1. BND-Resident an Deutscher Botschaft Pristina/Kosovo und ein offizieller Mitarbeiter wegen Spionage-Verdacht inhaftiert, Hintergründe – Dame, König, As, Spion

von Dirk ~ 22. März 2009. Zu lesen unter: MilNWBw BND MAD.

Der Spion, der die Kälte nicht ertragen konnte
und den der Dienstherr erfrieren ließ

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1. Teil der Reportage: “Ein guter Soldat”, “Der Spion, der aus der Kälte kam”, “Dame, König, As, Spion”, “Eine Art Held”, “Absolute Freunde” und “Der heimliche Gefährte” sowie zuletzt “Marionetten” – John le Carre (Bild links) bw-john-le-carrehat mit seinen Erfolgs- und Bestseller-Titeln zum Fall des Bundesnachrichtendienst-Agenten Anton K. (Bild oben ©) eigentlich schon alles gesagt. Le Carre war selbst in den 60er Jahren Agent des Britischen Auslandsgeheimdienstes Secret Intelligence Service (SIS), nachdem er seinen Wehrdienst beim Nachrichtendienst in Wien abgeleistet hatte, trat er 1959 in den Auswärtigen Dienst  seines Landes ein und war von 1960 an drei Jahre lang Zweiter Sekretär an der Britischen Botschaft in Bonn. Dann war er kurze Zeit britischer Vizekonsul in Hamburg, bevor er den Diplomatischen Dienst quittierte um gänzlich Schriftsteller zu werden, heute gilt er als Meister der Spionagegeschichten mit bisher 22 veröffentlichetn Romanen, von denen zahlreiche verfilmt wurden.

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Beim derzeit inhaftierten Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) Anton K. (42) war das nicht ganz so very british und am Ende auch kein Roman, dafür eher typisch deutsch und kalte Realität, Nicht Wien, Bonn und Hamburg waren die Einsatzgebiete, sondern Albanien, Mazedonien und der Kosovo als BND-Resident an der Deutschen Botschaft Pristina (Bild oben ©). Um es vorweg zu nehmen, Hauptmann Anton K. war ein guter Kamerad, daran ändert auch ein Haftbefehl des Generalbundesanwaltes (GBA) beim Bundesgerichtshof (BGH) auf rosa Papier nichts.

Ein guter Soldat war Anton Robert K. auch, nach 12 Jahren Dienstzeit als Soldat auf Zeit (SaZ 12) verließ der aus Süddeutschland (AA) stammende Ehemann und Vater von mehreren Kindern mit dem Dienstgrad Hauptmann bw-hauptmann-infanteriedie Bundeswehr, zuletzt hat er als Offizier des Heeres, der wie so oft mitsamt Familie mehrfach von Standort zu Standort versetzt wurde, in Hammelburg an der Infanterieschule bei der Truppe Dienst getan, bevor er in den letzten Bundeswehr-Dienstjahren zum Amt für Militärkunde (AMK) im Dienstbereich des Bundesnachrichtendienstes (BND) versetzt und vom Dienstherrn mit Militärischen Nachichtenwesen beschäftigt wurde. Dabei zeichnete der Hauptmann K. sich aus und sein weiterer Weg sich ab. Nach Ableistung der 12 Jahre Verpflichtungszeit bei der Bundeswehr wechselte er zum Bundesnachrichtendienst über, der ihn haben wollte, und tat das, was er nachweislich am besten konnte, Aufklärung und Nachrichtenwesen – Spionage, wie es in Romanen heißt.

