Die “Old Boys” im Bendlerblock und auf der Hardthöhe

von Dirk ~ 18. Juni 2009. Zu lesen unter: BMVg.

Ist der GI amtsmüde oder genervt?
aus gegebenem Anlass (umstrittene Schneiderhan-Rede beim Jahresempfang des Wehrbeauftragten, die britische renommierte TIMES z.B. hat “German soldiers ‘drink and complain too much to fight Taleban’” daraus gemacht) nochmal neu gepostetet der Artikel über den Generalinspekteur vom 11. Februar 2009.

Deutschlands erster,
ranghöchster und dienstältester Soldat,
der Generalinspekteur der Bundeswehr,
General Wolfgang Schneiderhan kann nicht ewig bleiben

bw-gi-schneiderhan

In Bonn ist es die Hardthöhe als 1. Dienstsitz, in Berlin der Bendlerblock in der Stauffenbergstraße als 2. Dienstsitz des Bundesminsteriums der Verteidigung (BMVg), von wo aus die Bundeswehr befehligt wird. Old Boys Network, ein Begriff aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, trifft in gewisser Weise auch auf die deutsche Generalität zu, “old” sind die Herren Spitzengenerale zumeist und Network-Eigenschaften dürften wohl bw-gi-bw-wappen1spätestestens beim “Gefecht der verbundenen Waffen” als Jahrgangskameraden von anno Tobak vorhanden sein. Die deutsche Generalität bzw. Admiralität hat offenbar Nachwuchsschwierigkeiten, denn ein nachrückender Generalinspekteur (GI, Wappen rechts) ist bis Sommer 2010 nicht in Sicht. Am 01. April 2009 ist Wolfgang Schneiderhan im 43. Jahr im Dienst der Bundeswehr. Etwa 225 Generale und Admirale hat die Bundeswehr. Der Generalinspekteur (GI) der Bundeswehr ist der ranghöchste Soldat der Bundeswehr und militärischer Berater der Bundesregierung. Der GI ist für die Entwicklung und Realisierung der Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung verantwortlich, er hat Weisungsrecht gegenüber den Inspekteuren von Heer, Luftwaffe, Marine, Sanitätsdienst der Bundeswehr und der Streitkräftebasis. Soldat zu werden ist nicht schwer, General dagegen sehr – und GI eine Wissenschaft. Der Bundesverteidigungsminister hat im vorigen Sommer zum zweitenmal die Dienstzeit des Generalinspekteurs (GI) der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, um ein Jahr verlängert. Der derzeitige GI wird bis 31. Juli 2010 bleiben. Wolfgang Schneiderhan ist am 26. Juli 1946 geboren (Lebenslauf), er trat 1966 in die Bundeswehr ein und wurde zum Panzeroffizier ausgebildet, seit 2002 ist er der als Generalinspekteur und ranghöchste und zugleich dienstälteste Soldat der Bundeswehr, das Prädikat “aus Erfahrung gut” beischeinigt von SPD- (Dr. Peter Struck, Gerhard Schröder) wie von CDU-Verteidigungsministern und Bundeskanzler/in (Franz-Josef Jung, Angela Merkel), trifft auf ihn zu. (Bild unten: BMVg-Dienstsitz Berlin, am Reichpietschufer über die Spree fotografiert)

bw-bmvg-berlin

Warum sind unsere Generale/Admirale im Vergleich mit z.B. US-Generalen so alt an Lebens- und Dienstjahren? Die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV, §25 Abs. 3) hält die Beförderung zum Oberst nach einer Dienstzeit von 15 Jahren seit Ernennung zum Leutnant zulässig. Fliegendes Offz-Personal, Kampfschwimmer- und KSK-Angehörige können nach 14 Jahren und 6 Monaten bereits den Dienstgrad Oberst/Kapitän zS erreichen. Wenn wir optimale Umstände annehmen, dass man mit 18 Jahren als Offizieranwärter beginnt, mit 21 Jahren Leutnant und mit 35/36 Jahren Oberst wird, so könnte man theoretisch ab dem 37. Lebensjahr Brigadegeneral werden - tatsächlich wird in der Regel aber deutlich später befördert. Das ist nicht anders als im gesamten trägen Beamtenapparat des Bundes und der Länder. Wenn der Dienstgrad General/Admiral (BrigGen, FltAdm) erreicht ist, ist man/frau Politischer Beamter und kann ggf. bei Verfehlungen aus politischen Gründen entlassen werden, kann aber auch den Sprung vom Generalmajor zum Generalleutnant in einem Jahr schaffen, so bei dem derzeitigen Inspekteur der Luftwaffe, GenLt Klaus-Peter Stieglitz geschehen. (Bild unten: InspLw und Luftwaffen-Generale mit Truppenführungsfunktion an der USLw Appen)

