Afghanistan: Taliban-Anschlag vor Deutscher Botschaft Kabul (Video)

von Dirk ~ 17. Januar 2009. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF, NATO-Missionen, Video.

Auf der Straße Wazir Akbar Khan, Mena in der afghanischen Hauptstadt Kabul zwischen der Deutschen Botschaft und dem US-Camp Eggers hat sich heute morgen gegen 10:00 Uhr Ortszeit ein Selbstmord-Attentäter der Taliban mit einer gewaltigen Explosion in einem Geländewagen russischer Bauart in die Luft gesprengt.
Das US Camp Eggers* wird zur Ausbildung afghanischer Polizisten der Afghan National Police (ANP) und Soldaten der Afghan National Army (ANA) genutzt, dort sind neben den amerikanischen Soldaten auch deutsche, australische, neuseeländische und rumänische ISAF-Soldaten stationiert.

Video vom Anschlagsort

Bei diesem erneuten Attentat, zu dem sich die Taliban bereits bekannte und angab, sie wollte deutsches Militärpersonal oder Botschaftsfahrzeuge treffen, ist nach Angaben der US-Streitkräfte bei ISAF in Kabul ein US-Soldat umgekommen, mindestens vier weitere amerikanische Soldaten wurden verletzt. Ebenfalls kamen vier afghanische Passanten um, darunter soll ein Kind sein. Das afghanische Verteidigungsministeriums teilte mit, dass weitere 23 Menschen verletzt wurden, so der Ministeriumssprecher Mohammed Sahir Asimi. Das deutsche Auswärtigen Amtes gab an, dass einige Mitarbeiter der Botschaft (wahrscheinlich durch Splitterwirkung) verletzt wurden. Im Straßenverlauf sind durch die Explosion mehrere Fahrzeuge und ein Mercedes-LKW in Brand geraten und zerstört worden. Vor der Deutschen Botschaft Kabul ist ein Kriegs-Katastrophen-Bild entstanden, das einene Teil der Lebenswirklichkeit in Afghanistan widerspiegelt. Ein Sprecher des EinsFüKdoBw bestätigte heute morgen die Explosion vor der Deutschen Botschaft, konnte aber noch nicht mehr sagen, als dass es Verletzte zu beklagen gäbe. Der Sprecher der radikal-islamistischen, terroristischen Taliban, Zaibullah Mudschahid hatte bei der Anschlags-Selbstbezichtigung folgendes an Propaganda parat: “Die Taliban werden alle Länder zum Ziel machen, deren Truppen in Afghanistan sind”. Deutsche Soldaten seien im Norden des Landes an der Tötung Unschuldiger beteiligt, so Mudschahid.

In der Deutschen Botschaft (Bild oben), die unter Leitung des Deutschen Botschafters Werner Hans Lauk steht, sind seit dem Vorjahr im geschützten Botschaftsareal und einer weiteren Liegenschaft auch die Unterkünfte des deutschen diplomatischen Botschaftspersonals, Grund für diese Unterbringung ist die Anschlagsgefahr auf Internationale in den normalen Wohnbezirken. Trotzdem wurden einige Botschaftsmitarbeiter/innen verletzt. Das Viertel um die Botschaft steht unter besonderem Schutz durch Sicherheitskräfte, verschiedene Botschaften (GB, USA, …), afghanische Behödern und Ministerien sowie HQ´s von Internationalen Organisationen und Hilfsorgainsationen (NRO´s) sind in der Nähe gelegen, aber eine völlige Abriegelung ist nicht möglich und nicht gewollt.
Die Botschaft sieht ihre zentrale Aufgabe neben der außenpolitischen und diplomatischen Repräsentanz in der Unterrichtung und Unterstützung aller Personen und Organisationen, die sich für die deutsch-afghanische Zusammenarbeit einsetzen. Ein Militärattaché-Stab ist ebenfalls an der Botschaft eingesetzt, auf das Fahrzeug des Militärattaché wurde am 30.11.2008 (1. Advent) bereits ein Anschlag verübt, bei dem zwei Passanten getötet wurden und am Botschaftsfahrzeug Sachschaden entstand, verübt, Soldatenglück.de berichtete darüber.
Der Taliban-Anschlag erwischt die Deutsche Botschaft in einer Phase, in der das BMI in Sachen Sicherheit Experimente macht. Die Schutz der Botschaft in Kabul wurde bislang, wie auch in Bagdad/Irak, von Spezialkräften der Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) der Bundespolizei (BPOL) übernommen, diese wurden mit Jahresbeginn bw-gsg9-abzeichenabgezogen und von “normalen” Bundespolizisten (HOD) mit einem 10-wöchigen Zusatz-Lehrgang “Personenschutz in Krisengebieten” übernommen, da die GSG 9 in ihrer beschränkten Personalkapazität zu viele andere polizeiliche Spezial-Aufgaben zu bewältigen hat. An diesen besonders sicherheitsgefährdeten Dienstorten reicht möglicherweise ein 10-wöchiger Lehrgang nicht aus, da müssen langjährige Spezialisten ran. Nach dem Anschlag verstärken deutsche Feldjäger der Bundeswehr temporär den Objektsschutz der Botschaft und bewirken in der aktuellen Phase den Schutz der deutschen Botschaftsmitarbeiter.
Im August 2007 starben bei der Dienstausübung an der Deutschen Botschaft Kabul drei Personenschützer (von BKA und Landespolizei, einen davon kannte ich persönlich, gute Jungs) des deutschen Botschafters bei einem Bombenanschlag außerhalb der deutschen Vertretung als sie in gepanzerten Fahrzeugen im Konvoi auf dem Weg zu einem ISAF-Schieß-Übungsplatz nahe Kabul waren.

Vor einigen Tagen hat die Bundeswehr im ISAF Regional Command North, was seit der Vorwoche vom Infanteristen und Brigadegeneral Jürgen Vollmer kommandiert wird begonnen, zusammen mit Norwegern zur nachhaltigen Stabilisierung des Distrikts Ghormach (Karte unten) im Nordwesten Afghanistans anzugehen, der erst am 07. Dezember 2008 von der afghanischen Zentralregierung aufgrund einer Gebietsreform und durch den COMISAF dem deutschen Zuständigkeitsbereich zugeschlagen wurde.

Ghormach gilt als ein besondere Unruhe-Distrikt, als Sammelbecken Krimineller und der Taliban.
Das Prädikat “besonderer Unruhe-Distrikt” gilt offenbar für ganz Afghanistan, die Hauptstadt Kabul (Bild unten) mit über 3 Millionen Einwohnern und mit dichter internationaler Präsenz ist darin nicht ausgenommen und für die Taliban ein besonders “attraktives” Ziel und Betätigungsfeld, für den Monat Mai sind Wahlen in Afghanistan geplant.

(Bilderquellen: Deutsche Botschaft Kabul.de, Bundeswehr.de)

US Camp Eggers: Benannt nach Captain Daniel W. Eggers, einem US-Soldaten vom 1st Battalion, 3rd Special Forces Group (Airborne), Fort Bragg, North Carolina, der bei einem Improvised Explosive Device (IED) mit drei Kamderaden am 23. Mai 2004 nahe Kandahar fiel.

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