
Ein Buchprojekt der Außen- und Sicherheitspolitischen Studienkreise e.V.
Die vergangenen zweihundert Jahre haben gezeigt, dass Südasien mehr ist als nur ein geographischer Ausdruck. Man kann keinesfalls nur noch auf Indien schauen. Die politischen Mechanismen und Zusammenhänge lassen sich erst verstehen, wenn die Gesamtheit der Region betrachtet und die Komplexität ihres reichen Kulturraums verstanden wird. Der vorliegende Band herausgegeben von Sebastian Buciak und Rüdiger von Dehn soll dazu einen Beitrag leisten.

Rezension von Miro Kamilson, Universität Oslo, Norwegen
Indien und Pakistan – das eine Land eine aufstrebende Weltmacht und das andere ein Unruheherd an der Grenze zu Afghanistan. Indien und Pakistan lenken die Geschicke auf dem Subkontinent Südasien und sind immer wieder aneinandergeraten: 1947-1949, 1965, 1971 und das letzte Mal im Kargil-Krieg 1999.
Das Buch beginnt mit einer flüssigen und strukturierten Einführung zur Historie Britisch-Indiens und beinhaltet auch Themen, die anderswo kaum zu finden wären. So beschreibt Harald Potempa vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt die Rolle Indiens im britischen Empire im Spiegel des deutschen Militärwochenblattes zwischen 1871 und 1945, „dem damals führenden Periodikum dieser Art in Deutschland.“
Insgesamt finden sich 22 Beiträge von 25 Wissenschaftlern und Studenten in der Publikation von Buciak und von Dehn. Beigetragen haben Mitarbeiter und Professoren von renommierten Universitäten und Forschungseinrichtungen, wie dem GIGA Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien, dem Institut für Zeitgeschichte, den Universitäten in Erfurt, Heidelberg, Sakarya (Türkei), Wuppertal und Zürich.
Eine Besonderheit stellt das junge Alter der Herausgeber und mehrerer Autoren dar. Die unter dreißig Jahren sind. Hier wird deutlich, dass der wissenschaftliche Nachwuchs an den Universitäten eine solide Ausbildung genossen hat und wir künftig von ihnen in der wissenschaftlichen Welt mehr hören und lesen werden.
Neben konkreten Beiträgen zur Innenpolitik Indiens und Pakistans, ist der Fokus des Buches auf die Außenpolitik beider Länder gelegt worden. Besonders zu erwähnen ist die Auseinandersetzung der Autoren mit dem Nuklearsektor auf dem Subkontinent, mit Fragen der Proliferation und des Technologietransfers.
Obwohl der Titel suggeriert, dass nur Indien und Pakistan im Blickpunkt stehen, werden auch die Staaten Südasiens an der Peripherie erwähnt. Sandra Destradi schreibt über den indischen Einfluß auf Nepal, die Autoren Stephan Maninger, Pascal Sadaune und Christoph Trinn befassen sich mit Sri Lanka. Kristin Bleyder, Britta Andrei und Valentine Offenloch widmen sich in ihren Beiträgen Bangladesch.
Fazit
Tatsächlich fehlte in Deutschland ein größerer Fokus auf Südasien. Die vorliegende Publikation von Sebastian Buciak und Rüdiger von Dehn ist ein sehr lesenswertes und interessantes Buch für Wissenschaftler, Studenten und diejenigen, die an der Außen- und Sicherheitspolitik der Region interessiert sind. Es wird sich kaum ein ähnliches deutsches Buch zu diesem Thema in dieser Breite, Tiefe und Qualität finden.
Rezension zu: Buciak, Sebastian/von Dehn, Rüdiger (Hg.) (2010): Indien und Pakistan – Atommächte im Spannungsfeld regionaler und globaler Veränderungen. Berlin: Köster-Verlag. 530 Seiten. ISBN-13: 978-3895747359. 39,80 Euro.

(Buchgrafikquelle, Textauszug: Südasien.Sicherheitspolitik.org;
Bildgrafiken: Indian Army.nic.in;
Bild unten: NATO.ISAF.int, Lt. Gen. David M. Rodriguez, right, commander of the International Security Assistance Force Joint Command greets Gen. Ashfaq Parvez Kayani, Chief of Army Staff of the Pakistan Army at Headquarters International Security Assistance Forces for the 29th Tripartite Commission meeting. The Tripartite Commission, comprised of senior military and diplomatic representatives from Afghanistan, Pakistan and the United States. Photo by U.S. Army Sgt. David E. Alvarado.)

Hintergrundinformationen: Südasien-Sicherheitpolitik.org