Im Kopf geht der Krieg weiter – “Angriff auf die Seele”
von Dirk ~ 3. Februar 2009. Zu lesen unter: Bundeswehr, Zentraler Sanitätsdienst.Die Zahl der Soldaten, die traumatisiert von einem Bundeswehr-Auslandseinsatz zurückkehren, hat steigende Tendenz. Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) gab auf Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Elke Hoff
bekannt, wie sich die Zahl der Fälle von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) speziell in Afghanistan in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat, wie die heutige “Süddeutsche Zeitung” meldete. Die Zahl sei von 55 Fällen im Jahr 2006 über 130 im Jahr 2007 bis auf 226 im vergangenen Jahr gestiegen. In einem gemeinsamen Antrag (Bundestagsdrucksache 16/11410) von SPD und CDU heißt es, dass in diesen Fällen bessere Hilfe für die Betroffenen nötig sei. Der Antrag soll kommende Woche im Deutschen Bundestag verabschiedet werden. Gestern wurde das Thema im ARD/SWR-Spielfilm “Willkommen zu Hause” behandelt. Soldatenglück.de berichtete dazu, 3,99 Millionen Zuschauer haben den Film gesehen, was einen Marktanteil von 11,9 % ausmacht, eine beachtliche Quote.
Der Fernsehfilm “Willkommen zu Hause” über einen im Afghanistaneinsatz durch einen Sprengstoffanschlag posttraumatisch erkrankten Soldaten kam gestern nach zwei Verschiebungen zur Austrahlung und zeitgleich bieten Bundeswehr.de, Sanitätsdienst.de und Streitkräftebasis.de auf den Internetseiten zwischen einem Podcast über “Kampfmittelbeseitiger: Die Bombenjungs der Bundeswehr” und dem Artikel “4998 Kilometer fern der Heimat” umfangreiche Berichterstattung zu Posttraumatischen Belastungsstörungen und Psychologischer Betreuung in der Truppe an.
Relativ neu, aber sehr, sehr wichtig und längst überfällig, ist das Angebot www.angriff-auf-die-seele.de/ptbs, die Redaktion & Administration macht Hauptfeldwebel Frank Eggen, die fachliche, professionelle medizinische Beratung bietet Oberfeldarzt Dr. med. Peter Zimmermann, unterstützt wird das lobenswerte und notwendige Vorhaben als großartige Initiative von der Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland e.V., Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. sowie von Reinhold Robbe, dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages.
Bei “Angriff auf die Seele – Posttraumatische Belastungsstörung bei Soldaten” finden sich wichtige Informationen für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die im Auslandseinsatz besonderen psychischen Belastungen
ausgesetzt sind. Das Internet-Angebot richtet sich aber nicht nur an die aktiven Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, sondern auch an ehemalige Einsatzsoldaten, einschließlich Reservisten, sowie an die zurückgebliebenen Angehörigen, die vielfältige neue Herausforderungen bewältigen müssen und dabei psychosozialer Unterstützung bedürfen.
Einsatzbetroffene erhalten Antwort auf die Frage: Welche Ansprüche und Möglichkeiten der Hilfe für seelische Verwundungen gibt es? Dazu wird auf fachliche Beratungs- und Hilfsangebote innerhalb und außerhalb der Bundeswehr aufmerksam gemacht. Links führen zu zentralen Anlaufstellen für psychologische und psychiatrische Beratung und Behandlung. Als besonderer Service kann online ein vertraulich behandelter “Rat vom Fachmann” zur Thematik der Posttraumatischen Belastungsstörungen eingeholt werden.
Die für diese Internetseite verantwortliche noch im Aufbau befindliche private Initiative “Angriff auf die Seele – Posttraumatische Belastungsstörung bei Soldaten”, wird fachlich von Bundeswehrpsychologen unterstützt. Ein sehr sinnvolles Angebot, da sie dem Wunsch vieler Einsatzsoldaten nach kurzfristig verfügbaren Informationen zum Thema Posttraumatische Belastungsstörung entspricht.
Diese Initiative ist darüber hinaus ein weiteres eindrucksvolles Beispiel für eine wirkungsvolle Hilfe zur Selbsthilfe für betroffene Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familienangehörigen, die Förderung und Unterstützung verdient. Soldatenglück.de weist gerne aus diese großartige Initiative hin.
Die Bundeswehr berichtet über ihre Hilfsangebote und Aktivitäten im Umgang mit Posttraumatischen Belastungsstörungen:
Psychologische Betreuung: Wenn die Seele in Gefahr ist
Auslandseinsätze stellen die Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien häufig vor außergewöhnliche seelische Belastungen. Um den Dienst im Einsatz zu bewältigen und auch danach unbelastet zu sein, bietet die Bundeswehr eine umfassende psychologische Betreuung an – vor, während und nach den Auslandseinsätzen.
Posttraumatische Belastungsstörung – Was steckt dahinter?
