US-Verteidigungsministerium mit neuer Website und in interaktiver medialer Offensive (Video)
von Dirk ~ 23. August 2009. Zu lesen unter: Alliierte, Video.BMVg und Bundeswehr “zaudern” noch mit sich selbst
DoD launched
Social Media@DoD
&
Ask the Chairman
Die Kameraden aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind mediale Macher und beherzigen das Motto: “Vorwärts immer, rückwarts nimmer” und “der Mond ist nicht weit genug” auf amerikanisch. Die Internet-Site des U.S. Department of State (DefenceLink.mil) ist modernisiert, in neuem Design und unter Defense.gov zu erreichen.
Die US-Defence-Accounts, die Social Media@DoD bei Twitter, facebook, Youtube (Video unten, Ask the Chairman), DoDLive Blog (seit April am Start), Flickr und UStream stehen mit Links ganz selbstverständlich als Kommunikationsangebot gleich links aufgelistet.
Gestern beim Tag der Offenen Tür im Berliner BMVg, der auch heute am Sonnatg von 10:00 bis 18:00 Uhr noch andauert, habe ich dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, von der neuen medialen Power der “amerikanischen Verteidiger”, der neuen DoD-Site, dem Twittern, dem YouTube usw. des U.S. Defence Department berichtet und auch von Soldatenglück.de erzählt, wo täglich über 2.500 User mit Interesse am Thema Streitkräfte, Bundeswehr-Soldaten, Auslandseinsätze, Sicherheits- und Verteidigungspoltik im Internet passiv dabei sind oder aktiv kommentieren oder Mails schreiben, und dass das BMVg und die Bundeswehr besser werden können und müssen in diesen neuen Kommunikationswegen der Gegenwart und Zukunft. Die Territoriale Wehrverwaltung bloggte live aus dem Bendlerblock, nichts “kriegsentscheidendes”, aber immerhin ein Feldversuch.
“Viele bei uns zaudern”
Der GI sagte zum deutsch-amerikanischen Social Media Vergleich sinngemäß, das sehe ich auch so, wir müssen da viel mehr tun und ergänzte erhrlich und selbstkritisch wörtlich, “viele bei uns zaudern, wollen nichts falsch machen, wir zaudern zu viel, … dabei müssen wir eigentlich mutiger sein …” und weiter, “schauen Sie mal, wie es mir ergangen ist, als ich Unbequemes gesagt habe …”. Gemeint hat der GI seine Rede beim Jahresempfang des Wehrbeauftragten im Februar und den Gegenwind, den er danach zu spüren bekam.
Also, offenbar Problem an der militärischen Spitze erkannt, an der Lösung wird gearbeitet, aber erstmal muss das Blockade-Denken “der Zauderer” und Bedenkenträger überwunden werden.
Das Video unten zeigt die Initiative des Chairman of the Joint Chiefs of Staff der U.S. Streitkräfte und ersten militärischen Beraters des U.S. Präsidenten, Admiral Mike Mullen, dessen Posten im D-USA Vergleich dem des Generalinspekteurs Bw am nächsten ist. Was in den USA Ask the Chairman heißt, könnte bei dem zu errichtenden BMVg-YouTube-Kanal (das PIZ Marine betreibt einen) “Frag den GI” heißen und der Twitter- und Blog-Auftritt des BMVg könnte eloquent ins Zwitschern und Bloggen kommen (Bendler-Blog als Name ist allerdings schon anderweitig vergeben).
Nach der Bundestagswahl wollen wir mal sehen, was dann auf der 4-Jahres-Agenda des Verteidigungsministers in Sachen Verteidigungs-Kommunikation stehen wird.
(Grafikquelle: U.S. Department of Defence.gov)























23. August 2009 um 09:25 Uhr
Das ist wohl auch typisch deutsch. Es wird lieber gezaudert, an negative Auswirkungen gedacht, als an die positiven Aspekte. Und so werden noch viele Monde vergehen bis in der Hinsicht auch mal was gemacht wird. Vielleicht zu viele. Warum? Ist keiner in der Lage mal einen Auftrag zu geben in dem klar und deutlich gesagt wird was wir wollen und brauchen. Es wird wohl immer erst dran gedacht das dies ja auch nach hinten losgehen kann und das bedeutet dann, dass man eventuell zu seiner Entscheidung stehen muß, auch wenn diese falsch war und negative Sachen nach sich ziehen könnte. Was für ein Licht würde dann auf denjenigen werfen? Mir kommt es so vor das wir immer mehr eine Nation ohne Rückgrat werden, eine Nation von Ja-Sagern. Nicht nur in dieser Hinsicht, es gibt viel zu viele von den Ja-Sagern und leider auch sehr viele die dieses so wollen. Immer öfter werden Leute die gerne mal >JA< sagen bevorzugt, als wie Leute die mal dagegen steuern und auch mal ihre eigene Meinung hervorbringen. Diese werden als Unruhestifter und Quertreiber benachteiligt.
