gefühlen berichtet, schon manch “gestandener Offizier” die Gesichtsfarbe gewechselt und geäußert hat: Wie in meiner Familie, das ist dasselbe, was ich mit meiner Frau und Kindern oder Eltern erlebt habe oder auch: Das habe ich nicht geahnt, was meine Angehörigen durchleben, wir haben nie darüber gesprochen.
Und nur sprechen hilft, alles was wir mit dem Mäntelchen des Schweigens abzudecken versuchen, holt uns eines Tages verstärkt ein. Warum also uns nicht das Leben einfacher gestalten, indem wir offen und frei reden. Immerhin werden die Soldaten auch in realitätsnahen Übungen auf Geiselnahme und Folter vorbereitet, dann sollten sie sich auch der Realität in ihren Familien stellen -nichts wird einfacher, wenn man es verschweigt!
17. September 2009 um 09:42 Uhr
… der Film hat doch alle gegensätzlichen Meinungen beleuchtet, jeder darf und kann sich also hinterfragen. Ein 100%iges Pro für den Einsatz in AFG konnte und durfte doch nicht erwartet werden! Dafür gab es anschließend im ZDF das “auslandsjournal” – bei dieser Sachstandslage, die Insidern schon lange bekannt ist, könnte es doch nur ein klares “Nein” geben. Keiner würde im zivilen Leben auch nur noch einen Tag in seinem Job zubringen, wenn “die Firma” derart grob fahrlässig mit seinem Leben und der Gesundheit umginge…
17. September 2009 um 09:57 Uhr
@HED – “ungelenk” bitte ich so zu vestehen, wenn ein KRIPO-Beamter einen Krimi schaut, dann stellt er immer handwerkliche Fehler fest, zB “sie sind verhaftet”, obwohl in der Film-Situation nur “festgenommen” werden darf. Beim Bloch-Episödchen waren die Uniform-Trageweise Kostüm, die Gefechtssituation sehr gestellt, zB ein Scharfschützengewehr die Waffe des StFw und kein übliches G36 sowie sonstige militärische Ungereimtheiten zu sehen, das ist aber nur der eine (militärfachliche) Aspekt. Dass die Message rüber kam, dass Schauspieler die Zerissenheit und Ohnmacht darstellten, dass das Filmgeschehen betroffen machte, das das Thema erfasst wurde, will ich nicht in Frage stellen.
18. September 2009 um 09:01 Uhr
@Dirk
Die kleinen handwerklichen “Fehler” sind natürlich auch mir aufgefallen, aber tun dem Ganzen keinen wirklichen Abbruch – für die breite Masse und das Übermitteln der Message sind m. E. andere Dinge wichtig und das ist meiner Meinung nach gut gelungen: Die Zerrissenheit des Soldaten auf ein Kind und dennoch “Feind” zu schießen, das Zögern, das letztlich dem Kameraden das Leben kostet und mit dieser “Schuld” weiter zu leben, die Frage, wie erkläre ich das seiner Frau, seiner Familie…
Das ist Realität: Auch ich bin schon gefragt worden, “wie soll ich das den Familien meiner Kameraden erklären… ich muss den Befehl geben…” und dies im Hinblick darauf, dass weder Ausrüstung noch teils Ausbildung den Erfordernissen in diesem Krieg genügen!
Was dort geschieht, ist für mich schon “grob fahrlässig” und zwar von Seiten der Parlamentarier, die diesen “Befehl” geben und auch von Seiten der obersten militärischen Führung, denn sie wissen genau, was “vor Ort” wirklich vorgeht und sie schweigen weiter – vielleicht wäre es anders, wenn jene nicht nur im geschützten Feldlager säßen, sondern täglich im Feld wären und ihre Haut hinhalten müssten?
18. September 2009 um 09:04 Uhr
@HED – wir sind uns einig!
18. September 2009 um 09:15 Uhr
@HED
Es spricht ja auch gar nichts gegen „angriff-auf-die-seele“. Mit geht es nur um die einseitige Fokussierung auf PTBS.
