US-amerikanische Afrika-Politik – HQ AFRICOM in Ghana? (Video)
von Dirk ~ 21. Juli 2009. Zu lesen unter: Afrika, Video, Weltregionen.“Die Zukunft Afrikas liegt in den Händen der Afrikaner”
Seit der Rede von U.S. Präsident Barack Obama in Accra/Ghana vor dem Parlament, erstmalig als Amtsinhaber in Afrika am 11. Juli 2009, sind einige Tage vergangen. In den internationalen Medien viel beachtet wurde die Rede des ersten amerikanischen Staatsoberhauptes mit schwarzer Hautfarbe und naher afro-amerikanischer Herkunft. Militärisch blicken die USA auch mit “neuen Augen” auf Afrika, ein Regionales Kommando ist geschaffen, es soll vorrangig mit humanitären Hilfsoperationen, Katastrophenbewältigung und Krisenreaktionsoperationen betraut werden. Die Zeiten des “vergessenen Kontinents” gehen zu Ende, nicht nur aus Sicht der US-amerikanischen Regierung gewinnt der Kontinent aufgrund ihrer Ressourcen und oft instabilen Machtverhältnisse oder Al Quaida-Umtrieben zunehmend an Bedeutung, Staaten wie China und Russland setzen dort ihre Interessen durch.
Die United Nations sind mit MONUC als weltgrößte UN-Mission mit rund 17.000 UN-Soldaten allein in der DR Kongo stationiert. Die Europäische Union ist mit mehreren Missionen auf dem afrikanischen Kontinent im Einsatz, Bundeswehr-Soldaten versahen Dienst bei der EU-Mission RD Congo und Polizisten und Soldaten aus Deutschland sind bis heute in Sudan und Darfur unter UN-Mandat eingesetzt. Vor der Küste Somalias wird von der Mission EU
NAVFOR Operation ATALANTA europäische und Außen- und Sicherheitspolitk und von der UN “Weltinnenpolitik” betrieben. Die USA trugen mit der Schaffung eines militärischen Afrika-Kommandos dieser Entwicklung auf dem einst als “vergessener Kontinent” bezeichneten Weltregion Afrika Rechnung.
HQ des United States Africa Command (AFRICOM, Wappen rechts) ist noch Stuttgart in Deutschland, ein dauerhaft gesicherter Platz in Afrika scheint noch nicht gefunden. AFRICOM ist das sechste und jüngste Regionalkommando der US-Streitkräfte, ab Oktober 2007 im Aufbau, seit Oktober 2008 ist die volle Operationsfähigkeit hergestellt. AFRICOM hat das Oberkommando über US-amerikanische Truppen und Operationen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, mit Ausnahme von Ägypten. Derzeit ist das Hauptquartier in den Kelley Barracks in der baden-wüttembergischen Landeshauptstadt stationiert. Das spätere Hauptquartier des Kommandos könnte – und soll wohl auch – , nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums, in Afrika stationiert werden.
Obama übermittelte bei seinem ersten Afrika-Besuch in seiner Rede in Ghana, ehemals Goldküste in Westafrika am Atlantischen Ozean gelegen, eine kompromisslose Botschaft. Der schwarze Präsident Obama sprach noch unverblümter, als es der 43. U.S. Präsident George W. Bush bei seinem Besuch in Ghana letztes Jahr gewagt hatte. Obama erklärte, Hilfe werde nur bekommen, wer sich den Interessen der amerikanischen Regierung und Konzerne anpasse, in Zukunft würde die Hilfe noch geringer ausfallen.
“Entwicklung”, erklärte Obama vor Parlamentarien Ghanas, “hängt von guter Regierungsführung ab. Diese Zutat hat in zu vielen Gegenden viel zu lange gefehlt. Das ist die Veränderung, die Afrikas Potential freisetzen kann. Und diese Verantwortung können nur Afrikaner wahrnehmen.” “Die Zukunft Afrikas liegt in den Händen der Afrikaner”, wiederholte er. Die Belehrung enthielt auch eine Drohung. “Wir haben die Verantwortung, die zu unterstützen, die verantwortlich handeln, und jene zu isolieren, die das nicht tun. Genau das wird Amerika tun”, erklärte Obama.
Ein guter Auftakt mit klaren Worten, vielleicht der Wegbereiter für die Errichtung eines US- Hauptquartiers im “englischsprachigen” Ghana, dem Land aus dem der letzte UN-Generalsekretär Kofi Annan stammt und dessen Demokratie und wirtschaftliche Stabilität für afrikanische Verhältnisse weit fortgeschritten sind. Ghanas Außenpolitik orientiert sich an den westlichen Staaten, vor allem an den USA.
Ghana (in grün, Grafik oben) hat ein großes Gewicht in Westafrika und gilt als stabilisierender Faktor. Auch militär- und geostrategisch eine gute Option. Die Regierungen Ghanas haben in der Vergangenheit mehrfach internationale humanitäre und militärische Einsätze unterstützt.
Ghana erhielt am 06. März 1957 als erstes Land Afrikas die Unabhängigkeit von Großbritannien. Das Interesse Großbritanniens ist demzufolge an der Präsidialrepublik Ghana im Commonwealth noch sehr groß, der BBC-Korrespondent Andrew Harding war von der Direktheit überrascht, mit der der im Ant noch junge Amerikaner-Präsident zu den Gastgerbern sprach. Harding kommentierte: “Es war eine weit ausladende Rede, aber Obama kann wegen seiner Abstammung, wegen seines kenianischen Vaters, zu Afrikanern in einer Weise sprechen, die für die meisten ausländischen Politiker schwer vorstellbar ist.”
Auch die London Times vertsand die Rede so, Libby Purves schrieb zur Rede: “…. eine Botschaft, die kein weißhäutiger westlicher Führer hätte überbringen können, ohne in Afrika Verstimmung und zu Hause die Kritik politisch korrekter Bedenkenträger auf sich zu ziehen”.
Darum ist für diese US-Administration gerade Ghana, von wo aus einst die Sklaven nach Nordamerika verschifft wurden, heute das Tor nach Afrika, um Wohlstand, Stabilität und Frieden auf den “vergessenen Kontinent” zu bringen – mit militärischer Flankierung.
(Grafikquelle: AFRICOM.mil; Kartengrafik: CIA.gov;
Videoquelle: White House.gov)
Bild oben: KIGALI, Rwanda – General William E. “Kip” Ward, commander of U.S. Africa Command (left of center), claps along to the spirited singing of Rwandan Defense Force (RDF) soldiers celebrating the conclusion of a live-fire demonstration at the RDF’s Gabiro School of Infantry in Gabiro, Rwanda, April 21, 2009. The demonstration was part of a tour for a U.S. Africa Command delegation led by General William E. “Kip” Ward, commander of U.S. Africa Command. The Gabiro School is the RDF’s primary facility for infantry, armor, artillery and engineering training of RDF officers and enlisted members. (U.S. Africa Command Photo by Kenneth Fidler)























