Tapferkeit und ‘Postheroische Gesellschaft’ – 20. Juli 1944/2008

von Dirk ~ 19. Juli 2008. Zu lesen unter: Militärgeschichte.


Pour le mérite, der “Blaue Max”
BwBlauerMaxBand

Beim morgigen umstrittenen Feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr erstmals am Deutschen Bundestag zum Gedenken an den 20. Jui 1944 wird Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt, der zugleich erster sozialdemokratischer Bundesminister der Verteidigung (1969-1972) war und als junger Oberleutnant in der Luftwaffe der Wehrmacht im Fronteinsatz die Schrecken des Krieges erlebt hat, die Festrede halten. Nach Gründung der Bundeswehr wurde Helmut Schmidt am 14.03.1958 zum Hauptmann d. R. ernannt, vom 20.10. bis 15.11.1958 nahm Helmut Schmidt als Reserveoffizier an einer Wehrübung bei der Flugabwehrschule in Rendsburg (heutige “Feldwebel-Schmid-Kaserne”) teil und wurde zum Major d. R. befördert. Wegen angeblichem Militarismus wurde Schmidt noch während der Wehrübung aus dem Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion abgewählt.
1975 nannte die französische Boulevardzeitung France Soir den damaligen (1974-1982) Bundeskanzler Helmut Schmidt in einer Überschrift “Le Feldwebel” , fortan blieb er für die Linke “Le Feldwebel”. Bei den Deutschen ist Helmut Schmidt der beliebteste und fähigste Politiker der jüngeren deutschen Geschichte.
Beim Gelöbnis am Reichtstagebäude werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dabei sein und ansonsten werden viele andere Politiker durch Urlaubs-bedingte Abwesenheit glänzen, zwei “Gegen”-Demonstrationen haben sich angesagt und etwa 1.800 Polizeibeamte aus Bund und Ländern werden im Einsatz zur Absicherung sein. Am Vortag des Gedenkens an Claus Schenk Graf von Stauffenberg (15.11.1907 – 20.07.1944), Werner von Haeften (09.10.1908 – 20.07.1944), Friedrich Olbricht (04.10.1888 – 20.07.1944), Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim (25.03.1905 – 20.07.1944) und die weiteren Deutschen Widerstandskämpfer will Soldatenglück.de in unserer ‘Postheroischen Gesellschaft’* etwas vermeintlich Unpopuläres tun und die Diskussion über eine Tapferkeitsauszeichnung für unsere Soldatinnen und Soldaten um einen weiteren Aspekt bereichern.

Bw-GeloebnisBMVgAktuell sind nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) rund 6.860 deutsche Soldaten, darunter etwa 330 Soldatinnen an UN-, EU und NATO-Bundeswehreinsätzen beteiligt. Alle haben – und die 500 Rekruten der 5. und 6. Kompanie des Wachbataillons beim BMVg werden es morgen tun – beim Feierlichen Gelöbnis die Eidesformel abgelegt: “Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen”.
Mit diesen im Soldatengesetz festgeschriebenen Worten bekennen sich jedes Jahr zehntausende junge Soldaten zu ihrer Aufgabe für die Gemeinschaft und zu ihren gesetzlichen Pflichten. “Tapfer verteidigen” findet rund um den Globus statt.

Bw-EinsatzmedaillenFür besondere Tapferkeit besteht noch keine adäquate Regelung, wie ein/e Soldat/in ausgezeichnet wird, der/die sich unter Einsatz von Leib und Leben eingesetzt hat für seinen Auftrag, seine Kameraden oder für Dritte. Die Einsatzmedallien der Bundeswehr (rechts oben) als “sichtbarer Dank Deutschlands”, der UN, NATO (rechts) und EU (unten) geben zwar farbenfroh Auskunft an der Bandschnalle der Bundeswehr (32 deutsche gibt es bislang) , wo der Uniformträger im Einsatz war, aber ob er dort besonders tapfer war oder “nur” seine Kontingent-Stehzeit erfüllt hat, bleibt offen. Die  Bw-EM EUFOR CongoBundeswehrmedaille und Bundeswehrkreuze in Bronze, Silber und Gold werden verliehen, förmliche Anerkennungen ausgesprochen, der angloamerikanische NATO-Sprachgebrauch kennt auch das Letter of Appreciation oder den Commanders oder Regocnition Coin (for outstanding performance), aber einen militärischen Orden für besondere Tapferkeit, den hat unser Land noch nicht. Das Bundesverdienstkreuz steht mit seinen verschieden Stufen zur Verfügung, aber eine Medal of Honor, ein Silver Star vergleichbar mit den US-amerikanischen Streitkräfte oder das Victoria Cross für britische Streitkräfte ist es nicht.

