Bundestags-Entscheidung zum BKA-Gesetz, zum Anti-Teror-Kampf der Bundeswehr und der neue Roman von John le Carré: “Marionette” (Video)

von Dirk ~ 13. November 2008. Zu lesen unter: Bund & more, Video.

Deutscher Bundestag beschließt
die Fortsetzung des Anti-Terror-Kampfes -
John le Carrés Roman “Marionetten” spielt in Hamburg

Heute hat der Deutsche Bundestag das Anti-Terror-Mandat der Bundeswehr (Operation Enduring Freedom, OEF) entschieden. Mit 428 Ja-Stimmen und 130 Nein-Stimmen bei acht Enthaltungen (Abstimmungsverhalten der Abgeordneten) hat der Bundestag in namentlicher Abstimmung das Mandat für die weitere Beteiligung der Bundeswehr am internationalen Anti-Terror-Kampf um 13 Monate bis zum 15. Dezember 2009 verlängert. Dabei geht es um die US-geführten Militäroperationen “Enduring Freedom” und “Active Endeavour“, an denen die Bundesmarine mit Einsätzen am Horn von Afrika und im Mittelmeer beteiligt ist.

John le Carré ist Großmeister des Spionageromans und selbst ehemaliger Geheimdienstagent hat in seinem neuen Roman den Umstand aufgegriffen, dass die Terror-Anschläge des 11. September 2001 in New York in der deutschen Großstadt Hamburg geplant wurden. Für sein neues Buch über Terrorverdächtige des 9/11 hat er in Hamburg recherchiert. Es geht um einen Moslem, der zur “Marionette” im skrupellosen Spiel der Geheimdienste wird. Le Carré erzählt von einer durch den Terror veränderten Gesellschaft und von den miesen Methoden des US-Geheimdienstes CIA.

Gestern wurden im Deutschen Bundestag per BKA-Gesetz die erweiterten Befugnisse für das Bundeskriminalamt beschlossen. Das Umstrittenes Gesetz könnte noch dieses Jahr in Kraft treten, die FDP wird es im Bundesrat allerdings verhindern. Während die einen die Entstehung eines totalen Überwachungsstaates befürchten, erwarten die anderen kaum Änderungen am Status quo. Bei dem Gesetz zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus durch das Bundeskriminalamt, dem so genannten BKA-Gesetz, gehen die Bewertungen weit auseinander.

John le Carré sagte im Jahr 2001 “Mit der Einschränkung der Bürgerrechte spielen wir dem Terrorismus in die Hände”. Mit seinem neuen Roman “Marionetten” wiederholt er diese Anklage: Ohne die Gefahren durch den Terrorismus zu beschönigen beschreibt er auf beklemmende Weise die Hilflosigkeit des Einzelnen gegen die Macht der Geheimdienste, für die Menschenrechte nur wenig bedeuten.

Inhalt:
Hamburg nach 9/11. Ein muslimischer Terrorverdächtiger ist die Schlüsselfigur im gnadenlosen Wettlauf internationaler Geheimdienste. Der neue Roman von John le Carré erzählt von einer durch den Terror veränderten Gesellschaft, in der jeder Unschuldige und Schuldige gleichermaßen Statist in einem undurchschaubaren Marionettenspiel ist.

Ein junger Moslem reist illegal über die Türkei und Dänemark nach Deutschland ein. Im Hamburger Stadtteil Altona bittet er eine türkische Familie um Hilfe. Nur langsam finden die verängstigten Gastgeber heraus, wer der Fremde ist und was er in der Hansestadt will. So beginnt John le Carrés meisterhaft komponierter Roman über unsere Gesellschaft des Verdachts nach dem 11. September 2001.In einem raffiniert gesponnenen Netz aus privaten und politischen Interessenbe wegen sich seine Figuren zwischen Gewissenlosigkeit und Nächstenliebe, eiskaltem Kalkül und Gleichgültigkeit. Die Bedrohung durch den islamistischenTerror wird zur Kulisse für ein skrupelloses Spiel der Geheimdienste.

