Deutsche PRT-Patrouille feuert massiv zurück und setzt nach -

Bundeswehr kämpft in Afghanistan
Gestern gegen 13:30 Uhr MESZ begann etwa 5 Kilometer westlich der Stadt Kunduz in Nordafghanistan im territorialen Bereich des von Deutschland als Lead Nation geführten ISAF Regional Command North (RC-N mit 5 PRT´s, kommandiert vom deutschen Brigadegeneral Jörg Vollmer) beim Beschuss einer deutschen Patrouille aus dem Feldlagers des Regionalen Wiederaufbauteams (Provincial Reconstruction Team, PRT) Kunduz mit
Handfeuerwaffen und RPG-Panzerfäusten durch Taliban-Kräfte ein mehrstündiges Feuergefecht zwischen Taliban als Angreifer und zurück schiessenden deutschen Bundeswehrsoldaten. Die Bundeswehrsoldaten erwiderten das Feuer aus Maschinengewehren sowie Handwaffen und zwangen die Angreifer dadurch zum Ausweichen. Die Verfolgung der Angreifer wurde anschließend aufgenommen.
Zeitgleich wurden durch das Regionale Wiederaufbauteam (PRT) Kunduz die Afghan National Security Forces (ANSF) zur Unterstützung angefordert und deutsche Verstärkungskräfte eingesetzt. Zusätzlich wurde Luftnahunterstützung angefordert. Diese setzte im Rahmen der Force Escalation zu einem späteren Zeitpunkt Flares ein.
Gegen 15.56 Uhr MESZ erfolgte ein erneuter Beschuss der Patrouille mit RPG (Panzerabwehrwaffen russischer Bauart) aus unbekannter Richtung. Im Anschluss entwickelte sich ein mehrstündiges Gefecht bis in die Morgenstunden des heutigen Freitag, in dessen Verlauf mindestens vier Aufständische getötet, vier weitere verwundet und vier gefangen genommen wurden. Es kann gut sein, dass die für den Tod des deutschen Hauptgefreiten Sergej Motz am 29. April verantwortlichen Täter dabei sind, modus operandi und Wirkungskreis sprechen dafür. Darüber hinaus konnten mehrere Motorräder und Handfeuerwaffen durch die afghanischen Sicherheitskräfte beschlagnahmt werden. Auf deutscher Seite gab es keine Ausfälle. Bei dem Angriff wurde allerdings ein Polizist der ANP verwundet. Der Gegenseite wurde auschließlich durch die Afghan National Army Verluste zugefügt. Der Sprecher des BMVg war bemüht darauf hinzuweisen, dass es afghanische Sicherheitskräfte waren die vier Angreifer final ausgeschaltet und vier weitere verwundet haben. Die Bundeswehr im ISAF-Einsatz hat nämlich entgegen der Vernunft und wider der militärischen Erfordernis weder das Mandat noch die RoE´s für ein Verfolgen, Nachsetzen und Weiterbekämpfen, lediglich ein gegenwärtiger Angriff darf abgewehrt werden. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen bzw. internationalen und afghanischen Sicherheitskräften habe gut funktioniert, unterstrich der BMVg-Sprecher Raabe.
Deutsche Bundeswehr-Soldaten sind weder verwundet worden noch entstand ein Materialschaden an den Bw-Fahrzeugen. In Berlin verwies das BMVg darauf, dass jedem Angreifern klar werden muss, dass Angriffe auf deutsche oder alliierte ISAF-Soldaten mit aller Macht und Feuerkraft abgewehrt und die Täter verfolgt werden, wie am gestrigen Beispiel bei der Festnahme eines Taliban-Führers im Raum Feyzabad verdeutlicht wurde.
Die Angriffe kommen nicht aus heiterem Himmel, nachrichtendienstliche Erkenntnisse sprechen von einer erwarteten Offensive der Taliban-Kräfte, die in dreistelliger Stärke aus Pakistan, Tadschikistan und Usbekistan nach Afghanistan eingesickert sind und die internationalen Truppe verstärkt angreifen. Auch im “von Deutschland geführten” Norden Afghanistan nicht mehr ausschließlich mit Terroranschlägen durch Selbstmordattentäter oder Sprengfallen, sondern mit Guerilla-Taktik aus dem Hinterhalt per Feuerüberfall, durch Heckenschützen und mit Feuergefechten mittels Maschinengewehr-Kreuzfeuer und panzerbrechenden Waffen.

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Der Gegner
Die Taliban-Gruppen sind kleine, selbstständig operierende Kampfeinheiten, die “nadelstichartige” militärische Operationen durchführen, die den militärtechnologisch und Stärke-mäßig überlegenen Gegner bekämpfen. Kennzeichen der Taliban-Kräfte ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit bzw. der Unterscheidungs-Möglichkeit zur normalen Bevölkerung sowie der maximalen Opferbereitschaft bishin zum Einsatz des eigenen Körpers als Sprengsatz.
Taliban-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen, deren Erfolg ist davon abhängig, ob es ihnen gelingt die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort und zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Konfrontation mit den regulären ISAF-Truppen stattfindet – der Gejagte wird zum Jäger. Die Taliban operiert meist aus den Bergen heraus, welche ein optimales Rückzugsgebiet bilden. Dies gilt in Afghanistan umso mehr, da der Rückzugsraum nicht nur das unwegsame, zerklüfftetes Gebirge ist, sondern sogar andere nationale Territorien wie z.B. bislang noch Pakistan zur Verfügung stehen als Flucht-, Ruhe-, Ausbildungs- und Nachschub-Raum. Die Taliban sind auf die Unterstützung der afghanischen Bevölkerung angewiesen, die sie aus Angst um Leib und Leben oder Religions- und Stammes-Solidarität mit Unterkunft, Nahrungsmitteln und Informationen versorgt.
Bundeswehr in Afghanistan im Krieg?
Die asymmetrische Bedrohung durch Al Qaidia international oder durch die Taliban in Afghanistan und Pakistan und Usbekistan mit Bedrohungs-Szenario für Deutschland ist eine Dimension der so genannten Neuen Kriege. Auch wenn die sich entwickelnden und den Realitäten sich anpassenden, nacheilenden Begrifflichkeiten des Völkerrechts de jure die Auseinandersetzung noch nicht als Krieg definieren, ist die Bundeswehr nach der Definition der Neuen Kriege in Afghanistan im Krieg. Da auch die Soldaten selbst zum Ausdruck bringen, “wir sind hier im Krieg”, kann durchaus von einer Bundeswehr in Afghanistan im Krieg gesprochen werden, auch wenn das offizielle Eingeständnis, wie beim Begriff “Gefallene”, noch auf sich warten läßt.
Weitere erste Details beim PHOENIX-Afghanistan-Blog von Boris Barschow
(Bild-, Kartenquelle: NATO.ISAF.int; Bundeswehr.de)