Danzig/Polen, 01.09.1939/2009: Wladimir Putin fordert Reue der Weltmächte für Abmachungen mit Adolf Hitler (Videos)

von Dirk ~ 1. September 2009. Zu lesen unter: Sicherheitspolitik, Video.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat die Weltmächte, die vor dem Zweiten Weltkrieg Abmachungen mit Nazi-Deutschland getroffen hatten, zu offiziellen Reue-Bekenntnissen aufgefordert. Bei einer Gedenkfeier zum Weltkriegsbeginn auf der Westerplatte beim polnischen Danzig/GdaÅ„sk forderte Putin dazu auf, die “unmoralischen” Abmachungen als Fehler anerkennen. Russland hätte seine Fehler schon eingestanden, indem das Parlament den Hitler-Stalin-Pakt verurteilte. “Wir dürfen nun erwarten, dass auch die anderen Staaten, die Abmachungen mit den Nazis eingegangen waren, dasselbe tun”, so Putin weiter. Die Eingeständnisse sollten in Form von politischen Beschlüssen erfolgen. Bei der Gedenkfeier waren neben dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der französische Premierminister Francois Fillon und der schwedische Regierungschef und derzeitige EU-Ratspräsident Frederik Reinfeldt anwesend. Die USA waren durch den Nationalen Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, James Jones, vertreten, Großbritannien mit Außenminister David Miliband zugegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: “Ich verneige mich vor den Opfern”

Angela Merkel hielt ebenfalls eine Rede und betonte, kein Land habe unter der deutschen Besatzung so gelitten wie Polen. Sie gedenke der 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs. “Ich verneige mich vor den Opfern”, sagte Merkel und hob neben den Polen besonders die von den Nationalsozialisten ermordeten sechs Millionen Juden hervor.

Merkel erinnerte aber auch an das Schicksal der Millionen Deutschen, die in Folge des Krieges ihre Heimat verloren. Sie tue dies im Bewusstsein der Verantwortung Deutschlands, die am Anfang der Ereignisse gestanden habe. An dieser immerwährenden geschichtlichen Verantwortung gebe es nichts umzuschreiben, und dies werde auch niemals geschehen, versicherte die Kanzlerin.

Inzwischen habe sich Europa aus einem “Kontinent des Schreckens” in einen “Kontinent der Freiheit und des Friedens” verwandelt. “Deutschlands Partner in Ost und in West haben diesen Weg durch Versöhnungsbereitschaft geebnet. Sie haben uns Deutschen die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Wir haben sie voller Dankbarkeit ergriffen.” Angela Merkel hob auch hervor, dass der Weg Europas zur Freiheit erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs vollendet worden sei. Dazu hätte das Freiheitsstreben der Polen beigetragen. Es habe es in der besonderen Verantwortung Deutschlands gelegen, Polen und den anderen mittel- und osteuropäischen Staaten den Weg in die Europäische Union und in die NATO zu ebnen.

“Es gibt keine Worte, die das Leid dieses Krieges und des Holocausts auch nur annähernd beschreiben könnten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer bewegenden Rede: “Ich verneige mich vor den Opfern.”

Bereits vor der offiziellen Gedenkveranstaltung sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Interview des ARD-Morgenmagazins: “Wir werden Ursache und Wirkung niemals verkehren.” Der Krieg habe mehr als 60 Millionen Todesopfer gefordert. “Dennoch ist auch die Vertreibung von weit über zwölf Millionen Menschen aus den Gebieten des ehemaligen Deutschlands und heutigen Polens natürlich ein Unrecht, und auch das muss benannt werden”, so Merkel.

zur vollständigen Rede der Bundeskanzlerin bei der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs in Danzig

zum Artikel “Ich verneige mich vor den Opfern”

Die Westerplatte war ein strategisch wichtiger Punkt zur Kontrolle des Danziger Hafens. Ende des 18. Jahrhunderts baute hier der preußische Staat vier mächtige Redouten. 1924 wurde die Westerplatte dem polnischen Staat als Munitionsdepot zur Erbpacht zugestanden. Heute befindet sich dort eine historische Gedenkstätte.