Der Spion, der aus der Kälte kam. Als Bundeswehr-Offizier des AMK (Wappen rechts) hat Antonbw-amk hat sich in Flecktarn-Uniform mit seinem Team-Kameraden, einem Feldwebel-Dienstgrad, vom KFOR HQ Pristina (German National Intelligence Cell, GENIC) u.a. mit HUMINT-Aufgaben (Human Intelligence) befasst mit dem WOLF auf den Weg gemacht, um den Kosovo und seine Organisierte Kriminalitäts-Ströme seine Nachbarregionen Albanien und Mazedonien Kosovo zu durchleuchten. Vom gefährlichsten Gebirgs-Schmugglerpfad in den Grenzregionen bis zur finstersten Ganoven-Spelunke war ihm kein Weg zu steil und kein Ort zu dunkel . Tausende von Gesprächen, Ermittlungen vor Ort, Querverweisen, Hintergrundrecherchen machten Hauptmann Anton K. zu einem gefragten Experten und Kenner der OK-Strukturen für den Diensteherrn Bundesrepublik Deutschland, der lokale parteipolitische Abhängigkeiten und Zusammenhänge mit den Personen dahinter sowie religiöse Strömungen und Clanverbindungen des Westlichen Balkan aufzeigte und in seiner regionalen Zuständigkeit durchdrang und in in diese eindrang.
In der gleichen Zeitphase waren im März 2004 die Kosovo-Unruhen, bei denen Tausende von Kosovo-Albanern an verschiedenen Stellen des Kosovo aus dem Dunkeln und dennoch gut organisiert die ethnische Minderheit Kosovo-Seben angriffen und deren Häuser und religiösen Stätten in Brand setzten. Die Kosovo Force (KFOR) unter Befehl des deutschen COM KFOR Generalleutnant Holger Kammerhoff schnitt schlecht ab, Defensive bis zur Feigheit vor dem Mob waren die befohlene Strategie des Einigels der zigtausend NATO-Soldaten in den Feldlagern. Als dann viel zu spät KFOR-Soldaten und deutsche DINGO´s auf den Straßen und Plätzen Präsenz zeigten, waren der Spuk vorbei und die Klöster niedergebrannt und die menschlichen Opfer tot. Das Versagen lag neben der zaudernden Zurückhaltung der von Deutschland gestellten militärischen Führung auch an einer bis dahin ausgedünnten und vernachlässigten Nachrichtendienstlichen Informationsgewinnung. Als eine folgerichtige Konsequenz daraus wurde die deutsche Aufklärungsarbeit des AMK und BND in Pristina und Prizren seitdem auf ein besseres Fundament gestellt. Im Zuge dessen wurde am damaligen Deutschen Verbindungsbüro Kosovo, heute nach der Unabhängigkeitserklärung Kosovo am 17. Februar 2008, Deutsche Botschaft Kosovo, längst überfällig eine neue Bundesnachrichtendienst-Residentur aufgebaut. Eine Nachrichtengewinnung als Resident mit Diplomatenpass in zivil begann für Anton K. , neue Quellen wurden angeworben, Operationen mit befreundeten Nachrichtendiensten liefen weiter und ander neu an, Analysen und Berichte fanden den chiffrierten Weg in die BND-Zentrale in die Abteilung Auswertung bis ins Bundeskanzleramt in die Lage, ein besonders prägnanter Bericht, ein BND-Dossier über die OK-Verstrickung der kosovarischen politischen Spitze fand sogar den Weg in die Öffentlichkeit.

Dame, König, As, Spion

Im Juni 2007 wurde das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (ZNBw) in Grafschaft/Gelsdorf bei Bonn aufgelöst, etwa 280 militärische Dienstposten gingen an den Bundesnachrichtendienst, wo sich die Zahl der Soldaten damit um rund 50 % Prozent erhöhte, die besondere Liegenschaft mit Hightech-Bunker und Lagezentrum in Gelsdorf und den Bw-Aufgabenteil übernahm das Kommando Strategische Aufklärung (KdoStratAufkl). Ein Umbruch war im Gange, der eine Umstrukturierung des deutschen Auslandsnachrichtendienstes folgte. Die 860 militärischen Planstellen beim BND mt über 6.000 Bediensteten werden weiterhin vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) personalbesetzt und haushalterisch bewirtschaftet, der militärische Anteil und Einfluss im zivilen Nachrichtendienst wird dadurch den Erfordernissen der nachrichtendienstlichen Aufklärung in den Einsatzländern der Bundeswehr gerechter, einer der Vizepräsidenten des BND ist üblicherweise ein Militär, derzeit Generalmajor Armin Hasenpusch.
In dieser Großwetterlage hatte Anton K. sein Gefechtlage in Europas letztem Nachkriegsland, was zu den ärmsten der Welt zählt, (Bild unten ©: Straßenszene in Pristina, Stadtbus mit KFOR-Force Protection PR),

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wo mehrere Nationen und Weltmächte ihre Interessen definieren, Vereinte Nationen und Europäische Union sich auf die Füße traten, hunderte NGO´s ihr Auskommen haben, die Organisierte Kriminalität alle Gesellschaftsschichten unterwandert hat, wo die 2,1 Millionen multiethnischen Kosovaren (88 % KOS-Albaner) auf einer Fläche von 10.887 qm und in 33 Municipalities ein internationales Laboratorium für Streitkräfte aus 34 Nationen mit rund 17.000 Soldaten, Geheimdiensten aller Colour, einfachen Kriminellen bis Interpol gesuchten Mörder, internationalen Polizisten, Balkan-Mafi-Größen mit Regierungsämtern, Agenten, Spionen und gekaufte Spitzeln bieten. “Anton gegen den Rest der Welt” und er war gut darin, ein As, viele operative Vorgänge von nachrichtendienstlich erheblichem Wert setzte Anton um, ob Zigaretten- und Alkohol-Schmuggel, Menschen- und Organhandel, Terrorismus, Drogen- und Waffengeschäfte oder Geldwäsche, doch der Job erzeugte 24 Stunden Adrenalin.