Richtig ist, dass man nach einem Einsatz verändert nach Hause kommt. Richtig ist auch, dass es schwierig ist mit der eigenen Familie darüber zu reden. Dies lässt sich auch klar begründen. Der normale deutsche Soldat, der in der bundesrepublikanischen Wohlstandsblase groß geworden ist, kennt Krisengebiete und weniger entwickelte Länder meist nur aus dem Fernsehen. Wenn er dann in seinem Einsatzgebiet ankommt widerfährt ihm dann tatsächlich der in anderem Zusammenhang oft genannte Kulturschock. Nur ist es in diesem Fall ein richtiger. Wirkliche Armut wie auf dem Balkan, in Afghanistan und Afrika gibt es hier nicht. Wer kennt hier schon einen Hirten, der sich von seinen acht Schafen ernähren muss? Plötzlich begegnet man abgrundtiefem Hass und purem Rassismus. Das was hier Rassismus genannt wird sind wirklich Peanuts und auch das Ergebnis einer Wohlstandgesellschaft. Je nach Auftrag begegnet der Soldat auch plötzlich dem Tod. Der moderne Bundesbürger verdrängt den Gedanken daran und in der durchschnittlichen deutschen Kleinfamilie sind Todesfälle auch äußerst selten. Bei den jungen Soldaten leben meist sogar noch die Großeltern. Im Einsatz hat er es dann aber auf einmal mit Leichen zu tun. Nicht einmal unbedingt mit Opfern von Anschlägen oder Kämpfen sondern häufig erst einmal von Verkehrsunfällen, die in allen Einsatzgebieten spürbar häufiger sind als in der Heimat. Die Masse der Soldaten egal, ob in der Küche oder auf Patrouille, stehen auch ständig unter Strom. Eine gewisse Anspannung ist permanent vorhanden, sei es wegen einer konkreten Bedrohung oder auch nur der ganzen Atmosphäre.
Dies kann man nur nachempfinden, wenn man es selber erlebt hat. Die eigene Familie ist dafür ungeeignet, weil man zu Recht davon ausgeht, dass sie die Worte zwar versteht, es aber eben nicht nachfühlen kann. Deshalb redet es sich mit einem anderen Soldaten, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat komplett anders.
Genauso ist es umgekehrt. Der Einsatzsoldat kann sich vorstellen, dass die Familie mit der permanenten Ungewissheit Probleme hatte und diese das Leben belasteten. Nur nachvollziehen wird er es nie können, da ihm exakt diese Erfahrung fehlt. Sicherlich kann man darüber sprechen, aber viel mehr als es einmal gesagt zu haben wird dabei nicht heraus kommen. Wichtig ist also diese Belastungen abzuschütteln und sich wieder und bewusst gemeinsamen Erlebnissen zu widmen. Die unterschiedlichen Perspektiven, die entstanden sind, werden wahrscheinlich bleiben. Dem Einsatzsoldaten kommen viele Probleme, die man so in der Heimat hat, plötzlich sehr banal vor. Es ist sehr schwierig für ihn damit umzugehen, dass es für die Daheimgebliebenen eben sehr große Probleme sind.
Die Nachbetreuungsseminare mit Familie sind übrigens Pflicht, werden aber oft nicht von den Soldaten angenommen.
Die Ausrüstung und Ausstattung kann natürlich besser sein. Bei der Bekleidung machen sich z.B. die negativen Folgen der Privatisierung bemerkbar. Es wird eben nicht mehr das Beste geliefert sondern exakt das, was auch bestellt wurde. Umsonst gibt es da nichts mehr. Die Ausrüstung an sich kann auch so schlecht sein, da sich unsere Verluste noch ziemlich in Grenzen halten. Eine gewisse Überlegenheit auch in Bezug auf die Ausbildung muss also vorhanden sein. Der Mangel an Kräften ist da wieder eine andere Frage.
Über die Arbeitsbedingungen in deutschen Betrieben sollte man sich auch nur sehr vorsichtig äußern. Gerade im Transportgewerbe und auf Baustellen herrschen z.B. teilweise haarsträubende Zustände.
Kleiner Nachtrag wegen des letzten Posts:
Die Szene mit dem Jungen der erschossen wird ist komplett unrealistisch und das Verhalten des Schützen auch. Wenn geschossen wird schießt man automatisch zurück auf alles was sich bewegt. Der Adrenalinspiegel ist in solchen Augenblicken so hoch, dass man nur noch reagiert und nicht mehr denkt. Nur sehr wenige und ganz unempfindliche sind in solchen Augenblicken noch zu philophischen Gedanken in der Lage.
18. September 2009 um 10:15 Uhr
@Peter:
Das Letzte zuerst: Mir wurde wiederholt von verschiedenen Soldaten genau diese “Hemmschwelle” berichtet – Kinder, Frauen in Burka etc.!
