Kriegsverbrecher Radovan Karadzic in Serbien gefasst

von Dirk ~ 22. Juli 2008. Zu lesen unter: Weltregionen, Westlicher Balkan.

Karadzic gefangen, Mladic noch frei
Bw-Karadzic Mladic

So mancher Bundeswehr-Soldat in der SFOR- und EUFOR-Mission hat die Kriegsverbrecher gesucht, es war und ist Bestandteil des Auftrags. Einer ist nun nach 12 Jahren Fahndung gefasst, Ratko Mladic ist noch frei – sicher nicht mehr lange. Die Verhaftung des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic war jetzt erst möglich, in den gestrigen Abendstunden wurde er Bw-NATO GSin Belgrad gefasst. Der NATO Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer (NL) erklärte heute dazu: “I welcome the news of Radovan Karadzic’s detention in Belgrade. I commend the Serbian authorities for this important act of cooperation with the International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia. I expect Mr. Karadzic to be extradited to The Hague soon in order to face trial. A prosperous and stable future for the Western Balkans can only be built on justice and reconciliation. Therefore, I encourage Serbia and the other countries in the region to continue their efforts to detain the remaining indicted war criminals still at large, including Ratko Mladic.”
Der COM EUFOR in BIH-Sarajewo Generalmajor Ignacio Martín Villalaín (I) nahm heute dazu Stellung: “this moment was significant for justice, for BIH, the wider Balkans and International Community. I also recognise the constructive steps taken by the new Serbian government”.
Die Verhaftung war ein wichtiges Etappenziel bei der Befriedung des gesamten Balkan, ein richtiger Schritt der Serben und ein wesent­licher Schritt zu Gerech­tig­keit, Frieden und Aussöhnung in der Region. Die neue serbische Regierung zeigte Mut und Entschlossenheit und setzte diese lange erwartete und geforderte Maßnahme als Bekenntnis zu Europa endlich durch. Es ist schon bemerkenswert, dass unter der neuen Regierung innerhalb von Wochen möglich ist, was vorher angeblich in Jahren nicht möglich war. Das kann nur heißen, dass die bisherigen serbischen Administrationen das Aufspüren und Festnehmen mindestens erschwert, wenn nicht sogar verhindert haben.

Auch wenn manche Serben es noch nicht so sehen: Diese Verhaftung ist in erster Linie ein ganz großer Erfolg für die Serben selber. Das Beharren auf klare Standards durch die Europäische Union (EU) hat sich dabei flankierend ausgezahlt. Jede Verwässerung europäischer Standard-Anforderungen taugt nichts. Serbien hat in den vergangen Jahren bereits in vielen Bereichen wirkliche und vorgebliche Reformanstrengungen unternommen, um sich auf den EU-Beitritt vorzubereiten. Dies wurde in den letzten Jahren leider durch die populistisch-nationalistische Rhetorik in den Wahlkämpfen überlagert.

Bw-BalkanKarteDie EU könnte jetzt mit Augenmaß ein weiteres Zeichen pro Serbien setzen, um die Reformkräfte zu unterstützen und den Serben weiterhin die Rückkehr in den Kreis der friedfertigen Nationen zu ermöglichen. Wenn dann auch die Kosovo-Streitfrage mit einem serbischen Einlenken und mit Vernunft statt Nationalismen gelöst ist, erst dann können NATO- und Bundeswehr-Streitkräfte allmählich vom Balkan abgezogen werden und die Missionen KFOR wie EUFOR erübrigen sich.

Hintergrundinformationen:
Internationaler Gerichtshof

(Bildquellen: NATO.org, ZDF.de)

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