Eine Art Held, das Eintauchen in die Untiefen des Millieus und in die Parallelwelt des Nachkriegslandes Kosovo sowie Albaniens und Mazedoniens, um an Informationen, Verbindungen, Zugang und Akteure zu kommen, bedurfte immer wieder neuen herausragenden Mutes, das anstrengende Auftauchen Power-Energie. In der Szene wird geraucht, getrunken, ja gesoffen und gekokst, Bordelle, Bars, Restaurants, Kneipen-Hinterzimmer, ganze Landstriche inklusive der lokalen Behörden unter OK-Kontrolle sind das Spielfeld auf dem Balkan, die Spielregeln heißen, gib Du mir was, dann geb ich Dir was.

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Gesetze sind nichts wert, rechtsfreie Räume die Normalität und die letzte Instanz ist die AK47, erst in der Vorwoche wurde in einem Randbezirk Pristinas ein Kosovare tot aufgefunden, “abgeknipst” und abgelegt, niemand hat etwas gehört, keiner etwas gesehen. Anton hatte als Soldat die Haare militärisch kurz und trug Bart, nachdem er aus der Bundeswehr ausschied und Beamter des Bundesnachrichtendienstes wurde, war seine Tarnuniform Zivil, er ließ die Haare schulterlang wachsen, nahm den Bart ab und tat ganz unformell, man hätte meinen können, ein Animateur des Robinson Club im Dienste TUI´s ist unterwegs zum nächsten Touri-Event, mit heraushängendem Hemd, Sonnenbrille und Flip-Flop Badesandalen an den Füßen, lockerer Gang, gebräunter-sportlicher Body, immer einen Spruch auf den Lippen, jovial im Umgang mit jedem, doch dabei entging ihm nichts, das war sein Erfolgsrezept. Der Dienstherr war zufrieden trotz unkoventionellen Auftretens. Denn kein anderer der Karriere-BND´ler des höheren Dienstes wollte in den Kosovo, auch sein Nachfolger Christan W. ist ein altgedienter Oberamtsrat (A13g) auf seinem letzten Posten vor dem Ruhestand, Anton kannte die Region und zuhause in Deutschland wartete außer familiärer Probleme nichts auf ihn. Anton hatte aber verschiedene Probleme auch im Einsatzland, von denen sein Dienstherr wußte, er war im Kosovo eingesetzt als Bundeswehr-Soldat im KFOR-Einsatz mit seinem Namen Anton K., er und alle anderen durften aus rechtlichen Gründen nicht mt ziviler Tarnung oder unter Decknamen agieren, auf seinen neuen Posten als BND-Resident widerum konnte er nachdem er im Kosovo schon bekannt war, nicht mit einem völlig anderen Deck-Namen auftauchen, also Fortführung unter Klarnamen mit noch höherer psychischer Belastung. Das zweite Poblem Antons, er wurde bw-merkel-dr-angela1bereits im Sommer 2005 als BND-Resident an der Deutschen Botschaft Pristina geoutet. Als Dr. Angela Merkel (Bild rechts ©) noch im Mandat als CDU/CSU-Bundestagsfraktions-Vorsitzende und designierte Kanzler-Kandidatin im Juli 2005 im Vorwahlkampf einen Schnelldurchlauf-Truppenbesuch mit vielen Pressebildern für die Heimat-Wählerstimmen arrangieren liess und die Soldaten in Prizren als Statisten nutzte, begrüßte sie beim zweiten Programmteil in Pristina die für sie zusammen gekommenen Deutschen inklusive zivilem Personal bei den verschiedenen Internationalen Organisationen im Kosovo leutselig und den anwesenden Mitarbeiter des Deutschen Verbindungsbüros Kosovo (heute Deutsche Botschaft Pristina), der BND-Resident Anton K. vor “versammelter Mannschaft” öffentlich und sinngemäß mit den Worten: “Und Sie sind also unser Mann aus Pullach” – der, den Generalbundesanwältin Monika Harms am 17. März 2009 verhaften ließ. Soldatenglück.de berichtet darüber. In Pristina und darüber hinaus sprach sich der wahre Auftrag von Anton K. im Kosovo schnell herum, er war Agent des Bundesnachrichtendienstes und Resident am Deutschen Verbindungsbüro Kosovo, heute Deutsche Botschaft Pristina.

Reportage-Fortsetzung zum BND-Spionagefall im Kosovo mit den Kapiteln “Absolute Freunde”, “Der heimliche Gefährte” und “Marionetten” folgt

(Bilderquelle: Copyright ©, Dirk Hamel, Soldatenglüeck.de;
Grafiken: Bundeswehr.de;
Bildquelle: John le Carre.com)

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