Der Name Westerplatte ist für jeden Polen ein Begriff. Am Morgen des 01. September 1939 feuerte das in Danzig vor Anker liegende deutsche Kriegsschiff Schleswig-Holstein auf das gegenüber liegende polnische Munitionslager. Diese Schüsse gelten als der Beginn des Zweiten Weltkriegs. 200 polnische Soldaten verteidigten den Posten sieben Tage lang. Ihr Einsatz ging als Symbol des Widerstands gegen die Deutschen in die polnische Geschichte ein. Die Ruinen der Kasernen und der Betonbunker erinnern an diesen Kampf. Zu Ehren der Helden der Westerplatte wurde 1966 am äußersten Zipfel der Landzunge ein monumentales Denkmal (Bild unten, 01.09.2009 in den frühen Morgenstunden mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk) nach Entwürfen von Franciszek Duszenko und Adam Haupt aufgestellt.

Bw-Westerplatte PL 01092009

Bw-Westerplatte PL PM Donald Tusk

(Bildquelle: Polnische Regierung.pl)

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3 Kommentare zu Danzig/Polen, 01.09.1939/2009: Wladimir Putin fordert Reue der Weltmächte für Abmachungen mit Adolf Hitler (Videos)

  1. Peter

    Die Aussagen von Kanzlerin Angela Merkel strotzen nur so von politcal correctness, deren Halbwertzeit absehbar ist.
    Wo ist der Anfang der Verantwortung Deutschlands für die Ereignisse? Am 1. August 1914, als das Deutsche Reich Russland aufgrund des Bündnisses mit Österreich/Ungarn den Krieg erklärte? Oder der 28. Juni 1919, als der deutsche Außenminister den Vertrag von Versailles unterzeichnete?
    Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag mit den ehemaligen Gegnern und die UN Charta enthält immer noch die Feindstaatenklausel. Warum wurde dieser Friedensvertrag nie geschlossen, obwohl wir mit den meisten ehemaligen Feinden mittlerweile verbündet sind? Der berechtigte Verdacht ist, dass die ehemaligen Alliierten selber nicht an die Kriegsschuldfrage rühren wollen. Was in Deutschland so klar scheint, ist es auf der anderen Seite nicht. Dort herrscht ein schlechtes Gewissen vor und man ist sich bewusst, dass der Versailler Vertrag mit und ohne Hitler in einen weiteren Krieg führen musste. Schon bei der Unterzeichnung gingen interessanter Weise viele der Beteiligten davon aus. Die Deutschen folgten Hitler nicht aus persönlicher Sympathie in den Krieg, auch wenn die NS Propaganda, die tatsächlich bis heute nachwirkt, dies suggeriert. Besonders Teilnehmer des I. WK und Opfer der Hungerblockade, die immerhin bis ins Jahr 1919 aufrecht erhalten wurde um die Deutschen zu erpressen, hatten eher das Gefühl, dass da noch eine Rechnung offen stand. Ein Gefühl, das man in unserer Republik wahrscheinlich gar nicht mehr nachempfinden kann. Folgende Generationen, die nicht mehr so systematisch erzogen wurden, könnten durchaus auf den Gedanken kommen hier etwas umzuschreiben.

  2. califax

    Die Notwendigkeit eines Friedensvertrages hat sich mit dem 2+4-Vertrag erledigt.
    Wozu hätte so ein Friedensvertrag auch gut sein sollen? Deutschland hat ja kapituliert. Damit war der Krieg bereits formell korrekt beendet und Frieden hergestellt. Die außenpolitischen Beziehungen wurden dann schon früh während des Kalten Krieges auf Frieden umgestellt.
    Es gab nur noch den endgültigen Verzicht auf weitere Reparationen und die vollständige Souveränität zu klären: 2+4.

  3. califax

    Nachtrag: Ich verstehenoch eine Sache an Ihrem Kommentar nicht. Seit wann trägt ein Raubmörder nicht mehr die volle Verantwortung für seinen Raubmord?
    Die Vorgeschichte des WKII ist ein Paradebeispiel für die größtmögliche Dummheit von Siegermächten (Metternich hat hart gearbeitet, um genau solche zum Krieg motivierenden Demütigungen im Fall des besiegten Frankreichs zu vermeiden.)
    Aber das macht den Täter nicht zum Opfer.

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