Fugger´scher Kosovo-Analysen Unfug -
Vergleiche und Verwechslungen

Die Zeitungen des Kosovos berichten heute mal wieder mit O-Ton vom Bundeswehr Brigadegeneral Harald Fugger, der als deutscher Kontingentsführer schon beim 21. DEU EinsKgt KFOR und bald beim 22. das Kommando inne
hat. Brig Gen Fugger ist Stellvertretender Kommandeur (Bild oben, die ungleichen Generale, der COM MNTF S, der österreichische BrigGen Thomas Starlinger links und der deutsche BrigGen Fugger rechts) im Süden des Kosovos in Prizren bei der Multi-National Task Force South (MNTF S) mit einem zugeteilten, regionalen Verantwortungsgebiet. Die NATO-Truppe KFOR mit seinen rund 16.000 internationalen Peacekeeping-Soldaten aus 34 Nationen (darunter 2.200 aus Deutschland) im gesamten Kosovo wird befehligt vom KFOR Headquarters (HQ) in Pristina. Das Land ist aufgeteilt in fünf regionale Zuständigkeitsgebiete (Grafik unten) der Multi-National Task Forces Centre (orange), West (rosa), East (weiß), North (blau) und South (gelb). Der deutsche Deputy COM MNTF South scheint sich mit dem COM KFOR zu verwechseln und liegt dabei inhaltlich und faktisch wiederholt falsch. Das Einsatzgebiet der MNTF South erstreckt sich auf die Municipalities von Prizren, Suva Reka, Dragas, Orahovac, Malishevo und Mamusha. 3.500 KFOR-Soldaten aus Deutschland, Österreich, Türkei, der Schweiz und Bulgarien stehen dort Gewehr bei Fuß.
Am 28. Januar war MNTF South Neujahrsempfang im Feldlager Prizren mit Pressekonferenz, Pressegesprächen und Interviews. Zum Neujahrsempfang wurden kosovarische Multiplikatoren, polititische und kirchliche Vertreter sowie kosovarische Partner aus der Region ins Feldlager Prizren in die Sport- und Mehrzweckhalle eingeladen, die auch bei der Kontigents-Silvesterfeier mit bekannter Fugger-Video-Ansprache genutzt wurde. Soldatenglück.de berichtete darüber mit Artikeln, Kommentaren und Video.

Bisher machte Brigadegeneral Fugger vom Balkan in Deutschland von sich Reden mit unwirklichen Kosovo-Deutschland Vergleichen in der Presse, mit einer verfehlten Silvesteransprache durch unangemessen Drohungen an deutsche Soldaten im Auslandseinsatz 1.800 km weg von Zuhause als Armutszeugnis der Inneren Führung und beschäftigte den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages. Auch bei der Führungskompetenz und Dienstaufsicht im Feldlager, insbesondere für saubere Böden im Instandssetzung-Halle (Inst) bei Schneematsch, bei der Grußpflicht kranker Soldaten im San-Bereich, Umbenennung von Berg-Festen, beim Stromsparen am Weihnachts- und Stubenschmuck usw. sorgte Fugger für Unmut, Zweifel und viele Fragezeichen bei Soldaten und Öffentlichkeit. “Ganz nebenbei” macht der deutsche Ein-Sterne-General im Kosovo noch Weltpolitik außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches. So gab er der kosovarischen Presse mal wieder ein Interview, dass in allen kosovarischen Zeitungen zu lesen ist. Bei Interview-Beginn stellte er flott fest, dass der Norden des Kosovos mit der Stadt Mitrovica eine Angelegenheit der ganzen KFOR sei, damit stellte er medial seine Zuständigkeit als Deputy Commander im Süden landesweit her. Zum Jahreswechsel gab er deutschen Zeitungen bereits Interviews, dabei bezeichnete er Sicherheitslage und Zustände im Kososvo als mit denen in deutschen Städten wie etwa Hamburg, München und Leipzig vergleichbar. Das Bild unten zeigt eine österreichische KFOR bei Patrouille, Straßensperren und Präsenzzeigen im nördlichen Kosovo in Mitrovica am 26. Januar 2009 zur Stabilitätssicherung, zum Schutz der örtlichen Bevölkerung in Unterstützung der lokalen und EULEX-Police, das erinnert mich in der Tat stark an Szenen in den Fußgängerzonen der Hansestadt Hamburg nahe Alsterhaus, der Vororte der bayerischen Landeshauptstadt München oder an das Straßenbild von Leipzig, dem letzten Standort vor Prizren vom BG Fugger. Aktuell führt er sein Lagebild erneut ins Gefecht, so seien die Ausschreitungen, kriminellen Zusammenstöße, “multi-ethnische Zwischenfälle” gewaltbereiter Gruppen und Einzeltäter, Sprengstoff-Explosionen und besonderen Vorkommnisse im extrem fragilen Norden des Kosovos (Raum Mitrovica) durch die albanisch- und serbisch-kosovarische Bevölkerung vergleichbar und begründet mit der Normalität an allen Orten dieser Welt, wo Menschen arbeitslos sind und nichts zu tun haben.

