Helmut Schmidt und Michail Gorbatschow über Helmut Kohl
von Sebastian ~ 13. März 2010Altbundeskanzler Helmut Schmidt über seinen Nachfolger Helmut Kohl: “Er hat seine Sache erstklassig gemacht”
Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat seinem Nachfolger Helmut Kohl,
der am 3. April 80 Jahre alt wird, große Anerkennung ausgesprochen. In einem Interview in der neuen stern-EDITION “Helmut Kohl”, die von Montag an im Handel ist, sagte Schmidt, Kohl sei im Herbst 1989 “zu großer Form aufgelaufen”. In einer Situation, in der erstmals seit 1948/1949 die Zusammenführung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten denkbar wurde, habe Kohl “Mut und Intuition” bewiesen. Schmidt: “Er hat seine Sache erstklassig gemacht. Großes Lob von meiner Seite.”
Trotz des Lobes spart der Altkanzler aus Hamburg aber auch nicht an Kritik an seinem Nachfolger aus der Pfalz. Schmidt: “Von März 1983 – da ist er gewählt worden – bis in das Jahr 1989 hinein war er kein herausragender Regierungschef.” Hätte es 1988, ein Jahr vor dem Fall der Mauer, Bundestagswahlen gegeben, so hätte es Kohl nach Schmidts Einschätzung schwer gehabt, wiedergewählt zu wurden.
Auch nach der gelungenen politischen Vereinigung sei Kohl “eine Kette von Fehlern” unterlaufen. Schmidt sagte, es wäre besser gewesen, die D-Mark statt eins zu eins nur drei zu eins umzutauschen, weil dann die DDR-Wirtschaft wettbewerbsfähiger gewesen wäre. Ein “unglaublicher Fehler” sei auch die Treuhandgesellschaft gewesen, “die meinte, was Zukunft zu haben schien, an den Meistbietenden versteigern zu sollen und die anderen dichtzumachen”. Schmidt: “So sind viele Fehler zusammengekommen, die dazu führen, dass auch heute noch der Lebensstandard in der ehemaligen DDR unter dem im Westen liegt und dass die Arbeitslosigkeit dort höher ist als in Westdeutschland.”
“Etwas kleinlich” nannte Schmidt die Entscheidung des Kanzleramtes, Kohl im vergangenen November kein Bundeswehrflugzeug zur Verfügung zu stellen, um ihn zu den Einheitsfeiern nach Berlin zu holen. Auf die Frage, was er an Stelle von Kohl getan hätte, sagte der auch im Rollstuhl sitzende Schmidt: “Ich wäre mit der Eisenbahn hingefahren.”
Michael Gorbatschow in stern-EDITION: Es war mit Kohl “ein schwerer Anfang”
Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow hat eingeräumt, dass die Beziehung zu Ex-Kanzler Helmut Kohl zu Beginn unter einem schlechten Stern stand. In einem Gespräch in der neuen stern-EDITION “Helmut Kohl”, die von Montag an im Handel ist, sagte Gorbatschow: “Weil er heute mein Freund ist, kann ich es ja offen sagen: Es war ein schwerer Anfang.”
In den ersten Jahren seiner Kanzlerschaft sei Kohl, der am 3. April 80 Jahre alt wird, für die sowjetische Führung “ein Mann der USA” gewesen. “Wenn wir uns mit Vertretern der Bundesrepublik trafen, schien es manchmal, als hörten wir nur Übersetzungen aus dem Englischen”, sagte Gorbatschow in dem Interview. Er habe damals zu einem Trick gegriffen und bei seinen Europareisen bewusst einen Bogen um die Bundesrepublik gemacht. So habe es ausgesehen, als bewege sich Deutschland am Rand der Weltpolitik. Gorbatschow: “Und das hat die Deutschen nervös gemacht.”
Geändert habe sich das Verhältnis erst bei seinem ersten persönlichen Zusammentreffen mit Kohl im Oktober 1988 in Moskau. Der Friedensnobelpreisträger in der stern-EDITION: “Er war ganz offen, aufrichtig. Damals spürte ich, dass man diesem Mann vertrauen könnte.” Die beiden seien jedoch “ziemlich schlechte Hellseher” gewesen. Noch vier Monate vor dem Fall der Mauer hätten sie in Bonn die Frage der deutschen Wiedervereinigung zu einer Angelegenheit für das 21. Jahrhundert erklärt. Doch dann habe die Geschichte an Fahrt aufgenommen.
Den einstigen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker nannte Gorbatschow einen “guten Deutschen”: “Er hatte gegen den Faschismus gekämpft. Und viel getan für die Gründung der DDR.” Sein Fehler sei allerdings gewesen, dass er bis zuletzt behauptete, er brauche keine Perestrojka, das Schlagwort, unter dem Gorbatschow den Wandel der Sowjetunion und des gesamten Obstblocks einleitete.
Das Sonderheft stern-EDITION “Helmut Kohl. Der Kanzler der Einheit wird 80″ ist von Montag, 15. März, an zum Preis von 7,50 Euro im Handel erhältlich.
(Text-, Bildgrafikquelle: stern.de)