Bw-EhrenkreuzeBW

Im März des Jahres wurde die Diskussion um eine Tapferkeitsauszeichnung für Soldaten erneut öffentlich, das Eiserne Kreuz (EK) kam ins Gespräch und wurde verworfen. Die Ehrenkreuze der Bundeswehr (in Reihe oben) ähneln dem EK in Form und Titel, aber das EK I und EK II bis hin zum Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillianten wollte niemand wirklich fordern. Gleichwohl ist die Diskussion noch lange nicht zu Ende geführt, der Vorgang liegt beim für Bundes-Orden zuständigen Bundespräsidialamt. Am 16. Juni sprach ich am Rande der Veranstaltung “Die Geltung der Grund- und Menschenrecht bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr” organisiert von der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit amnesty international in der Berliner Landesvertretung des Freistaates Thüringen beim Bund mit Ernst-Reinhard Beck, MdB, Mitglied im Bundestags-Verteidigungsauschuss und Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Reservisten (VdRBw, mit über 130.000 Mitgliedern). Er geht nicht von einer Regelung dieser Frage vor Ablauf (Herbst 2009) der Amtsperiode von Bundespräsident Köhler aus, er erwartet danach eine mögliche Lösung durch die Einführung einer Sonderstufe des Bundesverdienstkreuzes.

Offizielle hört sich der Standpunkt der Bundesregierung sinngemäß so an:
“Das Bundesverteidigungsministerium erwägt in Abstimmung mit dem Bundespräsidialamt seit Frühjahr 2008 die Einführung einer Sonderstufe, die ausschließlich für Tapferkeit verliehen werden soll. Hierzu soll jede der vier bisherigen Stufen des Ehrenkreuzes um eine Sonderstufe erweitert werden, die für “herausragende Einzelleistungen” im Einsatz verliehen werden soll. Ferner soll eine neue, fünfte Stufe des Ehrenkreuzes zur Ehrung “außergewöhnlich tapferer Taten” gestiftet werden.

Das Bild unten zeigt 3-mal das Military Cross und 1-mal das Conspicuous Gallantry Cross der Britischen Streikräfte.

Bw-Gallantry Awards

Die Redaktion von Soldatenglück hat sich zum Thema Tapferkeitsauszeichnung auch Gedanken gemacht und mit vielen Soldaten gesprochen.

In der Tat, eine Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes (EK) wird in der Truppe mehrheitlich kritisch gesehen und nur vereinzelt das EK favorisiert. Sonderstufen des Bundesverdienstkreuzes entsprechen am ehesten dem Bild des Staatsbürgers in Uniform. Eine Alternative mit historischer Tradition und staatsbürgerlich ziviler und soldatischer Dimension, die noch nicht öffentlich diskutiert wurde, wäre dennoch eine Überlegung wert.

Bw-BlauerMax

Was sich anbietet ist der Pour le mérite (für das Verdienst), der von Friedrich dem Großen gestiftet wurde und neben dem Orden vom Schwarzen Adler die bedeutendste Auszeichnung in Preußen war. Der Orden geht auf den 1667 gestifteten Orden de la Générosité zurück.

Den Pour le mérite gab es in der militärischen Klasse bis 1918, in der zivilen existiert er als halboffizielle Auszeichnung bis heute mit der Bezeichnung Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste.
Bw-FriedrichII
König Friedrich II. (Friedrich der Große 1712-1786, rechts) hatte 1740 den Orden Pour le mérite anlässlich des ersten Schlesischen Krieges gegen Österreich gestiftet für besondere militärische Verdienste. Obwohl er “Militär-Verdienstorden” hieß, verlieh ihn der König auch für zivile Verdienste, unter anderem an seinen Freund den Philosophen Voltaire (bürgerlicher Name: Francois Marie Arouet, 1694-1778).

