“Ihr könnt Euch darauf verlassen: Dieser Staat wird Euch nicht missbrauchen.”

von Dirk ~ 20. Juli 2008. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik.

Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte haben Rekruten der Bundeswehr vor dem Reichstag in Berlin ihr Gelöbnis abgelegt. Nachdem in Medien das Desinteresse führender Politiker an dem feierlichen Zeremoniell kritisiert worden war, nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) daran teil und etwa 20 der 612 Bundestagesabgeordneten sowie der Wehrbeauftragte. Bundeskanzlerin Merkel sagte kurz vor dem Gelöbnis in einem ARD-Interview, sie wolle den Soldaten ihre Achtung zeigen. Zudem nannte sie es “skandalös”, dass die an der Berliner Landesregierung beteiligte Linkspartei die Proteste gegen das Gelöbnis unterstütze.
Zum Jahrestag des Attentats vom 20. Juli 1944 bekannten 500 junge Rekruten der Bundeswehr ihre Treue zur Werteordnung des Grundgesetzes. Die Bundesregierung würdigte die Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Gewaltregime als Vorbilder für heute.

Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (89) sprach als Redner beim Gelöbnis auf dem Platz der Republik vor dem Deutschen Bundestag die jungen Soldaten direkt an, der Altkanzler berichtete über seine eigenen Erfahrungen als Soldat und die Lehren daraus. Helmut Schmidt versicherte den 500 Rekruten:
“Liebe junge Soldaten! Ihr habt das große Glück – ganz anders als ich als Rekrut des Jahres 1937!, – Ihr habt das Glück, einer heute friedfertigen Nation und ihrem heute rechtlich geordneten Staat zu dienen. Ihr müsst wissen: Euer Dienst kann auch Risiken und Gefahren umfassen. Aber Ihr könnt Euch darauf verlassen: Dieser Staat wird Euch nicht missbrauchen. Denn die Würde und das Recht des einzelnen Menschen sind das oberste Gebot – nicht nur für die Regierenden, sondern für uns alle.”
Rede des Bundeskanzlers a.D. Helmut Schmidt

Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) erläuterte in seiner Rede vor den Soldaten und den über 2.000 Gästen, was der “Aufstand des Gewissens” für die spätere Bundesrepublik bedeutete und weswegen auch heute die Soldaten mit ihrem Gelöbnis die Menschen ehren, die damals “das Recht und die Freiheit verteidigten”, erklärte Verteidigungsminister Jung in seiner Ansprache mit einem Ausspruch Winston Churchills: “Diese Männer kämpften ohne Hilfe von innen oder außen – einzig getrieben von der Unruhe ihres Gewissens. Ihre Taten und Opfer sind das Fundament eines neuen Aufbaus.”
Rede des Bundesministers der Verteidigung Franz-Josef Jung

Historie des deutschen Widerstandes, der 20. Juli 1944 und die Geschichte der Bundeswehr. 

Presse-Echo:
Berichterstattung DIE ZEIT
Berichterstattung Franfurter Allgemeine FAZ.NET
Berichterstattung FOCUS
Berichterstattung DIE WELT
Berichterstattung DER SPIEGEL
Berichterstattung ARD
Berichterstattung ZDF

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