Wehrpflichtige warnen vor Experimenten an der allgemeinen Wehrpflicht

von Dirk ~ 7. Mai 2009. Zu lesen unter: Verteidigungspolitik, Wehrpflicht/Freiwilligenarmee.

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Gegen die allgemeine Tendenz in der Politik an den Stellschrauben der Wehrpflicht hinsichtlich Dauer und Freiwilligkeit zu stellen, sprechen sich die Teilnehmer einer Tagung mit Grundwehrdienstleistenden des Deutschen BundeswehrVerbandes aus, teilt der Landesvorsitzende Ost des Verbandes, Hauptmann Uwe Köpsel, am Rande der Tagung mit.

“Die über 30 Soldaten bringen ihre gesamte Erfahrung und Erlebnisse Ihrer Dienstzeit in die Tagung ein”, betont der Vertreter der Grundwehrdienst-leistenden im Bundesvorstand des DBwV, Obergefreiter d.R. Tobias Schmelzer und unterstreicht damit die Sachkenntnis der Teilnehmer.

Die Wehrpflichtigen betonen ausdrücklich, an der Wehrpflicht festhalten zu wollen. Darüberhinaus sprechen sie sich gegen eine weitere Verkürzung der Wehrdienstdauer aus und vertreten die Auffassung, dass der jetzt neun Monate dauernde Grundwehrdienst schon sehr knapp bemessen sei.

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“Großes Unverständnis äußern die jungen Staatsbürger in Uniform über das vorherrschende gesellschaftliche Desinteresse an ihrem Dienst”, beschreibt Köpsel die Stimmung in dem Wehrpflichtigenforum. “Sie leisten sehr selbstbewusst und mit großem Engagement ihren Dienst und verstehen überhaupt nicht, dass sie in ihrem gesellschaftlichen Umfeld, z.B. im Freundeskreis, ihre Bereitsschaft den Grundwehrdienst abzuleisten begründen und oftmals sogar rechtfertigen müssen”, ergänzt er und fügt an, dass die jungen Soldaten hier auf mehr Rückhalt und Unterstützung durch Politiker setzen.

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“Meine Erfahrung ist, dass die Wehrpflichtigen ihren Dienst als wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und das Land empfinden, daraus leiten sie aber auch ab, anständig während ihres im Grundgesetz verankerten Dienstes behandelt zu werden”, beschreibt der zuständige Vertreter der Grund-wehrdienstleistenden im Landesverband Ost, Obergefreiter Daniel Austen, seine gewonnen Eindrücke aus der Tagung.
Dabei ist die Mängelliste nicht unerheblich und die Forderungen die daraus abgeleitet werden nur allzu verständlich. Unter anderem fordern die Wehrpflichtigen zur Erhöhung der Akzeptanz des Wehrdienstes nicht nur einen angemessenen und den Lebenshaltungskosten angepassten Wehrsold, sondern darüber hinaus die Einhaltung einfachster Unterkunftsstandards. “Es kann nicht sein, dass wir keinerlei Privatsphäre in den Unterkünften haben und mitunter sehr beengt unter mangelnden hygienischen Verhältnissen untergebracht sind”, beschreibt ein 23-jähriger Hauptgefreiter die Unterkunftssituation in ihm bekannten Kasernen. Ein anderer junger Wehrpflichtiger merkt dazu an, dass die Unterbringung in modernen Justizvollzugsanstalten zeitgemäßer sei, als die Unterbringung von Soldaten.

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Teilweise als unzureichend eingestufte ärztliche Behandlung von Truppenärzten und Unzulänglichkeiten im Musterungsverfahren bei den Kreiswehrersatzämtern waren weitere Punkte der Mängelliste. Diese Unzulänglichkeiten führen die Soldaten auf zuwenig vorhandenes Personal im Sanitätsdienst der Bundeswehr und die Schließung von Kreiswehrersatz-ämtern mit entsprechendem Personalabbau zurück. Die Teilnehmer der Veranstaltung tragen ihre Erfahrungen Mitte Juni nach Berlin, um sie im sog. “Parlament der Wehrpflichtigen”, einer seit über 30 Jahren jährlich wiederkehrenden Veranstaltung des BundeswehrVerbandes, mit Verteidigungspolitikern, dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages und dem Generalinspekteur der Bundeswehr zu diskutieren.

Die Soldaten der Veranstaltung, die in Markranstädt stattfand, kommen aus verschiedensten Verwendungen bw-dbwv-logo1aus allen Teilstreitkräften und von unterschiedlichen Standorten in den neuen Bundesländern. Der Deutsche BundeswehrVerband ist die Interessenvertretung der deutschen Soldaten mit über 210.000 Mitgliedern. Der Landesverband Ost ist zuständig für die Wahrnehmung der Interessen von über 30.000 im Verband organisierten Mitgliedern aus den neuen Bundesländern.

(Text und Grafik wurden Soldatenglück.de vom Deutschen Bundeswehr-Verband zur Verfügung gestellt, DBwV.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de; Y. Magazin der Bundeswehr.de; aus dem Artikel Auf den Putz hauen – Jahrelang brachte die Bundeswehr ihre neuen Liegenschaften im Osten auf Vordermann. Die Folge: Reparatur-Stau in den West-Kasernen)

Mehr über die Arbeit des Deutschen BundeswehrVerbandes bei www.dbw.de oder im Mgazin des DBwV Die Bundeswehr.

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