Die Friedensklasse des Pour le mérite wurde angeregt durch Alexander von Humboldt (1769-1859), 1842 stiftete Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) eine Friedensklasse des Ordens für die drei Abteilungen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin, Schöne Künste. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854) und der Rechtshistoriker Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) zählten zu den ersten, die für ihre wissenschaftlichen Leistungen mit dieser staatlichen Auszeichnung bedacht wurden.

Da der Pour le mérite in der militärischen Klasse nur einmal verliehen werden konnte, führte Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) für zusätzliche Verdienste der Ordensträger das gesondert anzubringende Eichenlaub als weitere Auszeichnungsstufe ein. Das stilisierte “L” der mittleren Blattader des Eichenlaubs erinnerte an seine Gattin, die jung verstorbene Königin Luise (1776-1810); die sieben Blatt-Enden symbolisierten ihre noch lebenden Kinder. Gab es 1816 rund 1.000 Träger des Pour le Mérite, so erhöhte sich deren Zahl im Laufe des 19. Jahrhunderts erheblich.
BwBoelckeOswald

Im gesamten 19. Jahrhundert wurde der Pour le mérite weit häufiger verliehen. Von den 704 Verleihungen unter Kaiser Wilhelm II. fielen 687 in die Zeit des Ersten Weltkrieges. Der Orden wurde vielen tapferen Soldaten und auch berühmten Jagdfliegern des Ersten Weltkrieges zuteil. Mit 132 Auszeichnungen wurden die Flieger – unter ihnen Oswald Boelcke (1891-1916, rechts), das Jagdbombergeschwader 31 “Boelcke” der Bundeswehr-Luftwaffe in Nörvenich ist nach dem Jagdflieger benannt, Max Immelmann (1889-1916) oder Manfred Freiherr von Richthofen (1892-1918), ‘der rote Baron’ - besonders häufig geehrt. Ernst Jünger (1895-1998), Autor u. a. des Buches “In Stahlgewittern”, erhielt den letzten verliehenen “Pour le Mérite” kurz vor dem Waffenstillstand vom 11. November 1918.

Nach der Verleihung an den Jagdflieger Max Immelmann und aufgrund seiner dunkelblauen Farbe, wird der Pour le mérite seitdem auch “Blauer Max” genannt. Die Ordensinhaber hatten Anspruch auf besondere militärische Ehren. So waren sie stets zuerst zu grüßen, auch von Ranghöheren. Wachen mussten vor ihnen ins Gewehr treten, was sonst nur den unmittelbar Vorgesetzten und Kommandeuren vorbehalten war. Mit der Revolution von 1918/19 und dem Ende der preußischen Monarchie entfiel die Militärauszeichnung, die insgesamt 5.430mal verliehen wurde.
Bw-PourleMeriteFriedensklasse

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs erfolgten auch zahlreiche Verleihungen der Friedensklasse, Pour le mérite für Wissenschaft und Künste (rechts). Nach Abdankung der Hohenzollern im Zuge der Revolution 1918/19 wurde der Pour le Mérite nicht mehr als staatliche Auszeichnung verliehen, aber die im Kaiserreich verliehenen Orden durften auch während der Weimarer Republik öffentlich getragen werden. Da die am 31. Juli 1919 verabschiedete Verfassung jegliche Stiftung und Verleihung staatlicher Orden ausdrücklich ausschloss, organisierten noch lebende Ordensträger sich als eine freie, selbstergänzende Gemeinschaft von Künstlern und Gelehrten, die den Orden als zivile Auszeichnung verlieh. Das preußische Staatsministerium billigte 1924 das Bestehen dieser Gemeinschaft, ohne damit jedoch dem Orden den Rang einer staatlichen Auszeichnung einzuräumen. Gerhart Hauptmann und Käthe Kollwitz zählten zu den namhaftesten Persönlichkeiten, deren künstlerisches Schaffen mit der Verleihung des zivilen Pour le mérite geehrt wurde.
Bw-KaetheKollwitz

In der 12-jährigen Zeit des Nationalsozialismus ließ Hermann Göring (auch bekannt geworden unter dem Nachnamen “Maier”) als preußischer Ministerpräsident die bisherigen Träger von der Gestapo “auf ihre politische und künstlerische Eignung” überprüfen, woraufhin der Orden allen Juden und politischen NS-Gegnern abgesprochen wurde – unter anderem auch Käthe Kollwitz.