23. August 2009 um 09:38 Uhr
@Robert – In Wahrheit sind die als “Quertreiber” disquaifizierten die Querdenker, die Avantgarde und die Speerspitze der positiven Bewegung.
In der Tat befördert im Sinne des Wortes das Bw-System eher den mittreibenden “Jawohl-Sager” als den Vorausdenker, der mutig genug ist, auch mal anzuecken. Fortschritt kommt von fortschreiten, was auch voran marschieren heißt und dabei aus der Deckung kommen beinhaltet, das hat im Leben wie im Militärischen immer etwas mit Mut zu tun, oft auch mit Mut zur Wahrheit.
23. August 2009 um 10:52 Uhr
@Dirk: Das klingt schon fast wie eine kleine Revolution.
23. August 2009 um 11:16 Uhr
@Vrael – bei Sichtung der Geschichtsbücher ist festzustellen, Revolutionen haben schon immer den Fortschritt der Menschheit begründet.
23. August 2009 um 13:25 Uhr
@Dirk: Revolutionen gehen aber (angeblich) schnell. Den Bendler-Blog habe ich bereits im Jahr 2005 vorgeschlagen, und dann halt selbst (und mit anderer Ausrichtung) selbst gemacht.
Auf jeden Fall Danke für die Arbeit an der “Front” und das Gespräch mit dem GI. Vielleicht sollte ich ihn mal anrufen, wobei: Das BMVg spricht ja nicht mit Bloggern
23. August 2009 um 18:13 Uhr
Ich finde den GI sein Hinweis, wie seine Rede beim Jahresempfang des Wehrbeauftragten kritisiert worden ist, passt in diesem Zusammenhang schlecht als Beispiel.
Wenn er Dinge beim falschen Namen nennt, darf er sich nicht wundern, dass er Kritik erntet. Nicht der falsche Schlafsack hätte beim Kongoeinsatz kritisiert werden müssen, sondern dass der zivile spanische Vertragspartner beim Aufbau des Feldlagers in Kinshasa völlig versagt hat. Das überhaupt ein ziviler spanischer Kontraktor dafür zuständig wurde, anstatt eine bundeswehreigene Feldlagerbetriebskompanie zu nehmen, hat sicherlich etwas mit den Privatisierungs- und “Outsource”-Bemühungen des BMVg von bundeseigenen Aufgaben zu tun. In der Konsequenz hat der GI recht, das tatsächlich Mut dazugehört etwas Unbequemes zu sagen. Vor allem wenn gegen die eigene, herrschende Regierungsmeinung ist !
Das auf bundeswehr.de während der afghanischen Präsidentenwahl harmlose “Nachrichtenkonserven” mit guten Nachrichten veröffentlicht werden, anstatt fair und ehrlich über den Wahlverlauf zu berichten, hat ebenfalls nichts mit “zaudern” zu tun. Es ist entweder bewusst beabsichtige Propaganda oder schlicht Unfähigkeit !
23. August 2009 um 18:52 Uhr
@Georg – er hat noch mehr gesagt, ich habe allerdings lediglich diese beiden Sätze wiedergegeben, ich habe ihn nicht “förmlich professionell interviewt” und nicht mitgeschrieben.
Was er sinngemäß auch noch durchblicken liess, ich bin der militärische GI hier, nicht alles, was ich für besser und zweckmäßig erachte, wird von “der Politik” umgesetzt oder zugelassen, ich sage auch Unbequemes, traue mich was, mache dabei nicht alles immer richtig und schau, wie es mir gegangen ist. Damit und mit dem Ausspruch “wollen nichts falsch machen” und machen und sagen deswegen lieber nichts, baut sich die Logik-Brücke vielleicht besser.
Dass er mit der Rede beim Wehrbeauftragten nicht goldrichtig lag, da sind wir beide d´accord.
Ich habe hier zwei seiner Teilsätze aus einem Gesamtzusammenhang wiedergegeben, dass gibt ihn nicht vollständig und auf den ersten Blick vielleicht unschlüssig wieder, darum will und muss ich ihn hier “in Schutz nehmen”.
