Entführung: Deutsche Geiseln in Ägypten, Sudan oder Libyen – wer könnte sie befreien?
von Dirk ~ 23. September 2008. Zu lesen unter: Bundeswehr, KSK, SEK M.5 Deutschen, 5 Italiener, eine Rumänin und ihre 8 ägyptischen Begleiter, darunter ein Sicherheitsbeamter, sind am Freitag während einer touristischen Wüstensafari im ägyptisch-sudanesischen Grenzgebiet verschleppt worden.

“Die Fähigkeit, im Notfall eigene Staatsbürger im Ausland aus Gefahr für Leib und Leben retten zu können, gehört zur grundlegenden Verantwortung eines jeden Staates”, erkannte 1994 der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU). Er stellte die Weichen zur Aufstellung und zum Aufbau eines Bundeswehr-Spezialverbandes – dem Kommando Spezialkräfte, KSK.Â
Die Spekulationen über den Aufenthaltsort der u.a. deutschen Geislen halten an. Auf die nervösen ägyptischen Behörden ist wenig Verlass, deren Außenminister Ahmed Abul Gheit brachte gestern selbst von New York aus die Falschmeldung über eine Freilassung in Umlauf, ein Beamter der Provinzverwaltung in der südägyptischen Stadt Assuan wollte gestern Abend wissen, dass die elf europäischen Touristen und ihre acht ägyptischen Begleiter am heutigen Dienstagmorgen in der Stadt Abu Simbel erwartet würden. Doch passiert ist nichts - außer neue unbestätigte Berichte über Mordrohungen der Entführer aus dem nördlichen Sudan.

Wenn die deutsche Bundesregierung alternativ zur Verhandlungslösung mit Zustimmung der Ägypter
und ggf. der Sudanesen selbst eine Such- und Befreiungsaktion unternehmen würde, wer käme als Kommandotruppe in Frage? Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr aus der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw/Baden-Württemberg oder die Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9, Abzeichen rechts oben) der Bundespolizei aus Sankt Augustin-Hangelar/Nordrhein-Westfalen als polizeiliche Spezialeinheit der Bundespolizei zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerster Gewaltkriminalität?

Wohl eher das personalstärkere und in den letzten Jahren auslandserfahrenere KSK (Verbandsabzeichen rechts), geführt vom Kommando Führung Operationen von Spezialkräften (KdoFOSK) beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw). Evakuieren und Retten deutscher Staatsbürger und anderer Personen aus kriegs- und/oder terroristisch bedingten Bedrohungslagen. Aufspüren, Befreien und Rückführen deutscher Soldaten aus Gefangenschaft oder Geiselnahme gehört zu dem Auftragsspektrum des Kommandos Spezialkräfte, die Übungsszenarien für solche Situationen im weltweiten Einsatzradius sind das ”täglich Brot” des KSK.

Die 38 unbewaffneten deutschen UNMIS-Militärbeobachter und die 5 deutschen UNMIS/UNAMID Polizeibeamten in Tatort-nahen Sudan sind frisch UNMIS-mandatiert aber anderweitig beschäftigt, sie sind für den Eventualfall zumindest als quasi eigene Kräfte, logistische Unterstützer, ggf. Aufklärer und mit landeskundlicher Erfahrung in der Einsatzregion.
(Bildquellen: Bundespolizei.de, UNMIS.org, Deutsches Heer.de, Bundeswehr.de)
Hintergrundinformationen:
Das KSK
Kommando Spezialkräfte (KSK). Im Herbst 1996 begann die Aufstellung dieses einzigartigen Verbandes der Bundeswehr. Bereits zwei Jahre später war er einsatzbereit. Seitdem führt das KSK weltweit Einsätze durch – von der Öffentlichkeit zumeist unbemerkt. Durch die Anschläge am 11. September hat sich das Ausmaß an Bedrohung durch Terrorismus in so schrecklicher Weise manifestiert. Auch die Bundeswehr wurde vor neuartige Herausforderungen und Aufgaben gestellt, die mit herkömmlichen Kräften nicht oder nicht ausreichend zu erfüllen sind. Für diese Aufgaben sind Spezialkräfte erforderlich, die reaktionsschnelle und gezielte Aktionen in Ergänzung oder anstelle des Einsatzes herkömmlicher Kräfte ermöglichen. Das Kommando Spezialkräfte wird vor diesem Hintergrund künftig weiter an Bedeutung gewinnen.
Artikel im Y. online Magazin der Bundeswehr.de
U.S. Army Special Operations Command.mil
Geschichte der KSK bei Deutsches Heer.de





