Nach der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg kam die Vergabe erneut zum Erliegen, doch wie schon zu Beginn der Weimarer Republik erfolgte eine Wiederbelebung des Ordens als zivile Gemeinschaft mit staatlicher Anerkennung. In seiner Eigenschaft als Bundespräsident genehmigte Theodor Heuss im Mai 1952 die Ordenssatzung und übernahm das Protektorat über den Orden. Die Zahl der Ordensmitglieder des Pour le Mérite wurde in der Satzung (unten vollständig) auf mindestens 30 deutsche und höchstens 30 ausländische Künstler und Wissenschaftler festgelegt. Zu den Ordensträgern zählten ab den 1950er Jahren Persönlichkeiten wie Thomas Mann und Karl Schmidt-Rotluff, den Filmemacher Wim Wenders, die Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, Hermann Hesse, Carl Zuckmayer, den Komponisten Carl Orff oder der Physiker Carl Friedrick von Weizsäcker.
Bw-BVKamBande

Das Sekretariat des Ordens Pour le mérite für Wissenschaft und Künste wird heute im Jahr 2008 vom Beauftragten für Kultur und Medien beim Bundeskanzler, Referat K 21 im Bundesministerium des Innern geführt.

So hat nun der Orden Pour le mérite in Deutschland zwar ein hohes Prestige, eine lange und vom Dritten Reich unbelastete Militärgeschichte seit 1740, eine militärisch-zivile Kombination und doch keinen offiziellen Status, keinen staatlichen Charakter wie der in der Ordenskanzlei des Bundespräsidialamtes “geführte” Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, das Bundesverdienstkreuz, rechts oben das Große Verdienstkreuz am Bande.

* Die heroische Gesellschaft war die Gesellschaft, in der der Krieger und der Bürger eins geworden sind, in der tendenziell jeder Bürger, wenn es denn nötig war, auch ein Krieger zu sein hatte …. Die postheroische Gesellschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer schrittweisen, neuerlichen Separierung des Bürgers und des Kriegers kommt …
Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Herfried Münkler lieferte in einem Vortrag das Stichwort “Postheroisch”! Demokratische Gesellschaften gehen auf Distanz zu soldatischen Leitbildern wie “Ehre” oder “Opferbereitschaft”. Sie wollen keine kriegerischen Helden [weiter].

(Bildquellen: Bundeswehr/Luftwaffe.de, DeutschesHistorischesMusum.de, KätheKollwitzMuseum.de, Bundesinnenminsterium.de, StiftungPreussischeSchlösserundGärten.de, Bundespräsidialamt.de, Pentagon.us;
Textauszüge: Orden-Pourlemerite.de)

Hintergrundinformation:
Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Satzung des Ordens Pour le mérite für Wissenschaft und Künste

Vom 27.6.1963 in der Fassung der Satzungsänderungen vom 4.6.1969 und vom 29.5.1990
BwPourleMeriteWissenschaftKuenste

