Deutscher BundeswehrVerband fordert Krisentelefon für Soldaten mit Kriegstrauma
von Dirk ~ 2. Februar 2009. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik.Der Deutsche BundeswehrVerband (DBwV) hat eine kostenlose Hotline zur anonymen Beratung von Soldaten gefordert,
die mit psychischen Problemen von Auslandseinsätzen zurückkehren. “Viele Soldaten versuchen, mit ihren Traumata allein fertig zu werden – aus falscher Scham oder weil sie nicht als weich gelten wollen. Das ist falsch”, sagte der Vorsitzende des Verbands, Ulrich Kirsch, der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. In jeder Einheit sollten ein oder zwei speziell geschulte Soldaten als Vertrauensleute zur Verfügung stehen. Die Hilfsangebote für Bundeswehrangehörige mit Anzeichen für ein Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS) seien da, sie sollten nun auch angenommen werden.
Seit Mitte der 90er Jahre sind nach Angaben der Zeitung rund 250.000 Bundeswehrangehörige in einen Auslandseinsatz geschickt worden. Davon ist nach Angaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr weniger
als ein Prozent mit der Diagnose eines Kriegstraumas – eines sogenannten Posttraumatischen Belastungssyndroms – zurückgekehrt. Schätzungen zufolge gebe es rund 1.500 Soldaten mit dieser Diagnose. Der BundeswehrVerband geht von einer schwer einschätzbaren Grauzone aus. Derzeit sind 6.800 Bundeswehrangehörige im Auslandseinsatz, davon 3.550 in Afghanistan und 2.200 im Kosovo.
“Wir müssen alle noch sensibler werden”, sagte Kirsch. Er begrüßte, dass die ARD in dem Fernsehfilm “Willkommen zu Hause” das Thema aufgreift.
Soldatenglück.de schließt sich dieser Forderung an, ich gehe sogar weiter, es muss ein ständiges Kriseninterventionsteam geben mit für posttraumatische Belastungsstörungen geschulten Medizinern oder Dipl. Psychologen, die im Wechseldienst 24 Stunden 365 Tage, so wie die Soldaten, Dienst tun und erreichbar und ggf. mobil sind. Die Anzahl geschulter Kameraden und auch fachlich Befähigter Dipl. Psychologen oder Fachärzte in den Auslandseinsätzen, die “am Puls der Truppe” und der einzelnen Soldatinnen und Soldaten sind, insbesondere in der derzeit nachweislich gefährlichsten Mission in Afghanistan, muss einsatzgefahrenangepasst rapide erhöht werden.
Nahezu eine Viertelmillionen deutsche Soldaten waren in den letzten Jahren in Auslandseinsätzen. Davon sind nach Angaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr weniger als ein Prozent mit der Diagnose PTBS zurückgekehrt. Schätzungen zufolge seien es rund 1.500 Soldaten.
Der Bundeswehrverband geht von höheren Zahlen aus, weil es eine schwer einschätzbare Grauzone gebe.
(Bild- und Grafikquelle: Einsatz.Bundeswehr.de, Bild oben: Camp Marmal, Regional Command North, Afghanistan, ISAF)
Hintergrundinformationen: Deutscher BundeswehrVerband.de























3. Februar 2009 um 00:02 Uhr
Wirklich bedenklich, daß es so etwas* noch nicht gibt – nachdem wir nun seit Mehr als 10 Jahren ständig im Ausland unterwegs sind. Ist der Mangel an Hilfe politisch gewollt , nach der Vogel-Strauss-Methode ? Oder liegt es daran, daß niemand innerhalb der BW-Verwaltung Initiativstärke zeigt ?
*Hotline, Interventionsteam
3. Februar 2009 um 00:14 Uhr
@Jonas – verzögertes Reagieren, statt vorausschauendes Agieren, Realitätserkenntnis auf Raten, das posttraumatische Trauma scheint institutionell zu sein, einiges hat sich ja schon verbessert, aber wenn der Druck, auch der öffentliche und damit politische steigt, passiert ganz schnell etwas. Die Bw-Verwaltung, wie alle Verwaltungen, waren noch nie von sich aus besonders innovativ und problembewusst.