Auch die Schweiz will sich am Horn von Afrika vor somalischen Piraten schützen (Video)
von Dirk ~ 17. Dezember 2008. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, EU NAVFOR Somalia, EU-Missionen, Video.
Schutz der Deutschen und auch der Schweizerischen Handelsflotte
vor somalischen Piraten

In diesem Jahr hat die Zahl der Überfälle und Schiffsentführungen vor der somalischen Küste stark zugenommen. Etwa einhundert Schiffe wurden angegriffen, rund vierzig davon gekapert. Derzeit befinden sich zahlreiche Schiffe einschließlich ihrer Besatzung in der Gewalt von somalischen Piraten.
Das Mandat für die EU-Mission EU NAVFOR Operation “Atalanta” vor Somalias Küste am Horn
von Afrika behandelt der Deutsche Bundestag (Bild oben) in seiner letzten Sitzungswoche vor den Weihnachtsferien. Heute in erster Lesung, um 13:00 Uhr beginnt die erste Beratung des Antrags der Bundesregierung zur deutschen Beteiligung an der EU-geführten Operation Atalanta (16/11337). Die Bundeswehr-Soldaten sollen auch mithelfen, die Schiffe des Welternährungs-programms (WFP) der Vereinten Nationen vor Seeräubern am
Horn von Afrika zu schützen. Die endgültige Entscheidung über das Marine-Mandat fällt der Bundestag am Freitag, dem 19. Dezember. Die deutsche Fregatte KARLSRUHE ist schon im Einsatzgebiet und könnte unmittelbar nach dem Beschluss direkt in die Mission starten.
Die Schweizerische Bundes-Regierung in Bern prüft ebenfalls den Einsatz von Schweizer Armee-Soldaten im Seegebiet am Horn von Afrika. Die Soldaten sollen die Schweizerische Hochseeflotte vor Piraten schützen (Link).
Die Schweiz unterhält eine eigene Hochseeflotte, 33Â Schiffe mit 598.560 BRZÂ verkehren auf den Weltmeeren,
sechs Reddereien betrieben die Schweizerische Hochseeschiffahrt. Die “Helvetia-Flotte” besteht aus 13 Schüttgutfrachter, 14 Stückgutfrachter (Containerschiffe), 6 Tanker (für Erdöl und Gas), diese Schiffe sind modern und leistungsfähig, sind sie im Durchschnitt nur vier Jahre alt. Mit seiner Tonnage liegt die Schweiz etwa auf Rang 70 der Welthandelsflotte. Zur Kommunikation mit Seeschiffen unterhält die Schweiz eine eigene Küstenfunkstelle: Bern Radio (Rufzeichen HEB).

Das Horn von Afrika ist die wichtigste Schiffahrts-Route zwischen Europa und Asien und auch schweizerische Passierzone sowie bekanntermaßen Piratengebiet. Mit Schnellbooten werden vor der somalischen Küste Frachter und Tanker geentert. Die europäischen Staaten haben EU NAVFOR Operation “Atalanta” gestartet: eine Armada zum Schutz der Handelsschiffe. Recherchen der Nachrichtensendung 10vor10 des Schweizer Fernsehens haben ergeben, die Schweiz will sich ebenfalls schützen und erwägt den Einsatz der Armee. Die Schweizer Armee verfügt über Heres und Luftwaffen-Kräfte, eine Marine hat das Alpenland ohne Seezugang nicht, das Armee-Aufklärungsdetachement 10 der Teilstreitkraft Heer soll die Schweizerische Hochsseflotte schützen.

Das Armee-Aufklärungsdetachment 10 (AAD 10) in Rivera/Kanton Tessin des Einsatzverbandes Grenadier Kommando 1 (Gren Kdo 1), eine Berufsformation (Berufssoldaten, Armeeaufklärer) der Schweizer Armee, ist die geeignte Einheit dafür, sie nimmt im Rahmen der Armeeaufträge bislang folgende Aufgaben wahr:
Friedensförderung im Ausland:
Beschaffung von Schlüsselnachrichten; Schutz von Truppen, Personen und Einrichtungen.
Subsidiäre Einsätze im Ausland:
Beschaffung von Schlüsselnachrichten; Rettung und Rückführung von Schweizer Bürgern aus Krisengebieten; Schutz von Personen und Einrichtungen bei erhöhter Bedrohung.
Raumsicherung und Verteidigung:
Beschaffung von Schlüsselnachrichten; Suche und Rettung im Kampf; offensive Aktionen.
Soldatenglück.de berichtete mit Artikeln und Videos über EU NAVFOR Somalia.
Hintergrundinformationen: Schweizer Armee.ch, Schweizerisches Fernsehen.ch, Hochseeschiffe unter Schweizer Flagge, Flottenliste.ch, Lloyd’s Register of Shipping.org
(Bild-, Grafikquelle: Dirk Hamel, Soldatenglück.de; Schweizerische Eidgenossenschaft.ch, CIA.gov)





