Der Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste, den König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen durch Stiftungsurkunde vom 31.5.1842 dem Orden Friedrichs des Großen Pour le mérite als Friedenklasse für die Verdienste um die Wissenschaft und die Künste hinzugefügt hat, der nach Wegfall der Monarchie durch den Beschluss seines Kapitels vom 22.2.1922 (genehmigt vom Preußischen Staatsministerium am 4.3.1924) den Charakter einer freien Vereinigung von hervorragenden Gelehrten und Künstlern erhalten hatte, hat sich nachdem das deutsche Volk in der Bundesrepublik seinem staatlichen Leben am 23.5.1949 eine neue Ordnung gegeben hat, in der Sitzung seines Kapitels vom 31.5.1952 als eine freie, sich selbst ergänzende Gemeinschaft neu bestätigt.
Das Kapitel hat am 31.5.1954 beschlossen, den Herrn Bundespräsidenten zu bitten, das Protektorat des Ordens zu übernehmen. Der Herr Bundespräsident hat der Bitte entsprochen.
Das Kapitel hat am 27.6.1963 beschlossen, die folgende revidierte Satzung beschlossen, die an die Stelle der Satzung vom 18.6.1956 tritt, sowie am 4.6.1969 eine Ergänzung der Satzung durch § 10 und am 29.5.1990 eine Änderung der §§ 2 und 10 der Satzung.
§ 1
(1) Mitglieder des Ordens können nur Männer und Frauen werden, die durch weit verbreitete Anerkennung ihrer Verdienste in der Wissenschaft oder in der Kunst einen ausgezeichneten Namen erworben haben.
(2) Sie tragen als Zeichen ihrer Mitgliedschaft den Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste in seiner historischen Form. Sie sind der Tradition des Ordens verpflichtet.
(3) Die Stiftungsurkunde vom 31.5.1842 bestimmt die Form des Ordenszeichens wie folgt:
„Der doppelt gekrönte Namenszug Friedrichs II. umgibt, viermal wiederholt, in Kreuzform ein rundes goldenes Schild, in dessen Mitte der Preußische Adler steht. Die Ordensdevise umgibt ringförmig auf blau emaillierten Grund, das Ganze, die Namenszüge mit den Kronen verbindend. Das Ordenzeichen wird an einem schwarzen, mit Silber umränderten Band um den Hals getragen.”
(4) Die Abzeichen sind bis zur Neuordnung Deutschlands Eigentum der Bundesrepublik Deutschland. Jedes Mitglied ist verpflichtet dafür Sorge zu tragen, dass nach seinem Tode sein Abzeichen unverzüglich dem Bundesministerium des Innern in Bonn zurückgegeben wird.
§ 2
(1) Die Mitglieder des Ordenskapitels müssen deutsche Staatsangehörige sein. Es können jedoch auch Angehörige anderer Staaten, die seit Jahren als Gelehrte oder Künstler in Deutschland leben und wirken, zu Mitgliedern gewählt werden. Wenn Mitglieder deutscher Staatsangehörigkeit diese Staatsangehörigkeit verlieren, oder wenn Mitglieder nichtdeutscher Staatsangehörigkeit ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, treten sie ohne weiteres in die Reihe der ausländischen Mitglieder.
(2) Die Zahl der Ordensmitglieder ist vorbehaltlich der in § 10 getroffenen Sonderregelung auf dreißig festgesetzt; sie wird nach dem Ausscheiden eines Mitglieds jeweils wieder ergänzt.
(3) Von diesen Mitgliedern sollen in der Regel je zehn auf die Geisteswissenschaft, die Naturwissenschaft und die Künste entfallen.
§ 3
Außer den dreißig Mitgliedern des Kapitels kann das Kapitel auch Angehörige anderer Staaten zu Mitgliedern des Ordens wählen. Die Zahl der ausländischen Mitglieder soll die der Mitglieder nicht übersteigen; bei ihrem Ausscheiden sollen Ersatzwahlen nicht erforderlich sein.
§ 4
Die Mitglieder des Kapitels treten mindestens einmal im Jahr am 31.5. als dem Stiftungstage des Ordens oder in den folgenden Wochen zu einer Kapitelsitzung zusammen. Hierzu lädt der Kanzler rechtzeitig unter Mitteilung der Tagesordnung ein.
§ 5