Buchbesprechung bei NDR Kultur

Marionetten
Vorgestellt von Jan EhlertIssa Karpow ist Moslem, Tschetschene und – illegal in Deutschland. Aus drei Gefängnissen ist er geflohen, um nach Hamburg zu kommen. Hier will er Medizin studieren. Doch da Issa zunächst keine Wohnung und keine Beschäftigung hat, dauert es nicht lange, bis auch Geheimdienst und Verfassungsschutz auf ihn aufmerksam werden:

“Ohne das scharfe – wie manche meinten, krankhaft scharfe – Auge von Günther Bachmann, dem eigenwilligen Leiter der Truppe, wäre die klammheimliche Einreise des Mannes, der sich Issa nannte, vielleicht völlig unbemerkt geblieben. “Wir führen ihn an der langen Leine”, sagte er zu Erna Frey, seiner Assistentin, während sie Schulter an Schulter in dem klammen Kabuff der Auswerter standen und ihrem Star-Hacker Maximilian zusahen, wie er Bild um Bild von Issa auf die Monitore zauberte. “Keiner darf ihm in die Quere kommen, bevor wir es tun.”

Im Fokus der Fahnder
Für die Staatsschützer steht schnell fest: Issa plant einen terroristischen Anschlag. Jeder Schritt von ihm wird von da an genau beobachtet, um seine Verbindungsmänner ebenfalls zu fassen. Und auch der britische und der amerikanische Geheimdienst beginnen sich plötzlich für Issa zu interessieren, jeder auf seine ganz eigene Art.

Doch Issa verfügt über etwas, was ihn von den meisten Illegalen unterscheidet: Zwölfeinhalb Millionen US-Dollar. Und zwei engagierte Beschützer: Annabel Richter, eine junge Anwältin für Flüchtlingsangelegenheiten und Tommy Brue, einen alternden britischen Bankier, dessen Vater das Geld für Issas Vater verwaltet hatte – illegal. Denn eine reine Weste hat in John le Carrés neuem Roman niemand so richtig – am allerwenigsten die Agenten. Doch sie sind es, die bestimmen, wer in diesem Spiel gut oder böse ist:

“Er finanziert also den Terrorismus”, sagte er laut und deutlich, damit es auch ja alle verstehen. ‘Gut, zu 95 Prozent nicht. Zu 95 Prozent unterstützt er die Armen und Kranken und Bedürftigen der Umma. Aber zu fünf Prozent finanziert er den Terror. Ganz bewusst und sehr geschickt. Und deshalb ist er ein Mann des Bösen. Das ist seine Tragödie.”

Macht und Ohnmacht
Issa und seine Beschützer bewegen sich wie Marionetten in einem Spiel, über das sie schon längst die Kontrolle verloren haben. Ein Spiel mit einem erschreckenden, provozierenden Ende – das aber nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt ist.

John le Carré

John le Carré is the nom de plume of David John Moore Cornwell, who was born in 1931 in Poole, Dorset, and was educated at Sherborne School, at the University of Berne (where he studied German literature for a year) and at Lincoln College, Oxford, where he graduated with a first-class honours degree in modern languages.

He taught at Eton from 1956 to 1958 and was a member of the British Foreign Service from 1959 to 1964, serving first as Second Secretary in the British Embassy in Bonn and subsequently as Political Consul in Hamburg. He started writing novels in 1961, and since then has published twenty titles.

John le Carré wurde am 19. Oktober 1931 in Poole, Dorset, geboren. Nach seinem Studium in Bern und Oxford war er in den sechziger Jahren in diplomatischen Diensten u. a. in Bonn und Hamburg tätig. Mit Der Spion, der aus der Kälte kam begründete er 1963 seinen Weltruhm als Bestsellerautor. Im Herbst 2008 erschien der neue Roman des Autors bei Ullstein, Marionetten.

Hintergrundinformationen: John le Carré.com
Ullstein-Verlags Information

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