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Die Männer in den militärischen Führungsstaben (Fü S, Fü H, Fü Lw, Fü M, Fü San) ab dem Dienstgrad Generalmajor/Konteradmiral, gehören der BMVg-Liga an, die allesamt theoretisch als Generalinspekteur-Nachwuchs in Frage kommen, doch die aktuelle Faustformel, dass ein GI-Nachfolger schon mal jünger als Jahrgang 1950 sein muß, kann kaum einer dieser  Bundeswehr-Generale/Admirale und kaum einer von den Dreisternern erfüllen. Außer einem Vizeadmiral der Marine, aber allein aufgrund der Jugend mit Jahrgang 1952 wird noch kein Marine-Mann, wie konkret der Vizeadmiral Wolfram Kühn (Jg. 1952)  aus der mit etwa 18.536 Soldaten kleinsten Teilstreitkraft, zum Generalisnpektuer. Die bis dato vierzehn Generalinspekteure waren dreimal von der Luftwaffe (derzeitige Stärke: 45.229), zweimal von der Marine und neunmal vom Heer. Die zwei weiteren neuen Organisationsbereiche Zentraler Sanitätsdienst (Stärke: 18.993) und Streitkräftebasis (Stärke: 54.458) gab es vor dem jahr 2002 noch nicht. Der letzte GI, denn die Marine stellte war von 1986 bis 1991 Admiral Dieter Wellershoff (1933-2005). Seine GI-Zeit war geprägt von der deutschen Wiedervereinigung und von der Auflösung des Warschauer Paktes, ein “Generalinspekteur der Einheit”. Sein Dienszsitz war in Bonn auf der Hardthöhe (Bild unten).

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Direkt vor Wolfgang Schneiderhan vom Heer war ein Soldat der Luftwaffen-Mann Generalinspekteur, Lw-General Harald Kujat (2000-2002), davor dreimal Heeres-Generale Hans-Peter von Kirchbach (2000-2001), Hartmut Bagger (1996-1999) und Klaus Naumann (1991-1996) von der Landstreitkräften auf GI-Posten. Wenn mann das alte Rotationsprinzip der Grünen zugrunde legt, wäre ein Vertreter der Marine an der Reihe oder einer aus den neuen Organisationsbreichen, damit wäre der derzeitige Inspekteur der Streitkräftebasis (SKB) Vizeadmiral Wolfram Kühn (Jg. 1952) der richtige  Kandidat in der grünen Rotations-Regel für den GI-Posten. Aber bei der Bundeswehr geht es nicht grün, sondern sehr oliv und fleckgetarnt zu, darum hat ein weiterer von mir favorisierter Kandidat, der Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Günter Weiler mit 39 Dienstjahren als Soldat der größten Teilstreitkraft mit 101.689 Soldaten gute Chancen. GenLt Günter Weiler (Bild unten) war vor diesem BMVg-Posten noch Divisonkommandeur der 14. Panzergrenadierdivision und davor schon mehrfach im BMVg, zuletzt im Planungsstab. (Bild unten: Arbeitstagung der Reserve des Heeres,07. -09.11.2008, Infanterieschule in Hammelburg)