(1) Die Mitglieder des Kapitels wählen aus ihrer Mitte durch Stimmzettel mit einfacher Mehrheit der Anwesenden den Kanzler sowie den ersten und zweiten und gegebenenfalls einen dritten Vizekanzler, die den Kanzler bei dessen Behinderung nach der Rangfolge vertreten. Bei Behinderung der Vizekanzler bestimmt der Kanzler seinen Vertreter von Fall zu Fall.
(2) Scheidet der Kanzler oder ein Vizekanzler aus seinem Amt, so bestimmt das Kapitel den Nachfolger in freier Wahl.
(3) Kanzler und Vizekanzler müssen inländischen Wohnsitz haben.
(4) Jede der drei in § 2 Abs. 3 genannten Gruppen muss durch den Kanzler oder einen Vizekanzler vertreten sein.
§ 6
(1) Bei jeder Vakanz stellen der Kanzler und die Vizekanzler tunlichst in gemeinsamer Besprechung Vorschläge für die Ersatzwahl auf. Hierfür können alle wahlberechtigten Mitglieder Anregungen an den Kanzler richten.
(2) Die Vorschläge der Kanzler sind mit Angaben über Leben und Werke der vorschlagenden Persönlichkeiten den Mitgliedern des Kapitels vierzehn Tage vor dem Wahltage zu übersenden.
(3) Eine Wahl kann nur stattfinden, wenn mindestens zwei Drittel der Mitglieder des Kapitels sich an ihr beteiligen. Ausdrückliche Stimmenthaltung gilt als Teilnahme an der Wahl.
(4) Gewählt wird in der Sitzung des Kapitels auf der Grundlage der Vorschläge der Kanzler. Mitglieder, die verhindert sind, an der Sitzung teilzunehmen, können jedoch ihre Stimme in einem geschlossenen Umschlag an den Kanzler senden.
§ 7
(1) Gewählt ist, wer zwei Drittel der Stimmen der in der Kapitelsitzung anwesenden Mitglieder und die Mehrheit der Stimmen der an der Wahl teilnehmenden Mitglieder auf sich vereinigt.
(2) Sind in der Kapitelsitzung mindestens zwei Drittel der Mitglieder anwesend, so kann das Kapitel, auch unabhängig von den Vorschlägen der Kanzler, mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der anwesenden die Wahl vornehmen.
(3) Kommt eine Wahl auf Grund der Abs. 1 und 2 nicht zustande, so kann das Kapitel mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Anwesenden einen neuen Kandidaten vorschlagen. Dieser Vorschlag ist unter Angabe des Stimmenverhältnisses den abwesenden Mitgliedern mit der Aufforderung mitzuteilen, binnen zwei Wochen ihre Stimmen an den Kanzler zu senden. Gewählt ist, wer die Mehrheit der an der Wahl teilnehmenden Mitglieder auf sich vereinigt.
§ 8
Für die Wahl ausländischer Mitglieder sind die §§ 6 und 7 entsprechend anzuwenden.
§ 9
(1) Nachdem der gewählte die Wahl angenommen hat, stellt der Kanzler das Ergebnis der Wahl fest.
(2) Er übersendet dem neuen Mitglied eine Urkunde, in dem er die Wahl und die Annahme der Wahl feststellt, das neue Mitglied in der Gemeinschaft des Ordens begrüßt und die Wahl in aller Form bestätigt.
(3) Das Ergebnis der Wahl ist dem Herrn Bundespräsidenten als dem Protektor des Ordens sowie allen Mitgliedern des Ordens mitzuteilen und zu veröffentlichen.
§ 10
(1) Mitglieder, welche das 80. Lebensjahr vollendet haben, werden in die in § 2 festgelegte Mitgliederzahl nicht eingerechnet. Sie behalten ihre vollen Rechte.
(2) Es können insofern neue Mitglieder über die in § 2 festgelegte Zahl der Mitglieder hinaus gewählt werden.
(3) Es sollen aber in einem Jahr nicht mehr als zwei zusätzliche Mitglieder gewählt werden. Die Gesamtzahl der Mitglieder darf vierzig inländische und vierzig ausländische Mitglieder nicht überschreiten.

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1 Kommentar zu Tapferkeit und ‘Postheroische Gesellschaft’ – 20. Juli 1944/2008

  1. antibuerokratieteam.net » Blog Archive » Tapferkeit: Alternativen zum EK?

    [...] mir gestern aufgefallen ist. Soldatenglueck schlaegt vor, statt des Eisernen Kreuzes doch etwa den Pour le Merite – ‘Blauer Max’, der nach 1918 nicht mehr in der militaerischen Form existierte, als Grundlage fuer die [...]

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