Die neuen deutschen Helden?
von Dirk ~ 6. Juli 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik.Krieger der Postheroischen Gesellschaft
oder doch “bloß” tapfer mit Auszeichnung?
“Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen”, so lautet das Versprechen. Die heute von der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichneten vier Soldaten des FschJgBtl 263 Zweibrücken und der Luftlandeschule Altenstadt haben sich an ihr Wort gehalten, mehr noch, sie wurden zu Helden.
Tapfere Staatsbürger in Uniform
In der Tat, eine Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes (EK) wurde in der Truppe mehrheitlich kritisch gesehen und nur vereinzelt das EK favorisiert. Sonderstufen des Bundesverdienstkreuzes entsprechen am ehesten dem Bild des Staatsbürgers in Uniform. Die Sonderstufe “Tapferkeit” des Bw-Ehrenkreuzes ist dann auch ein lauer Kompromiss und typisch für eine Bundeswehr im Einsatz, die z.B. in Afghanistan eine “Stabilsierungsmission” durchführt, was die Soldaten nicht nur semantisch, sondern real als Krieg verstehen, und wo bei Feuergefechten und Bombenanschlägen Verletzte und tödlich Verletzte erst mit langer Zeitverzögerung und nach dem x-ten Verlust an Leben offiziell “Verwundete” und “Gefallene” bezeichnet werden.
Symbolik, der “Blaue Max”
Eine Alternative mit historischer Tradition und staatsbürgerlich ziviler und soldatischer Dimension, die noch nicht öffentlich diskutiert wurde, wäre dennoch eine Überlegung wert gewesen. Was sich anbietet bzw. angeboten hätte ist der Pour le mérite (für das Verdienst), der von Friedrich dem Großen gestiftet wurde und neben dem Orden vom Schwarzen Adler die bedeutendste Auszeichnung in Preußen war. Der Orden geht auf den 1667 gestifteten Orden de la Générosité zurück. Den Pour le mérite gab es in der militärischen Klasse bis 1918, in der zivilen existiert er als halboffizielle Auszeichnung bis heute mit der Bezeichnung Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste.
Eine Medal of Honor, ein Silver Star vergleichbar mit den US-amerikanischen Streitkräfte oder das Victoria Cross für britische Streitkräfte ist der “Blaue Max” nicht, aber nah dran wäre er, gleichwohl wäre ein Basieren des Tapferkeits-Ordens Pour le mérite auf der deutschen Militärgeschichte seit 1740 ohne direkten Bezug zur 12-jährigen Nazi-Zeit ein begrüßenswerter Schritt gewesen.
Tapferkeitsorden light mit ein bißchen Eichenlaub
Aber wir sind nicht nur in einer postheroischen Gesellschaft, Deutschland ist als außen- und sicherheitspolitischer Akteur noch immer am Erwachsenwerden, und ein Militär-Helden-Epos am Hindukusch passt so richtig nicht rein in die semantischen Schwächen zwischen Krieg im Nicht-Sinne des fließenden Völkerrechts, Neuen Kriege im Sinne der Politikwissenschaft und Krieg in der Wahrnehmung der Soldaten im Einsatzland – darum ein “Tapferkeitsorden light mit ein bißchen Eichenlaub” (Bild unten), erst-verliehen von the highest german Commander, der Kanzlerin.
Neue Krieger in Neuen Kriegen
“Die heroische Gesellschaft war die Gesellschaft, in der der Krieger und der Bürger eins geworden sind, in der tendenziell jeder Bürger, wenn es denn nötig war, auch ein Krieger zu sein hatte … Die postheroische Gesellschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer schrittweisen, neuerlichen Separierung des Bürgers und des Kriegers kommt …”, so der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Herfried Münkler, er lieferte das Stichwort “Postheroisch”! Demokratische Gesellschaften gehen auf Distanz zu soldatischen Leitbildern wie “Ehre” oder “Opferbereitschaft”. Sie wollen keine kriegerischen Helden.
