Truppenbesuch der Bundeskanzlerin in Afghanistan: Hat die Bild-Zeitung die Kanzlerin, den Verteidigungsminister und die Soldaten gefährdet?
von Dirk ~ 6. April 2009. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF, NATO-Missionen, Video.Code Red für die ‘Bild’
Die Truppenbesuchs-Reise direkt nach dem NATO-Gipfel, der eine neue Weichenstellung für die Afghanistan-Strategie zum Ergebnis hatte, war aus Sicherheitsgründen streng geheim, nur Bundeskanzleramt, BMVg, Einsatzführungskommando und die militärischen deutschen Spitzen im ISAF Regional Command North waren eingeweiht und ausgwählte Medien-Vertreter durften mit. Alle wurden vergattert, den Mund zu halten und erst ab Eintreffen im Einsatzgebiet zu berichten.
Um 09:30 Uhr kam der robust geschützte Tross der Bundeskanzlerin Angela Merkel plus Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung und Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sowie Personenschützer im Feldlager beim PRT Kunduz in Nordafghanistan an. 2 Stunden blieben sie bis 11:30 Uhr, um dann per Hubschrauber weiter nach Mazar-e-Sharif zu reisen. Knapp 20 Minuten später gegen 11.50 Uhr schlugen zwei Raketen – abgefeuert von der Taliban Richtung Feldlager und Feld-Fliegerhorst – westlich des Camps ein. Die Taliban waren schnell und haben den Vorgang als Ihren angeblich anlassbezogenen Angriff auf die deutsche Regierungschefin sofort gegenüber deutschen Medien deklariert. In bewährter Manier rief der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed in der Hamburger SPIEGEL-Redaktion an und meldete: Gezielte Taliban-Attacke auf Angela Merkel, man habe vorher von dem Besuch gewusst.
Das Umland des Feldlagers Kunduz ist nicht sicher, Tag und Nacht können aus dem Gelände im Radius des Camps Raketen abgefeuert werden (Beispiel-Video unten), die ungenau aber dennoch todgefährlich im oder um das Feldlager herum einschlagen. Das ist nicht neu und schon oft passiert, eine Rakete schlug z.B. im Speisesaal der Feldlagerküche ein, in diesem Jahr ereigneten sich bereits neun Raketenangriffe, zuletzt gestern, Soldatenglück.de berichete darüber. Acht deutsche Soldaten verloren in der Region Kunduz ihr Leben, das alles dürfte der Bild-Zeitung nicht entgangen sein.
Darum ist verwunderlich, warum die ‘Bild’ in ihrer Montags-Ausgabe, die in der Nacht gedruckt und ausgeliefert wird, vorab über die Überraschungs-Visite als Blitz-Reise der deutschen Kanzlerin plus Verteidigungminister Jung nach Afghanistan berichtete, der ‘Bild’-Redaktions-Artikel war gekennzeichnet mit dem Kürzel “nik”, der Zeitunterschied zwischen Kabul (+2) und Berlin beträgt 2 Stunden. 8 Journalisten waren mit bei der Überraschungsreise nach Afghanistan über Usbekistan, seitens des Axel-Springer-Verlages war bei den begleitenden Journalisten der mit dem Theodor-Wolff-Preis 2007 ausgezeichnete seinerzeit noch Stellvertretende Chefredakteur von DIE WELT, Nikolaus Blome, der heute bei der Bild tätig ist. Die ‘Bild’-Vorab-Veröffentlichung der Bundeskanzler/Verteidigungsminister-Überraschungs-Visite in der heutigen Montagsausgabe kann dem Mann nicht – oder doch – Recht gewesen sein, denn er trägt wie die anderen eine Schutzweste aus Bundeswehr-Beständen und hat wohl auch die Hose voll vor Furcht vor den Taliban.
Sonst gibt sich die ‘Bild’ patriotisch und loyal, doch in Wirklichkeit geht es um Auflage um jeden Preis; Exklusiv-Bilder eines Raketenangriffes oder Anschlages während des Kanzlerin-Besuchs, getroffene deutsche Regierungsvertreter und Soldaten oder von deren beschossenen Konvoi wären um die Welt gegangen und ‘Bild’ würde wie immer, zuerst die Toten interviewen.
Die Verräter von der Bild-Zeitung soll, um es mal mit Bild-lichen Worten zu sagen, “der Blitz beim Schei… treffen”.
(Bildquelle: BMVg.de)
























6. April 2009 um 16:21 Uhr
[...] berichtet heute Soldatenglück.de. Mich wunderte heute früh auch schon, dass Merkels heutiger Besuch schon am Morgen in der [...]
13. April 2009 um 12:40 Uhr
Nur ein ergänzender Hinweis: das Kürzel – nik- wird von Blome in der BILD-Zeitung wie zuvor schon in der WELT selbst verwendet. Das heißt, er selbst hat auf den Besuch der Kanzlerin hingewiesen. Damit hat er die Soldatenm, die Kanzlerin und deren Delegation in Lebensgefahr gebracht. Folgen wird das für ihn nicht haben. Solange Politiker sich bei BILD regelrecht prostituieren, um in die Zeitung zu kommen, werden ausgerechnet dieselben Politiker nicht egen BILD vorgehen und das Blatt von Journalisten-Reisen oder von Hintergrund-Gesprächen ausschließen. Traurig, abber wahr.
13. April 2009 um 13:47 Uhr
@Xaver – Danke für die informative Ergänzung!
14. April 2009 um 11:31 Uhr
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