Henning Mankell erhält Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2009 der Stadt Osnabrück für sein Afrika-Werk
von Dirk ~ 7. April 2009. Zu lesen unter: Afrika, Soldatenglück Kultur, Weltregionen.Soldatenglück Kultur
Seit 1991 verleiht die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre den nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannten Friedenspreis. In diesem Jahr wird die Auszeichnung zum zehnten Mal vergeben.
Den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis
erhält der 1948 in Stockholm geborene schwedische Theaterregisseur und Schriftsteller Henning Mankell (rechts im Bild) für sein Afrika-Werk.
Der 1971 in Thun geborene Schweizer Dramatiker und Autor Lukas Bärfuss erhält den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis für sein Afrika-Buch “Hundert Tage”. Beide Preisträger verbindet eine ausdrucksstarke engagierte literarische Auseinandersetzung mit den Konflikten des Kontinents Afrika vor dem Hintergrund von Kolonialismus und Neokolonialismus.
Die Preisverleihung findet am Freitag, 18. September, um 11 Uhr, im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück statt.
Henning Mankells (Biografie) Verbindung zu Afrika entstand schon 1972,
als er zum ersten Mal nach Sambia reiste. 1986 übernahm er die Leitung des Teatro Avenida in Maputo/Mosambik, wo er bis heute mehr als die Hälfte des Jahres verbringt. Seitdem ist Afrika die zweite Heimat des schwedischen Autors. Sein Leben und Engagement vor Ort inspirierte ihn zu seinem variationsreichen Afrika-Werk, das dem Werk Erich-Maria Remarques auf eindrucksvolle Weise entspricht. Hervorzuheben aus seinen vielen mit Afrika befassten Büchern sind “Der Chronist der Winde” und “Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt”, vor allen aber “Die flüsternden Seelen” – ein historisches und zugleich poetisches Werk, das weltliterarischen Rang hat.
(TV-Tipp: Eine 2-teilige Dokumentation “Mein Herz schlägt in Afrika” über Henning Mankell und Afrika wird am 28. April und 5. Mai um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.)
Sonderpreis für Lukas Bärfuss
Lukas Bärfuss gehört zu den erfolgreichsten Dramatikern der letzten Jahre.
Seine Stücke werden weltweit gespielt. Mit “Hundert Tage” hat er seinen ersten Roman vorgelegt, der auf großes öffentliches Interesse gestoßen ist. Erzählt wird die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman über den Bürgerkrieg in Ruanda thematisiert ein dunkles Kapitel der Geschichte Afrikas, in das Europa tief verstrickt ist. “Hundert Tage”, ein minutiös recherchierter Roman der Extreme, offenbart das Drama der Schweizer Entwicklungshilfe in Ruanda, als 1994 der Völkermord begann.
Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wird im Sinne seines Namensgebers für belletristische, journalistische oder wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die sich mit Themen des inneren und äußeren Friedens auseinandersetzen, und für beispielhaftes Engagement für Frieden, Humanität und die Freiheit des Menschen von Unterdrückung.
Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Claus Rollinger, Präsident der Universität Osnabrück, gehören der Jury Prof. Heinz Ludwig Arnold, Prof. Dr. Hans Mommsen, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Dr. Hubert Winkels sowie Prof. Dr. Tilman Westphalen als Vertreter der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft und als Vertreter der Stadt Osnabrück Oberbürgermeister Boris Pistorius, Jutta Sauer, Leiterin des Literaturbüros Westniedersachsen, und der städtische Pressesprecher Dr. Sven Jürgensen an.
Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wurde bisher vergeben an Lew Kopelew (1991), Hans Magnus Enzensberger (1993), Uri Avnery (1995), Ludvik Vaculik (1997), Huschang Golschiri (1999), Swetlana Alexijewitsch (2001), Prof. Dr. Dan Bar-On und Mahmud Darwisch (gleichrangig 2003), Leoluca Orlando (2005) und Prof. Dr. Tony Judt (2007).
Sonderpreise erhielten Anja Lundholm (1991), Dörte von Westernhagen (1993), Miljenko Jergovic (1995), die Gemeinsame deutsch-tschechische Historikerkommission (1997), das Gründungskomitee des Verbandes iranischer Schriftsteller (1999), die Internationale Gesellschaft für historische Aufklärung, Menschenrechte und soziale Fürsorge MEMORIAL (2001), Juri Andruchowytsch (2005) und Grigori Pasko (2007).
Hintergrund:
Frieden als Aufgabe
Nach 30 Jahren Krieg, Verwüstung, Plünderung, Mord und Vertreibung in der Mitte Europas
wurde 1648 von der Rathaustreppe in Osnabrück der Westfälische Friede verkündet. Dies war ein historischer Wendepunkt in der Geschichte Europas.
Der Vertrag des Westfälischen Friedens, den die europäischen Mächte in Osnabrück und Münster fünf Jahre lang ausgehandelt haben, beendete nicht nur einen langjährigen Krieg, sondern entwickelte eine ganz neue Idee: den europäischen Gedanken.
Durch diese Vereinbarung eines ersten Völkerrechts wurde ein übergeordnetes Recht geschaffen, dem sich alle bestehenden Gesetze, Privilegien, Beschlüsse und päpstlichen Verfügungen unterzuordnen hatten.
Das Prinzip der religiösen und politischen Vielfalt wurde im Sinne des heutigen Europas entwickelt und durchgesetzt. Angestrebt wurde eine generelle Friedensordnung für einen blühenden Handel und kulturellen Austausch in ganz Europa.
Die Hoffnung auf Frieden, wie sie im Friedensvertrag des “Instrumentum pacis Osnabrugense” formuliert wurde, wurde zum Modell für alle nachfolgenden Konferenzen über Frieden, Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Der Friedensschluss von 1648 im Osnabrücker Rathaus ist das herausragende Ereignis der Stadtgeschichte, mit dem sich Osnabrück noch heute als Friedensstadt identifiziert. Die Stadt versteht dieses historische Vermächtnis als Auftrag, sich friedenspolitisch zu engagieren, sowohl nach außen als auch innerhalb der Stadtgesellschaft.
1998 feierten die Städte Osnabrück und Münster das 350-jährige Jubiläum des Westfälischen Friedensschlusses von 1648, an dem sich alle gesellschaftlichen Gruppen der Stadt mit einem umfassenden Jahresprogramm beteiligten.
(Textauszüge, Grafikquelle: Stadt Osnabrück.de;
Grafikquelle: Wallstein Verlag.de, dtv-Verlag – Mankell.de)






