Darum sind die vier und viele andere Soldaten der Bundeswehr zwar in Wirklichkeit Helden, aber besonders tapfere Soldaten gemäß ihrem Eid mit Auszeichung dürfen sie nur sein. Denn der nächste Schritt nach Helden würde Hilfe für Helden sein müssen, Help for Heroes und bis dahin wird Deutschland noch weiterhin erwachsen werden müssen als außen- und sicherheitspolitischer Akteur in den Realitäten des 21. Jahrhunderts.
zum BMVg-Artikel über die Verleihung der Ehrenkreuze für Tapferkeit
Grußwort des Verteidigungsministers anlässlich der Erstaushändigung
Artikel und Video bei Bundesregierung.de
Stiftungserlass des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit vom 13. August 2008
(Bilderquellen: ISAF.NATO.int,
International Security Assistance Force soldiers with the German Logistics Support Battalion 172 conduct a recovery task force training exercise outside Camp Marmal here, Feb. 27.;
The German Armed Forces with the International Security Assistance Force donate two Mercedes Benz Tactical Ambulances to the 5th Kandak, 1st Brigade, 209th Corps, Afghan National Army, during a hand over of the key ceremony at Camp Shaheen, Feb. 28.;
FEYZABAD, Afghanistan — A German soldier points at the construction site for the new bridge over the Kokcha River here, Jan. 22. The Federal Republic of Germany and the people of Feyzabad are building the bridge, which began construction in December of 2008;
MAZAR-E-SHARIF, Afghanistan–A German soldier with the International Security Assistance Force German Operational Mentor and Liaison Team Six looks out the window during a patrol with 2nd Kandak, 1st Brigade, 209th Corps, Afghan National Army at Mazar-e-Sharif, Feb. 11. ISAF photo by U.S. Marine Corps Corporal John Scott Rafoss;
MAZAR-E-SHARIF, Afghanistan-German soldiers with the International Security Assistance Force German Operational Mentor and Liaison Team Six patrol the streets of Mazar-e-Sharif with Afghan soldiers from the 2nd Kandak, 1st Brigade, 209th Corps, Afghan National Army, Feb. 11. ISAF photo by U.S. Marine Corps Corporal John Scott Rafoss;
Swedish, German, and Afghan National Army soldiers patrol Feyzabad, Jan. 29. (Photo by U.S. Marine Cpl. John Scott Rafoss);
Bundeswehr.de);
Grafikquelle: Help for Heroes.uk)






























6. Juli 2009 um 21:23 Uhr
Kann man sich beim Pour le Merite nicht auch fragen, ob der Alte Fritz mit seinem Angriffskrieg gegen Maria Theresia ein Vorbild ist und ob einer der letzten Träger , der Herr Göring, die geeignete Gesellschaft ?
Friedrich Wilhelm hat sein Eisernes Kreuz aus respektablen Gründen1815 gestiftet, die vielleicht durchaus auch heute noch Verständnis und Anerkennung fänden.
Die Geschichte dieser Auszeichnung auf 12 Jahre Diktatur zu reduzieren erschien mir persönlich nicht richtig.
Meinem englischen Umfeld konnte ich nicht schlüssig erklären, warum das Kreuz auf dem Panzer in Ordnung ist, aber als Auszeichnung nichts taugt.
Ich denke, wie man es auch dreht und wendet,wir werden und schwer tun, einen politisch korrekten Orden in der deutschen Militärgeschichte zu finden.
Und mir will scheinen, daß mit der neuen Auszeichnung immer noch keine volle Zufriedenheit eingekehrt ist? Warum eigentlich?
6. Juli 2009 um 21:49 Uhr
@Thomas – das Thema ist/war diskussionswürdig und vielschichtig, die nun gefundene und erstmals praktizierte Formel eckt nirgendwo wirklich und ernsthaft an. Der Stiftungserlass des Ehrenkreuzes der Bw für Tapferkeit v. 13.08.2008 geht den Weg des geringsten Widerstandes und belastet nicht die Ausgezeichneten und nicht deren oder zukünftige tapfere Taten, ein EK und auch ein Pour le Merite hätte das getan.
Darum will ich bei allen theoretischen Fragen, die man im Vorfeld hätte behandeln und thematisieren können, keine Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand schüren.
Zum Erlass: http://www.bundeswehr.de/fileserving/PortalFiles/C1256EF40036B05B/W27KACAR767INFODE/Stiftungserlass.pdf?yw_repository=youatweb
7. Juli 2009 um 10:25 Uhr
[...] ein Link, der mir gestern aufgefallen ist. Soldatenglueck schlaegt vor, statt des Eisernen Kreuzes doch etwa den Pour le Merite – ‘Blauer [...]