Arbeitslos und nichts zu tun haben im europäischen Land mit dem niedrigsten Lebensstandard und der höchste Arbeitslosigkeit neben dem sonstig arbeitslosen Bevölkerungsanteil von über 67 Prozent in der Spitze neuerdings auch Angehörige des am 20. Januar aufgelösten Kosovo Protection Corps (Trupat e Mbrojtjes se Kosoves, TMK), das dem neu aufgestellten Kosovo Security Force (Forca e Sigurise se Kosoves, FSK) gewichen ist, Soldatenglück.de berichtet über die Aufstellung der Kosovo Security Force. Von den rund 3.000 ehemaligen TMK-Angehörigen wurden nur etwa 1.000 in die Kosovo Security Force aufgenommen, die aus 2.500 Einsatzkräften und rund 800 Reservisten bestehen soll (Bild unten, KSF-Commander Generalleutnant Sylejman
Selimin, Kosovos Präsident Fatmir Sejdiu und Verteidigungsminister Fehmi Mujota). Die Rekrutierung weiterer KSF-Angehöriger dauert holprig an. Etwa 100 Ex-TMK´ler drohten in der Vorwoche bei einer Protestaktion vor dem kosovarischen Parlament in Pristina mit der Destabilisierung der Verhältnisse im Land: “Wir können das Land in 24 Stunden vernichten”. Und: “Wir haben uns mehr als 30 Jahre bemüht, dieses Land aufzubauen”, wurde Muhamet Gubetini, ein früherer Oberst des Kosovo-Schutzkorps, in den kosovarischen Medien zitiert. Am 17. Februar wird die Republik Kosovo und die nicht weniger gewordene arbeitslose kosovarische Bevölkerung die nach wie vor international umstrittene selbst verkündete Unabhängigkeit nach einem Jahr feiern

Diese Fugger´sche messerscharfe sicherheitspolitische und soziologische Regional- und Prekariats-Analyse im weltweiten Vergleich per Interview anlässlich des Neujahrsempfangs (Bild oben) des MNTF S am 28. Januar , wird nicht mal das Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr beeindrucken, doch die Zeitungen im Kosovo nehmen solche Stories dankbar entgegen und drucken es, denn Botschaften eines deutschem Generals im Auslandseinsatz im O-Ton, werden dort ernstgenommen und gleichgesetzt mit der Meinung Deutschlands oder der Bundesregierung.
Zitat von der Nachrichtenagentur KosovoLive: “Fugger: Mitrovica is a preoccupation for entire KFOR (dailies)
Mitrovica is not an issue of only one contingent of KFOR but of the entire KFOR. This was said for KosovaLive by the commander of the German contingent of KFOR in Prizren, General Herald Fugger, who said about the situation in Mitrovica: “…there are happening things that are similar to every place in the world, where people are unemployed and have nothing to do.” KosovaLive.
Das Interview ist in den meisten anderen kosovarischen Zeitungen ebenfalls veröffentlicht, eine auflagenstarke Analyse des deutschen Generals im Auslandseinsatz, der nicht nur ein fragwürdiger Menschenführer zu sein scheint, sondern offenbar auch ein unbelehrbarer, beratungsresidenter Hasardeur, der sich regelmäßig mit dem Commander Kosovo Force der NATO (COM KFOR) verwechselt. Sein dienstlicher Aufenthalt im Kosovo im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland ist eine Zumutung für die Truppe und das politische Außenverhältnis der KFOR zur Republik Kosovo und den anderen Internationalen Organisationen im Feldeinsatz dort auf dem Balkan. Verwunderlich ist auch, dass der deutschen Brigadegeneral Fugger einerseits den Vergleich des Kosovos mit deutschen Städten strapaziert bis es kracht bzw. nachdem es krachte, doch wenn er im Kosovo das Feldlager Prizren verlässt, den Hubschrauber nimmt oder/und einen Close Protection Konvoi (Bild unten) mit Feldjägern und geschützten Bundeswehr-Fahrzeugen um sich hat, vergleichbar mit dem U.S.-Präsidenten und dem U.S. Secret Serice. Der kosovarische Verkehrsteilnehmer der in seinem kosarischen Auto im autonomen Staat Kosovo von den deutschen Feldjägern und dem Fugger-Close Protection der Bundeswehr ohne Rechtsgrundlage von der Straße gedrängt wird, der noch gestern in seiner albanisch-sprachigen Zeitung vom Fugger Unfug-Vergleich mit deutschen Städten und Normalitäts-Konstruktionen wie “wenn die Leute arbeitslos sind und nichts zu tun haben, ist das überall auf der Welt so wie in Mitrovica”, gelesen hat, bleibt erstaunt und irritiert am Straßenrand zurück.

Am 29. Januar gab der “richtige” COM KFOR (Bild unten), der italienischen Generalleutnant Giuseppe E. Gay, den KFOR-Neujahrsempfang 2009 in der kosovarischen Hauptstadt Pristina, mit Neujahrsansprache und kurzer realer Lagebeurteilung:

“Mr. President, Mr. Prime Minister, Ambassadors, Heads of Mission, and other distinguished guests: welcome to KFOR Headquarters. I would like to thank each of you for attending this New Year Reception.
The 2008 was a very challenging year for KFOR, but 2009 is going to be even more. This New Year is important because we will see KFOR turn 10 years old next June. But KFOR is not turning completely obsolete: the KFOR intervention in the North, at the beginning of this year, flanking the other security Institutions, confirmed once again that KFOR is still in good fashion and well present and will continue-in line with its operational mandate-to cooperate with and assist the United Nations, the European Union and the rest of the International Community, to support the development of a stable, democratic, multi-ethnic and peaceful Kosovo.
… zur vollständigen Neujahrs-Ansprache des COMKFOR
(Bilderquelle: NATO.KFOR.int, Kosovo Protection Force.gov, Einsatz.Bundeswehr.de)