Gedanken über Afghanistan von Wigald Boning
von Dirk ~ 12. Juli 2008. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF.Wigald Boning, eigentlich Comedian und TV-Entertainer hat sich ein Bild der Lage in Afghanistan verschafft und äußert sich auf seine Art, dabei reiht er landeskundliche Fakten und seine Eindrücke analytisch aneinander. Wie Till Eulenspiegel hält er den Spiegel vor, ihm sind viele “Lebenslügen der Politik” in Bezug auf die Lage am Hindukusch aufgefallen.
Zusammen mit Barbara Eligmann spendete er 150.000 Euro dem Verein Lachen Helfen e.V. (Privatinitiative von deutschen Soldaten zur Hilfe für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten), der mit dem Geld den Aufbau von zwei Schulen und zwei Krankenhäusern in Afghanistan finanzierte. Daraufhin lud ihn die Bundeswehr ein, sich in Afghanistan anzusehen, wie das von ihm gespendete Geld eingesetzt wurde. Wigald Boning nahm die Einladung an – und erlebte eine Reise in eine andere Welt.
Im aktuellen stern.de-Interview redet Wigald Boning Tacheles, die deutsche Militärpräsenz in Afghanistan müsse, um erfolgreich zu sein, eher auf Jahrzehnte als auf Jahre angelegt sein.
Wigald Boning: “Momentan wird das Mandat immer um ein Jahr verlängert. Aber Jahrzehnte sind eher die Zeiträume, in denen man denken muss. Es gab 30 Jahre Krieg, 30 Jahre keinen Schulunterricht, das ist eine vormoderne Gesellschaft im Mittelalter. Viele Lebenslügen der Politik sind mir aufgefallen. Zum Beispiel die Vorstellung, dass man mit einem Schlag die Gleichberechtigung der Frau durchsetzen kann. Das geht einfach nicht so schnell. Das hat in Europa auch Jahrhunderte gedauert. Ich habe keine Frau ohne Burka gesehen. [...] Es geht jetzt darum, Sicherheit zu schaffen. Dann kommen Schulbildung und medizinische Versorgung. Das ist schon eine derartige Sisyphusaufgabe für Jahre. [...]

Ich habe zudem versucht, die Landessprache Dari zu sprechen. Das kam gut an. Ausgesprochen beschämend war, als der Dorfälteste zu mir kam und sagte: “Und wenn Sie irgendwann mal in Ihrem Leben irgendein Problem haben sollten, kommen Sie zu mir und ich werde Ihnen mit allem, was mir zur Verfügung steht, helfen.” Das sagt jemand, der noch nicht einmal genug Wasser zum Überleben hat. [...] Der Norden, wo die Bundeswehr unterwegs ist, ist die ärmste Region im viertärmsten Land der Welt, die Lebenserwartung beträgt durchschnittlich 42 Jahre.
[...]
Es macht zum Beispiel keinen Sinn, Dörfern Schulen zu spenden, wenn vor Ort keine Lehrer zur Verfügung stehen. Gedanken mache ich mir schon, selbst wenn das alles Tropfen auf den heißen Stein sind. Allein schon der Einsatz der Bundeswehr: Das sind beispielsweise 300 in Leute in Feyzabad für ein Gebiet so groß wie Niedersachsen. Tatsache ist allerdings: Es gibt überhaupt keine Alternative zu dem, was die Isaf in Afghanistan unternimmt.”
zum stern.de-Interview:
(Textauszüge: stern.de / Bildquelle: Lachen Helfen e.V.)






