Alpträume, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Zittern – die äußeren Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sind vielfältig, ebenso seine Ursachen.
Hilfe für die Seele – neue Wege zum Schutz vor posttraumatischer Belastungsstörung
Er hat keinen Dienstgrad und kein Gesicht. Trotzdem könnte er in naher Zukunft der bekannteste Kamerad der Einsatzsoldaten der Bundeswehr werden. Sein Name: CHARLY.
Mut zur Therapie
Posttraumatische Belastungsstörung – Die Akzeptanz psychischer Erkrankungen wächst. Hauptfeldwebel David H. lässt sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen.
“Hauptsache, man fängt an zu reden”
Posttraumatische Belastungsstörung – Zwei Soldaten berichten von ihrem Leidensweg und wie ihnen die Bundeswehr geholfen hat, damit fertig zu werden.
Wenn die Seele schreit, wenn der Schrecken bleibt
PTBS – eine Posttraumatische Belastungsstörung beschäftigt die Bundeswehr spätestens seit Beginn der Einsätze. Oberstarzt Dr. Karl-Heinz Biesold beschreibt den Umgang mit der psychischen Erkrankung, die jeden Menschen betreffen kann.
Rückblick: Bundeswehr und Posttraumatische Belastungsstörungen
Prävention und Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sind keine neuen Themen in der Bundeswehr. Mit Beginn der Auslandseinsätze beschäftigt sich der Sanitätsdienst der Bundeswehr intensiv mit der Thematik.
(Bildquelle und Textauszüge: Angriff auf die Seele.de, Bundeswehr.de)























3. Februar 2009 um 20:06 Uhr
[...] Die Zahl der Soldaten, die traumatisiert von einem Bundeswehr-Auslandseinsatz zurückkehren, hat steigende Tendenz. Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) gab auf Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Elke Hoff bekannt, wie sich die Zahl der Fälle von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) speziell in Afghanistan in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat, wie die heutige “Süddeutsche Zeitung” meldete. Die Zahl sei von 55 Fällen im Jahr 2006 über 130 im Jahr 2007 bis auf 226 im vergangenen Jahr gestiegen. In einem gemeinsamen Antrag (Bundestagsdrucksache 16/11410) von SPD und CDU heißt es, dass in diesen Fällen bessere Hilfe für die Betroffenen nötig sei. Der Antrag soll kommende Woche im Deutschen Bundestag verabschiedet werden. Darüber berichtet heute auch das Blog Soldatenglück. [...]
9. März 2009 um 03:49 Uhr
Soldaten sind Mörder und sie sind zugleich auch Opfer.
Dem „Angriff auf die Seele“ wäre der „Angriff auf Menschenleben“ gegenüberzustellen, ich vermisse auf dieser Seite die Betroffenheit oder wenigstens die Andeutung eines schlechten Gewissens wegen der zahlreichen zivilen Opfer des NATO-Kriegseinsatzes in Afghanistan mit Beteiligung der Bundeswehr. Ich kann Mitleid mit traumatisierten Bundeswehrsoldaten empfinden, jedoch mein Mitleid mit den von Bundeswehrsoldaten ermordeten Opfern wäre gewichtiger.
„Die Psyche stärken für den Einsatz“ ist geradezu unerträglich. Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, damit es danach noch mehr Opfer gibt? Lieber ein kranker Soldat als ein schießender?
Der große Aufklärer und Philosoph Denis Diderot hat vor mehr als 200 Jahren in einem ethisch und philosophisch herausragenden Dialog begründet, daß ein Arzt auch einen Berufsverbrecher und Mörder behandeln muß, ihm nicht einfach die Behandlung verweigern und ihn nicht sterben lassen kann. Aber er muß den Arzt-Patienten-Kontakt dazu nutzen, daß er die Schändlichkeit seines bisherigen Handelns einsehen kann und daß er sich nach der empfangenen Hilfe ändert.
„Die Psyche stärken, um Nein sagen zu können“, wäre der einzig sinnvolle kausale Behandlungsansatz für traumatisierte Soldaten.
Die Abschaffung der Bundeswehr und Kriegsdienstverweigerung wäre die einzig sinnvolle kausale Prophylaxe, daß eis künftig nicht noch mehr traumatisierte Soldaten hierzulande gibt.
9. März 2009 um 10:24 Uhr
@Dr. Ralf Cüppers – Die zivilen Opfer werden hier in vielen Artikeln beklagt, die Bevölkerung, die Menschen in den Regionen der Auseinandersetzung werden oft zum Thema gemacht mit Worten, Bildern und auch mit Bedauern. Soldaten, die zum Mörder wurden, sind von Zivil- oder Militärgerichten verurteilt, die Pauschalisierung trifft ebenso substanzlos wenig zu, wie der Ausspruch, Ärzte sind Kurpfuscher oder Mechaniker des Todes.