Das Stichwort Nachrichtenkonserven anlässlich der Wahlen ist zwar dieselbe Baustelle, doch dazu habe ich nichts gefragt oder gesagt. Ich habe mir das angesehen und eingestellt, was die Amerikaner dazu produziert haben und mit andere Presse ergänzt, das machte dann das Bild runder.
24. August 2009 um 08:12 Uhr
Leider hat der GI bereits des öfteren auf
a. die Notwendigkeit einer stärkeren Kommunikation nach Innen (Verständnis für “Transformation”) und
b. durchaus auch die Nutzung “modernerer” Kommunikationswege als die Internet-Auftritte hingewiesen
und nichts passiert.
Die Absicherungsmentalität im politischen Raum ist so ausgeprägt, dass das Herangehen an die social web-Komponenten völlig undenkbar ist. Immerhin werden sie aber mitgelesen, es könnte ja sein, dass jemand “internes” hier unerhörtes macht.
24. August 2009 um 13:36 Uhr
@Tom S. – Die Energie und Ressourcen des Mitlesens oder Ausspähens der bestehenden Plattformen sollten besser in ein Pro-aktives Selbermachen umgemünzt werden, aus einem Reagieren wird so ein Agieren.
Ich hatte im Vorjahr in der Welle der ersten Furcht vor Blogs persönlich illegitime Einfussnahmen aus der derzeitigen BMVg-Spitze auf die Meinungsfreiheit zu verspüren und vorgeschobene politische Bedenken anzuhören und habe mit Offensiv-Verteidigung auf die Demokratie hingewiesen und an höherer Stelle Rückendeckung bekommen.
In der Folge der ersten social-web-Welle zum Thema sind aus dem BMVg gezielt und organisiert Warnrufe an die Soldaten gegen social-web losgetreten worden, zB ein Y-Artikel zum Bloggen wurde in Auftrag gegeben, als der zu brav und ausgewogen liberal war, wurde dessen Umschreibung veranlasst und erst eine Ausgabe später dann mit “nachgebessert” klaren Warnungen veröffentlicht.
Auch Radio Andernach warnt in seinem laufenden Programm die Soldaten vor social-media Aktivitäten.
Wenn man es nicht gut mit der Bw meinen würde, könnte man das als PsyOps Inland bezeichnen.
Man ist nicht nur passiv enthaltsam, sondern aktiv dagegen.
Verantwortlich dafür ist die Leitung des Presse- und Informationstabes mit einer politisch beeinflussten strategischen Fehleinschätzung und mangelndem mutigen Bekenntnis zu den Freiheiten der Demokratie.
Es könnte ja jemand “Internes” “Unerhörtes” machen, es macht bereits jemand “Internes” “Unerhörtes” und versteht das noch als Dienst an der Freiheit, in Wirklichkeit ist es ein Raben-Dienst.
26. August 2009 um 11:38 Uhr
Zweifel an der Glaubwürdigkeit des GI als eines Promoters moderner Kommunikationsmethoden halte ich für unangebracht. Natürlich müssten sich Diskussionsteilnehmer in solchen Foren mit Namen und Dienstgrad zu erkennen geben; denn sonst könnte man ja nicht feststellen, ob sie der vom GI eingeforderte Loyalität entsprechen. Bis zur hohen militärischen Führung hat sich diese neue Auffassung des GI allerdings noch nicht herumgesprochen; denn bei einer sicherheitspolitischen Tagung antwortete neulich ein hoher General auf die Frage, wann man denn den vom Bundespräsidenten geforderten Klartext reden könne: Vor getroffenen Entscheidungen, danach habe sich nur noch der GI zu äußern (s. mein Beitrag zu diesen Fragen unter http://www.juergenruwe.de/klartext/befehlundgehorsam.html ).
Der GI ist auch ohne Zweifel mutig. Denn wie sonst könnte er heute noch an seinen Äußerungen in der Rede beim Jahresempfang des Wehrbeauftragten festhalten und damit zeigen, dass er aus den berechtigten Reaktionen nichts gelernt hat (s. mein Beitrag „Bundeswehrschelte – oder wie man ein Eigentor schießt“ unter http://www.juergenruwe.de/klartext/bundeswehrschelte.html).
29. August 2009 um 11:53 Uhr
[...] von Euch den Job in Afghanistan sinnvoll? Oder seid Ihr nur dort aus Treue zu Euren Kameraden? Wie fühlt Ihr Euch, wenn die Menschen in Deutschland Eure Pflichterfüllung in Afghanistan …Wenn die Menschen in der Heimat Euch nicht verstehen, euch nicht unterstützen können? Was [...]