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Aus dem Heer sind unter den “jungen Marschierern” im Generalsrang auch Generalmajor Carl-Hubertus von Butler, geboren am 31.12.1950, Kommandeur der Divison Luftbewegliche Operationen (DSO) in Veithöchsheim oder Generalmajor Bruno Kasdorf (Jg. 1952), Stellvertretender Befehlshaber des Heeresführungskommandos in Koblenz oder Generalmajor Wolf-Joachim Clauß (Jahrgang 1950), Chef des Heeresamtes in Köln, gute Männer, die noch einige Dienstjahre zur Verfügung stehen. Aber sie haben alle erst zwei goldene Sterne, bis zum vierten ist es noch ein Stück Weg. Ein Luftwaffen-Dreisterner mit Spitznamen “Quattro” ist der Befehlshaber des Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw), Generalleutnant Karlheinz Viereck (Jahrgang 1951), der als unkonventioneller und eher ziviler General und Diplomat gilt. Viereck ist gelernter Jet-Pilot, er ist im BMVg nicht von Freunden und Gönnern umzingelt, käme nur theoretisch in Frage, hat auch schon ein Ticket nach Norfolk/Virginia USA für den 01. Juli 2009 für etwa 2 Jahre ins Headquarters Supreme Allied Commander Transformation (HQ SACT) als Deputy Chief of Staff Transformation (DCOS T), den Posten bekleidet jetzt ein LtGen der US Air Force. Und noch ein guter Drei-Sterner käme in Frage, ist aber Jahrgang 1949, Generalleutnant Wolf-Dieter Löser, unser erster Soldat in Rom als Kommandeur des NATO Defence College vormals Kdr FüAkBw, er hätte das Zeug und den Schneid dazu, ist allerdings aufgrund seiner eher intellektuellen Art bei sonstiger Generalität eine Besonderheit. (Bild unten: Generalität bei der KdrTagung SKB in der OSH Dresden)

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Damit sind wir zurück ins BMVg, weg vom EinsFüKdoBw, von den Kommandeuren des Heeres und von den Außenseitern im Rennen um den GI-Posten zum neuen Einsatzführungsstab der Bundeswehr im BMVg, beim noch relativ frischen Generalmajor Erhard Bühler, einem parteiübergreifend Minister- und GI-nahen Mann, mit dem zu rechnen ist. Die Inspekteure von Heer, Luftwaffe, Marine und Sanitätsdienst der Bundeswehr sowie der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und Inspekteur der Streitkräftebasis sind für die Einsatzbereitschaft ihrer Teilstreitkräfte bzw. ihrer Organisationsbereiche verantwortlich. Darüber hinaus wirken sie mit ihren Stäben bei der Erfüllung ministerieller Aufgaben mit. Der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und Inspekteur der Streitkräftebasis sind ohne eigenen Führungsstab dem Führungsstab der Streitkräfte zugeordnet. Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr ist Luftwaffen-Generalleutnant Johann-G. Dora (Jahrgang 1948). Die derzeitigen TSK-Inspekteure sind ebenfalls zu nah am Dienstzeitende und fallen durch die Faustformel “jünger als Jahrgang 1950″. Generalleutnant Hans-Otto Budde (Jg. 1948), Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Klaus Peter Stieglitz (Jg. 1947), Inspekteur der Luftwaffe und Vizeadmiral Wolfgang Nolting (Jg. 1948), Inspekteur der Marine sowie Generaloberstabsarzt Dr. Kurt-Bernhard Nakath (Jg. 1949), Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr.

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Die, die noch jung genug sind, mischen in der Champions Leaguens mit GI-Befähigung mit, Konteradmiral Manfred Nielson (Jg. 1955) zum Beispiel, Chef des Stabes im Führungsstab der Streitkräfte, der in den nächsten 1,5 Jahren noch den nächsten Admiralsstreifen zum Vizeadmiral bekommen dürfte und einen guten Inspekteur der Marine als Nachfolger von VAdm Wolfgang Nolting abgäbe oder das Streikräftunterstützungskommando befehligen könnte. Konteradmiral Hans-Jochen Witthauer (Jg. 1950), Stellvertretender Inspekteur der Marine, der als COM EUFOR Bosnien-Herzegovina streitkräfteübergereifende Expertise bewiesen hat, die NATO und das BMVg kennt. (Bild unten: KdrTagung Marine, MSM, Flensburg)

