Heißes Afrika, schwüle Karibik und kalter russischer Winter

Das Staatsoberhaupt der Islamisch-Sozialistischen Republik Libyen, Oberst Muammar Abu Minyar al-Gaddafi, selbst ernannter libyscher Revolutionsführer des heißen Wüstenstaates mit Bodenschätzen wurde beim 12th African Union Summit zum Präsidenten der
Afrikanischen Union (AU) mit 53 Mitgliedstaaten auf dem afrikanischen Kontinent gewählt. Die Regierung in Tripolis sperrt noch immer Menschen ein, die Gaddafi (Bild rechts) kritisieren, Hunderte seien “verschwunden”, so der Reed Brody von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Gestern ging das AU-Treffen zu Ende. Die anwesenden Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union (AU) haben dabei Libyens Staatschef Gaddafi für ein Jahr zum Präsidenten der AU gewählt. Das Reglement der AU sah vor, dass diesmal ein nordafrikanischer Staatschef den Vorsitz der Organisation übernehmen muss, Gaddafi war der einzige Anwesende aus dieser Region. Er ist nun der Nachfolger von Tansanias Präsident Jakaya Kiwete. Die Africa Union hat sein Headquarters in der dritthöchst gelegene Hauptstadt Addis Abeba (2.200-3.00 Mtr), Ätiophien. In Gaddafis Amtsjahr soll die Afrikanischen Union mehr internationales Gewicht bekommen. Dieses Treffen soll den “vergessenen Kontinent” näher an das Ziel der “Vereinigten Staaten von Afrika” bringen. Das nächste Gipfeltreffen im Juli soll die Bildung einer Unionsregierung der AU zum Ziel haben.
Gaddafi forderte die Teilnehmer des 12th African Unit Summit auf, ihn “König der traditionellen Könige Afrikas” zu nennen. Dieser Titel war ihm vor einigen Wochen von mehreren libyschen Stammesführern verliehen worden. Gaddafi wurde auf dem Gipfel von sieben dieser “Könige” in traditionellen Gewändern und mit Goldschmuck behängt begleitet. Die afrikanischen Konflikte im Kongo oder in Somalia waren auch Thema beim AU-Treffen. An dem Treffen nahm der neu gewählte (gemäßigte) Präsident Somalias, Sheikh Sharif Sheikh Ahmed, teil.

Fast zeitgleich mit Gaddafis Wahl war der jüngere Bruder von Fidel Castro und Amtsnachfolger in Havanna, Raoul Castro aus der schwülwarmen Karibik im russischen Winter (Bilder ganz oben und oben vom 29./30.01.2009) in Moskau aus Staatsbesuch. Nach langen 20 Jahren Abstinenz war Kuba per Regierungsdelegation erstmalig wieder in Russland. Russland und Kuba haben ihre strategische Partnerschaft neu besiegelt. Der russische Staatschef Dmitri Medwedjew und Kubas Präsident Raul Castro haben im Kreml eine entsprechende Absichtserklärung und ein Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Das von Medwedjew und Castro unterzeichneten Wirtschaftsabkommen enthält 34 Einzelabkommen. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte Kuba im Vorfeld des kubanischen Bescuhs einen Kredit in der Höhe von umgerechnet 15 Millionen Euro zum Kauf russischer Produkte in Aussicht gestellt. Weitere von russischen und kubanischen Ministern geschlossene Abkommen besiegelten Kooperationen in den Bereichen Automobilindustrie, Landwirtschaft, Fischerei, Luftfahrt sowie Bildung, Wissenschaft, Tourismus und Sport. Auch ist die Lieferung von mindestens 25.000 Tonnen Getreide vorgesehen. Außerdem wurde für den Verkauf von Tupolew-Flugzeugen die Finanzierung vereinbart. Über eine militärische Zusammenarbeit wurde nichts mitgeteilt. Beide Politiker sprachen von einem Neubeginn der beiderseitigen Beziehungen.
Das Viereck Russland-Venezuela-Kuba-Lybien kann, durch seine Akteure gekennzeichnet, getrost als leicht crazy bezeichnet werden, dabei nicht ohne Gefahr für die Balance der Welt.
Die Bilder unten zeigen den russischen Ministerpräsidenten “Zar” Vladimir Wladimirowitsch Putin in Begleitung vom Außenminister der Russischen Föderation, den ersten russichen Diplomaten und “Kurier des Zaren” Sergei Wiktorowitsch Lawrow beim Staatsbesuch in Tripolis/Libyen am 16. April 2008.


(Bilderquelle: Africa Union.org, Kreml.ru)