Nachbetreuungsseminare m i t Familien werden leider n i c h t in allen FBZ angeboten, obwohl der Soldat und seine Familie, wie wir z. B., daran größtes Interesse haben! Daran werde ich aber arbeiten und verstärkt dieses “Recht” einfordern, man muss es nur mal wissen – auch hier funktioniert die Informationspolitik der Bw nicht!!! Es liegt auch am Engagment der Verantworlichen: Wir haben jetzt zum Glück einen Kommandeur, der selbst die Initiative ergriffen hat und für uns eine eigene kleine Community während des Einsatzes gegründet hat, ein großes Lob dafür!
Unterschiedliche Erlebnisse und Wahrnehmungen des Soldaten und seinen Angehörigen: Viele können sich nicht einmal die Ängste, Sorgen und Empfindungen mitteilen – lieber wird aus falscher Rücksichtnahme o. ä. geschwiegen und das ist m. M. nach fatal. Müssen wir nicht realistisch damit rechnen, dass wir uns u. U. nicht mehr oder nicht mehr gesund wieder sehen, sollte man dann nicht vorher über alles gesprochen haben und gehört dazu nicht auch die “Nachbereitung”? Natürlich kann man gewisse Situationen, die man selber nicht hautnah erlebt hat, nur bis zu einem gewissen Grad nachempfinden – aber wieso suchen wir denn Psychologen auf, die uns doch helfen könnenoder sollen, obwohl sie auch nicht alle Unwägbarkeiten des Lebens selbst durchlebt haben, Sozialarbeiter nebenei bemerkt doch ebenso.
Liegt es nicht an der Sensibilität und am Interesse des Einzelnen? In meinem beruflichen Umweld in einer Psychiatrischen Klinik erlebe ich leider täglich, dass viele Probleme nicht entstehen würden, wenn wir alle mehr über unsere Empfindungen sprechen, andererseits mehr und besser zuhören würden und nicht immer davon ausgingen, dass es den oder die anderen nicht interessieren oder verstehen würde. Viel zu viele tun sich mit den Öffnen schwer, besonders die Männer, die im Übrigen den häufigsten Anteil an Suiziden haben -nicht die Frauen!
Ich stimme Ihnen zu, dass der Focus auf die PTBS evtl. ein wenig zu stark ist. Die Erlebnisse alleine des so anderen Alltags in Afghanistan, von den Bedrohungen einmal ganz abgesehen, dürften wohl kaum einen, oftmals sehr jungen Soldaten unberührt lassen – es wird ihn verändern und das sehe ich nicht negativ, im Gegenteil. Viele dieser Soldaten sind wesentlich reifer und belastbarer, als ihre nicht soldatischen Altersgenossen! Außerdem schadet das Wissen, dass die Welt ganz andere Probleme hat, als der nächste Urlaub, das größere Auto, das 100. Paar Schuhe…Es ist aber hier doch wieder der Umgang mit dem Erlebten: Wie sollen Kinder ihren Vater verstehen, wenn er sie plötzlich anschreit, weil sie das Essen ablehnen, weil es ihnen nicht schmeckt, weil sie lieber wieder Pommes essen wollen – er muss es ihnen erklären, dass er Kinder gesehen hat, die am Straßenrand um eine Handvoll Reis bettelten. Nur ein Beispiel von vielen, nur gemeinsam kann man die Veränderungen eines Menschen innerhalb der Familie packen. Ist es nicht bei einer schweren Erkrankung, wie z. B. Krebs dasselbe? Diesen Weg muss letztlich der Kranke gehen, aber wir können ihn begleiten und zuhören, wenn er über seine Ängste und körperlichen und seelischen Schmerzen spricht – er ist nicht alleine! Und das ist doch eine ganze Menge, wie ich finde. Wofür ist Ehe oder Familie da – um den Weg des Lebens gemeinsam zu gehen und nicht jeder für sich. Viel zu viele scheitern daran, denn das Leben ist eine Achterbahn und keine Straße der Glückseeligkeit.
Familie auf der einen, die Kameraden, mit denen man die gleichen Erlebnisse hat, Vorgesetzte, die ein offenes Ohr und sehende Augen haben können ein gutes “Sprungtuch” für den Soldaten sein – er muss sich aber auch trauen, zu springen!