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Die deutschen Generale bei der NATO, Viersterne-General Egon Ramms (Jg. 1948) vom Heer als Oberbefehlshaber Allied Joint Force Command Brunssum(JFC)  und Generalleutnant Wolfgang Lather (Jg. 1948) vom Heer, Chef des Stabes bei SHAPE kommen altersbedingt auch nicht mehr in Frage. Heeres-Generalleutnant Karl-Heinz Lather (Jahrgang 1949) mit Kommando über das Allied Land Component Command Heidelberg (ALCC) der NATO ist ebenfalls zu (alt)gedient wie Generalleutnant Jürgen Bornemann (Deutscher Militärischer Vertreter im NATO-Militärausschuss, NATO Military Representatives) genau wie GenLt Wolfgang Korte (Jg. 1949) vom Joint Warfare Centre (JWC) der NATO im norwegischen Stavanger. Jung genug wäre der NATO-Dienstposten Inhaber und Dreisterner, Generalleutnant Volker Wieker (Jg. 1954, Bild unten), Kommandierender General des I. Deutsch-Niederländischen Korps in Münster.

Oder auch der bekanntere Heeres-Generalleutnant Manfred Engelhardt (Jg. 1951), Befehlshaber des Streitkräfteunterstützungskommandos (SKUKdo in Köln-Wahn) im Organisationsbreich Streitkräftebasis (SKB), dem auch Generalleutnant Wolfgang Langheld (Jahrgang 1950), Befehlshaber Kommando Operative Führung Eingreifkräfte in Ulm, angehört. (Bild unten: GI mit GenLt Jürgen Bornemann beim Military Committee in Chiefs of Staff Session with Mediterranean Dialogue, 11/2008, Brüssel)

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Der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung (geb. 05.02.1949), hat im Sommer 2008 entschieden, die Dienstzeit des aktuellen Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, erneut um ein Jahr zu verlängern. Im Juli 2007 hatte der Bundesverteidigungsminister bereits entschieden, die Dienstzeit des Generalinspekteurs um ein Jahr zu verlängern. Planmäßig wäre der Generalinspekteur zum 31. Juli 2008 in den Ruhestand getreten. Nach der erneuten Verlängerung der Dienstzeit wird Wolfgang Schneiderhan mit Ablauf des 31. Juli 2010 in den Ruhestand gehen. Bis dahin oder bis nach der Bundestagswahl im September 2009 mit einer ggf. Neubesetzung des Verteidigungsminister-Postens ist das die Direktive. (Bild unten: BM Jung und GI Schneiderhan in 09/2008 auf Dienstreise im Einsatzland Afghanistan)

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Bundesverteidigungsminister Jung schreib bei der letzten Verlängerung im Sommer 2008: “Ich habe Herrn Schneiderhan gebeten, mir und der Bundesregierung ein weiteres Jahr als oberster deutscher Soldat zur Verfügung zu stehen. Ich schätze Herrn Schneiderhan als stets loyalen und überaus kompetenten Ansprechpartner in allen militärischen Belangen. Mit seiner exzellenten Fachexpertise wird er mir auch in Zukunft ein wertvoller Berater sein.”

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Zu seiner letzten Kommandeurtagung als aktiver Soldat wird General Wolfgang Schneiderhan (Bild oben: der GI bei der 41. KdrTagung am 10./11.03.2008 in Berlin, bwtv-Beiträge) wird die Generalität/Admiralität einladen, sich allmählich verabschieden und wissen, welcher General/Admiral unter den Zuhöreren vor ihm, seinen Posten übernehmen wird, ein General “jünger als Jahrgang 1950″, der bis dahin auch schon wieder 2 Jahre älter sein wird – einer aus dem Old Boys Network eben, aus Erfahrung gut und klug.

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Mit der ersten Generalinspekteurin der Bundeswehr ist dann Mitte des 21. Jahrhunderts zu rechnen – Faustformel: wesentlich “jünger als Jahrgang 2000″ – hoffentlich. Ein sportliches, intelligentes Mädchen, das heute 5 Jahre alt ist und vom Girls Day oder Old Boys Network noch nie gehört hat.

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(Bilder-, Grafikquelle: U.S. Department of Defence, Bundewehr.de, NATO.int)

 
 
 
 
 
 
 
 

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